19 Jan 2021

Online-Reihe "Zukunft der Landwirtschaft" Bäuerliche Strukturen erhalten, Flächenfraß stoppen!

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Uhrzeit Programm
16.00

Begrüßung und Einführung

Friedrich Ostendorff MdB
Sprecher für Agrarpolitik
Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag

16.10

Diskussion mit

Dr. Harald Lopotz
Geschäftsführer
Landwirtschaftskammer Märkischer Kreis/Ennepe-Ruhr, Ruhr-Lippe und Soest

Mario Löhr
Landrat des Kreises Unna

Martin Tönnes
Ehem. Regionalverband Ruhr

17.30

Ende der Veranstaltung

  • Jeden Tag gehen in Deutschland ca. 56 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren. Das entspricht knapp 80 Fußballfeldern.
  • Die Bundesregierung hat sich verpflichtet den Flächenverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 30 Hektar und bis 2050 auf null zu reduzieren. Aber davon sind wir noch weit entfernt.
  • Als grüne Bundestagsfraktion setzen wir uns dafür ein, den Verbrauch landwirtschaftlicher Fläche effektiv zu reduzieren und auf ein Minimum zu begrenzen. Wie das gehen könnte, dikutierten Fachleute im Rahmen einer Online-Veranstaltung zur grünen Woche.

Mensch und Natur stehen für uns im Mittelpunkt. Wir brauchen Landwirtschaft und einen attraktiven ländlichen Raum. Wir wollen deshalb landwirtschaftliche Flächen erhalten und bäuerlichen Betrieben auch in Ballungsgebieten eine Perspektive geben. Aber die Landwirtschaft ist von einem doppelten Flächenverlust betroffen. Für die Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen für Verkehr, Gewerbe und Infrastrukturentwicklung werden zusätzliche Flächen für Ausgleichsmaßnahmen entzogen.

Unser Ziel ist es deshalb, einerseits den Flächenverbrauch deutlich zu reduzieren und da wo notwendig Ausgleichsmaßnahmen in die landwirtschaftliche Erzeugung zu integrieren. Auf diese Weise können wir landwirtschaftliche Flächen in der Produktion halten und WIN-WIN-Situationen schaffen.

Naturschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen können uns helfen den Wandel der Landwirtschaft hin zu einer langfristig nachhaltigen Erzeugung zu unterstützen und Wertschöpfung zu erhöhen. Mit mehr artgerechter Tierhaltung durch Weide und verringerten Einträgen von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln in Gewässer und Umwelt erhöhen wir die Vielfalt der Agrarlandschaft und auch die gesellschaftlich Akzeptanz der Landwirtschaft.

Dafür ist jedoch eine bessere Abstimmung über Kommunen, Kreise und Regionen hinweg notwendig. Das erfordert eine bessere Koordination, auch auf Landesebene mit Unterstützung des Bundes.

Harald Lopotz, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, beschrieb die Situation: In den vergangenen 20 Jahren seien in Nordrhein-Westfalen fast 120.000 ha landwirtschaftliche Flächen verloren gegangen. Dies bedeute, dass theoretisch in 200 Jahren in NRW keine landwirtschaftliche Flächen mehr vorhanden seien, wenn wir weiter machen wie bisher. Notwendig wäre es zuallererst Flächenverluste zu vermeiden, dann Altflächen zu verwerten und erst als letzte Maßnahme notwendige Flächenverluste auszugleichen.

In der Regional- und Flächennutzungsplanung brauche es eine Planzeichen für landwirtschaftliche Flächen. Landwirtschaftliche Flächen würden immer noch unzutreffend als „Frei“flächen begriffen.

Mario Löhr, Landrat im Kreis Unna, beschrieb, wie der Kreis Unna den Flächenverbrauch bereits jetzt unter den Durchschnitt drücke. Sein Ziel sei es, altgenutzte Flächen und Brachflächen in die vorrangige Nutzung zu bringen und die Wirtschaft dabei zu unterstützen. Das müsse im engen Austausch mit Kommunen erfolgen, die das Planungsrecht haben. Notwendig wäre jedoch mehr Steuerung auf Bundes- und Landesebene.

Martin Tönnes, ehemaliger Beigeordneter für den Bereich Planung beim Regionalverband Ruhr, bestätigte, dass landwirtschaftliche Fläche für die Regionalplanung auf Basis der Raumordnungsgesetze des Bundes und der Länder immer noch reine Verfügungsmasse sei und kritisierte die vorrangige Entwicklung auf der grünen Wiese. Eine stärkere Brach- und Altflächennutzung benötigt gesetzliche Prioritäten für die Steuerung und Förderung. Die Landwirtschaft müsse in die Bedarfsberechnung mit einbezogen werden. Es brauche eine klare Erfassung des Flächenverbrauchs, auch für Ausgleichsmaßnahmen sowie den politischen Willen für eine durchsetzungsfähige Landesplanung und eindeutige Ziele im Raumordnungsgesetz des Bundes.