06 Jul 2020

Digitale Veranstaltung 25 Jahre Srebrenica - Erinnern. Aufarbeiten. Aussöhnen.

English translation

Am 11. Juli 2020 jährt sich zum 25. Mal der Genozid von Srebrenica. Im Juli 1995 nahmen bosnisch-serbische Truppen die Stadt ein und ermordeten über 8.000 bosniakische Männer und Jungen. Bis heute sind nicht alle Massengräber gefunden. Das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs fand unter den Augen der Weltöffentlichkeit statt – ein entsetzliches Versagen europäischer Politik und der Vereinten Nationen. Während des Bosnienkriegs haben mehr als 100.000 Menschen ihr Leben verloren. Zehntausende Frauen und Mädchen wurden systematisch vergewaltigt und sexuell missbraucht.

Auch 25 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton gehören Hass und Nationalismus nicht der Vergangenheit an. Bis heute gibt es keine gemeinsame Erinnerungspolitik. Bis heute definiert sich ein Großteil der Bevölkerung über ethnische Zugehörigkeit. Bis heute werden Kriegsverbrecher vielerorts als Helden gefeiert. Bis heute verfolgen Politiker*innen die Kriegsziele von damals: die Schaffung von vermeintlich ethnisch reinen Gebieten.

Wir wollen den Jahrestag zum Anlass nehmen, um der Opfer zu gedenken und Menschen zu Wort kommen zu lassen, die sich auf unterschiedliche Weise für Gerechtigkeit und Aussöhnung einsetzen. Die den Mut haben, brutalste Kriegsverbrechen aufzuarbeiten statt sie zu leugnen und Kriegsverbrecher anzuklagen, statt sie zu glorifizieren. Die den Mut haben, ihre Stimmen zu erheben statt sich von Anfeindungen einschüchtern zu lassen. Die den Mut hatten, ihr Leben zu riskieren, um anderen das Leben zu retten.

Ihnen allen gilt unsere Anerkennung, unser Dank und unsere Unterstützung. Für die grüne Bundestagsfraktion sind Erinnerung, Aufarbeitung und Versöhnung wichtige Bausteine dafür, dass solche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht in Vergessenheit geraten und nicht wieder geschehen.

Uhrzeit Programm
17.00

Beginn der Veranstaltung

Begrüßung

Claudia Roth MdB
Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion  
 

Videobotschaft aus Belgrad, Serbien

Nataša Kandić
Menschenrechtsaktivistin und Gründerin des Humanitarian Law Center (in Serbien und Kosovo) für die lückenlose Dokumentation der in den 1990er Jahren begangenen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im ehemaligen Jugoslawien.
 

Im Gespräch   

Serge Brammertz
Chefankläger des Internationalen Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe, 2008 bis 2017 Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien

und

Margarete Bause MdB
Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
 

Videobotschaft aus Zenica, Bosnien und Herzegowina

Sabiha Husić
Menschenrechtsaktivistin und Direktorin von Medica Zenica, eine Frauenrechtsorganisation für die Überlebenden von sexualisierter Kriegsgewalt.  
 

Lesung

Saša Stanišić
Schriftsteller, in Višegrad geboren, Träger des Deutschen Buchpreises 2019
 

Im Gespräch

Saša Stanišić

und

Manuel Sarrazin MdB
Sprecher für Osteuropapolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
 

Videobotschaft aus Mostar, Bosnien und Herzegowina

Štefica Galić
Menschenrechtsaktivistin und Journalistin. Gemeinsam mit ihrem Mann rettete sie im Bosnienkrieg vielen Bosniak*innen das Leben.
 

Schlusswort

Annalena Baerbock MdB
Bündnis 90 / Die Grünen Bundestagsfraktion

18.30 Ende der Veranstaltung

Untertitel, Übersetzung der Lesung, Teil 1 aus „Herkunft“, Kapitel „SPIEL, ICH und KRIEG, 1991“:

© of the original edition 2019 by Luchterhand Literaturverlag, a division of Verlagsgruppe Random House GmbH, Munich, Germany

Translated into English by Damion Searls

© of the English translation by Jonathan Cape, a division of Penguin Random House, London, UK

 

Untertitel, Übersetzung der Lesung, Teil 2 aus „Wie der Soldat das Grammophon reparierte“, Kapitel „Hallo. Wer? Aleksandar! So was, woher rufst du an? Nicht schlecht! Beschissen, und selbst?“:

© of the original edition 2006 by Luchterhand Literaturverlag, a division of Verlagsgruppe Random House GmbH, Munich, Germany

Translated into English by Anthea Bell

© of the English translation by Pushkin Press, London, UK