22 Jan 2021

Online-Reihe "Zukunft der Landwirtschaft" Agrarökologie statt Gentechnik – Wie ernährt sich die Welt?

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  • Klimakrise, Artensterben, Bodenerosion, Höfesterben und zunehmende Marktmacht von wenigen Agrarkonzerne verschlechtern die Bedingungen, unter denen Lebensmittel erzeugt werden können
  • Das agrarindustrielle Landwirtschaftsmodell mit oft eindimensionale, technologisch ausgerichtete Ansätze wie Hochleistungssorten, Pestizide und Gentechnik verschlechtert die Situation
  • Demgegenüber stellen Ansätze wie die Agrarökologie, die an Ökosysteme angepasst sind, wichtige Methoden dar, um Hunger und Mangelernährung und gleichzeitig ökologischen Krisen entgegen zu wirken und eine an die örtlichen Bedingungen geknüpfte Erzeugung zu ermöglichen. Das gilt weltweit, in Ländern mit hohem oder geringem Industrialisierungsgrad gleichermaßen.

Die Zeit drängt und wir brauchen schnell umweltverträgliche und funktionierende Anbaumethoden, die die Ernährung für alle Menschen weltweit sicherstellt. Agrarökologische Ansätze arbeiten mit den Ressourcen, die vor Ort verfügbar sind und erhalten die Souveränität der Bäuerinnen und Bauern. Außerdem sind die Methoden klimaschonend und fördern die Biodiversität.

Agrarökologische Methoden: Besser für Mensch und Tier

Für die dringend notwendige Anpassung an die Folgen der Klimakrise bieten agrarökologische Methoden die Möglichkeit, stabile und vielfältige Anbausysteme aufzubauen und das Risiko von Verlusten durch verschiedene Kulturen zu zerstreuen.

Ziel muss es daher sein, agrarökologische Ansätze voran zu bringen und in der Praxis zu unterstützen. Dazu wollen wir auch die Forschung an solchen alternativen Ansätzen massiv ausbauen und unterstützen.

Ali Tapsoba de Goamma, Sprecher des Collectif Citoyen pour l’Agroécologie (CCAE) in Burkina Faso, zeigte in einer Grußbotschaft, dass es einen enormen Einfluss hat, für welchen Weg der Landwirtschaft sich die Menschen weltweit entscheiden würden. Die industrielle Landwirtschaft und Gentechnik als entsprechende Fortführung des Systems habe die Situation in Burkina Faso für die Umwelt und die Menschen verschlimmert. Ökologische und gentechnikfreie Bewirtschaftungsweisen dagegen seien eine wichtige Lösung zum Schutz von Ökosysteme und der Nahrungssouveränität.

Lena Bassermann, Agrarreferentin beim INKOTA-Netzwerk, bestätigte, dass einseitige Anbausysteme Klimaschwankungen stärker ausgesetzt seien und vielfältige agrarökologische Systeme stabiler und gleichzeitig klimafreundlich seien. Durch einen geringeren Pestizideinsatz könne auch die Gesundheit der Menschen geschützt werden. Erfolge, die für agrarökologische Ansätze gebe es viele, jedoch würden der politische Wille, sowie Gelder und Förderungen fehlen, um die Wende voranzutreiben.

Stig Tanzmann, Landwirtschaftsreferent bei Brot für die Welt, führte aus, dass die starke Dominanz von agrarindustriellen Systemen und eine starke Exportortorientierung vielerorts Existenzen bedrohe. Jedoch gäbe es viele Interessen, von etwa Großkonzernen, dieses für sie profitable System fortzuführen. Agrarökologische Konzepte dagegen entstünden auf Augenhöhe mit den Erzeuger*innen und nicht von oben herab. Besonders wichtig sei, dass Bäuerinnen und Bauern ihr eigenes Saatgut haben, um beispielsweise nach einer Überschwemmung schnell wieder neu aussäen zu können.

Christine von Weizsäcker, Präsidentin des europäischen Netzwerks Ecoropa, machte deutlich, dass endlich problemorientiert, statt technikzentriert gehandelt werden müsse. Techno-Fix Lösungen wie etwa Gentechnik seien Lösungen für das „Weiter so“. Sie plädierte dafür, endlich andere Fragen zu stellen und ganzheitlicher zu denken, wie etwa welche Landwirtschaft wir wollen und wie wir dorthin kommen könnten. Glücklicherweise gäbe es bereits enorme Expertise im agrarökologischen Bereich und viele Menschen aus verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Erfahrungen vernetzten sich und arbeiteten zusammen. Sie hielt ein beherztes Plädoyer gegen eine Deregulierung der neuen gentechnischen Methoden wie CRISPR/Cas. Gerade auch hier seien Zulassungsverfahren mit Risikoprüfung und Kennzeichnungspflicht notwendig.

Uhrzeit Programm
16.00

Begrüßung und politische Einführung:

Harald Ebner MdB
Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik
Sprecher für Waldpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

16.05

Grußbotschaft    

Ali Tapsoba de Goamma
Sprecher für CCAE (Collectif Citoyen pour l’Agroécologie), Burkina Faso

16.15

Talkrunde mit

Christine von Weizsäcker     
Präsidentin
Ecoropa - European Network for Ecological Reflection and Action        

Lena Bassermann
Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft
INKOTA-Netzwerk

Stig Tanzmann
Referent Landwirtschaft
Brot für die Welt

Moderation: Harald Ebner MdB

16:40 Diskussion unter Einbindung von Fragen aus dem Publikum
17.25

Schlusswort

Harald Ebner MdB
17.30 Ende der Veranstaltung