SportausschussWeiter keine Klarheit über verschwundene WM-Millionen

Am 3. November haben Steuerfahnder die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main durchsucht.

Es ist und bleibt ein Ärgernis, dass der Sportausschuss in nicht öffentlicher Sitzung tagt. Die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben zum wiederholten Mal eine Öffnung der Sportausschusssitzung abgelehnt. Das ist unverständlich und trägt nicht zu mehr Transparenz und einer Öffnung der Ausschüsse bei. Wir bleiben dabei: Die Ausschüsse im Deutschen Bundestag sollten grundsätzlich öffentlich tagen.

Bundesinnenministerium verzögert Aufklärung

Die Fußball-WM 2006 in Deutschland war vielen Politikerinnen so manches öffentliche Statement und plakative Foto wert. Wenn es heute um die Aufklärung der Vorwürfe rund um die verschwundenen WM-Gelder in Millionenhöhe geht, dann ziehen die Regierungsfraktionen unverständlicherweise lieber die Nichtöffentlichkeit vor. Aber auch das für die Sportpolitik zuständige Bundesinnenministerium will offenbar nicht zu mehr Klarheit und Offenheit über die Zahlungswege und Verantwortlichkeiten rund um das größte Sportereignis in Deutschland der letzten Jahre beitragen. Auch in der Sportausschusssitzung am 4. November wurde lediglich ein mündlicher Bericht abgegeben. Belastbare Informationen wurden nicht vorgelegt. Es ist zu begrüßen, dass Claudia Roth als Gast in der Sitzung ihre Kritik und Nachfragen ebenfalls dargelegt hat.

Für die grüne Bundestagsfraktion ist die internationale Sportpolitik ein wichtiges Thema. Wir sind gegen Korruption und Intransparenz bei internationalen Sportverbänden und bei Sportgroßveranstaltungen. Wir machen auch vor Fragen zur Vergabe der Fußball-WM 2006 nicht halt. Bereits im Juni 2015 hatte Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher, in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gebeten, die Aktenbestände von Bundesministerien rund um die Fußball-WM 2006 auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabeentscheidung im Jahr 2000 zu sichten. Anlass waren Ermittlungsverfahren in den USA und anderen Staaten gegen führende Funktionäre des weltfußball-Verbandes FIFA wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche. Klar ist: Ermittlungsverfahren und Anklagen im Ausland können wichtige Informationen und Erkenntnisse bringen über die undurchsichtige und mit Schmiergeldern gesteuerte Vergabepraxis von Sportgroßveranstaltungen – möglicherweise auch in Deutschland oder mit deutscher Beteiligung.

Fragen rund um die Fußball-WM 2006

Vor diesem Hintergrund wiegt auch der Skandal rund um die verschwundenen Millionen im Organisationskomitee (OK) der Fußball-WM 2006 in Deutschland besonders schwer. Was ist dran an einer Schwarzen Kasse in Höhe von 6,7 Millionen Euro? Zu welchem Zweck wurde das Geld im April 2005 vom OK an die FIFA überwiesen und mit wessen Wissen landete das Geld beim ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus? Warum wurden diese Gelder vom OK an die FIFA für eine WM-Kulturveranstaltung überwiesen, obwohl doch im Oktober 2004 durch ein „Memorandum of Understanding“ zwischen FIFA, OK und Bundesinnenministerium die alleinige Kostenverantwortung der FIFA übertragen wurde? Die Frageliste an Bundesregierung und DFB-Funktionäre wie den jetzigen Präsidenten Wolfgang Niersbach ließe sich beliebig verlängern.

Wir werden alle erforderlichen parlamentarischen Kontroll- und Fragerechte im deutschen Bundestag zugunsten der Aufklärung nutzen. Denn der Deutsche Bundestag hat besonders in seiner Funktion als Haushaltsgesetzgeber das Recht zu erfahren, ob öffentliche Geldern für die WM 2006 im Rahmen der Sportförderung in Höhe von knapp 300 Millionen Euro betroffen sind. Ein Schaden für die Glaubwürdigkeit des Fußballsports in Deutschland ist bereits jetzt eingetreten. Wir brauchen endlich glaubwürdige Personen und transparente Strukturen in Sportverbänden und bei Sportgroßveranstaltungen – in Deutschland und auf internationaler Ebene.

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