Fußball WM 2006Schwarze Kassen und Stimmenkauf?

Fanfest am Brandenburger Tor in Berlin während der Fußballweltmeisterschaft 2006

Der Vorwurf einer „Schwarzen Kasse“ beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die WM 2006 steht im Raum. Verschiedene Medienberichte legen nahe, dass mit Millionenbeträgen Stimmen von Fußball-Funktionären zugunsten einer Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland gekauft worden sind. Die entsprechenden Presseberichte nennen zahlreiche Verdachtsmomente, legen aber keine Beweise vor. Gleichwohl stellen sich zahlreiche Fragen. Denn die funktionärsverdichtete Fußballbranche steht seit Jahren unter einem multiplen Korruptionsverdacht.

Nun also auch der DFB? Im FIFA-Korruptionsstadel versuchte sich der DFB in den letzten Monaten mit Saubermann-Image einzubringen. Die multiple Korruption im Weltfußball wird aber möglicherweise um ein weiteres, diesmal deutsches Kapitel bereichert. Denn der DFB hat unter dem Druck bevorstehender Presseartikel eingeräumt, dass es im Zuge der WM-Organisation im April 2005 eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die FIFA gegeben hat. Der Öffentlichkeit war das bisher nicht bekannt. Der DFB muss diese Zahlung nun erklären. Das setzt ihn erheblich unter Druck. Denn warum sollten die Verantwortlichen eine millionenschwere Zahlung für ein FIFA-Kulturprogramm leisten, wenn die kulturelle WM-Galaveranstaltung im Juli 2006 gar nicht stattgefunden hat?

Unsere Forderung: Erneute Prüfung der Zuwendungen des Bundes für die WM 2006

Diese Vorwürfe müssen nun schnell aufgeklärt werden. Denn der DFB war mit dem Organisationskomitee der Fußball-WM 2006 in Deutschland und der Kulturstiftung ein Partner von Deutschem Bundestag und der Bundesregierung. Allein durch die Sportförderung des Bundes sind in den Jahren von 2000 bis 2006 fast 300 Millionen Euro aus Steuergeld in die Fußball-WM 2006 geflossen.

Der Stadionbau in Berlin und Leipzig wurde vom Bund mit rund 250 Millionen Euro finanziert. Denn ohne das Berliner Olympiastadion oder ein Stadion in den damals neuen Bundesländern wäre eine Bewerbung des DFB um die WM nicht aussichtsreich gewesen. Auch das Kulturprogramm der DFB-Kulturstiftung wurde mit mehr als 20 Millionen Euro vom Bund unterstützt. Der Fußball-Globus tourte durch die Republik und Ausstellungen, Lesungen, Filme und weitere Projekte leisteten einen viel beachteten und gut besuchten Beitrag zur Darstellung der Kultur des Fußballs. Darüber hinaus wurden politische und organisatorische Fragen der WM 2006 durch eine Stabsstelle im Bundesinnenministerium koordiniert, die mit knapp 15 Millionen Euro im Bundeshaushalt unterstützt wurde. Aus diesen Millionenbeträgen speiste sich auch ein „Gastgeberkonzept“.

Offenlegung der Akten für mehr Transparenz

Die Bundesregierung muss klären, ob aus diesen Etatposten zweckwidrige Maßnahmen finanziert wurden, egal ob beim Organisationskomitee oder bei der FIFA. Daher haben wir bereits im Juni 2015 die beteiligten Ministerien auf Bundesebene gebeten, ihre Akten offenzulegen. Für Özcan Mutlu, sportpolitscher Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, war insbesondere die Antwort von Bundesinnenminister de Maiziere nichtssagend und abwiegelnd. Daher fordert die grüne Bundestagsfraktion: Der Bundesinnenminister muss umfassend und schnell prüfen, was die Akten im Lichte der neuen Erkenntnisse hergeben und Öffentlichkeit und Parlament informieren.

Zukunft des internationalen Ansehens des DFB

Auch Fußballfans und weitere sportinteressierte Personen in Deutschland und auch in anderen Staaten brauchen Klarheit, ob der DFB, der auch auf internationaler Ebene unterwegs ist, ein transparenter und glaubwürdiger Ausrichter von Groß-Events ist. Auch vor dem Hintergrund der beabsichtigten Bewerbung um eine Europameisterschaft im Jahr 2024 in Deutschland sind dringend Antworten gefordert. Die zurückhaltende Rolle des DFB in der aktuellen Korruptionsdebatte rund um die FIFA müsste dann ebenfalls beleuchtet werden.

Daher: Lieber DFB, wir fordern glaubwürdige Erklärungen!

Die grüne Position

Im Dezember 2014 hat die grüne Bundestagsfraktion einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht, in dem sie verbindliche politische Regeln im internationalen Sport, die Achtung von Menschenrechten, den Schutz der Umwelt und die Bekämpfung von Korruption einfordert.

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