03 Jul 2020

Digitale Veranstaltung Perspektiven für 100% Erneuerbare: Ausbau und Finanzierung im nächsten Jahrzehnt

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Aufzeichnung vom 03. Juli 2020.
Uhrzeit Programm
13.00

Begrüßung

Oliver Krischer MdB
Stellvertretender Fraktionsvorsitzender
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Einführung & Moderation

Dr. Julia Verlinden MdB
Sprecherin für Energiepolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

 

Diskussion mit

Dr. Karsten Neuhoff
Abteilungsleiter Klimapolitik, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Ralf Schmidt-Pleschka
Koordinator Energie- und Klimapolitik, Lichtblick SE

Katharina Habersbrunner
Sprecherin des Vorstands, Bündnis Bürgerenergie e.V.

Hans-Josef Fell
Präsident, Energy Watch Group

Peter Stratmann
Referatsleiter Erneuerbare Energien, Bundesnetzagentur

 

Schlusswort

Dr. Ingrid Nestle MdB
Sprecherin für Energiewirtschaft
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

14.30 Ende der Veranstaltung
  • Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist das Erfolgsrezept der Energiewende und hat alle Erwartungen übertroffen. Davon profitiert nicht nur Deutschland sondern auch viele andere Länder und Regionen, die inzwischen in der ein oder anderen Form ein EEG eingeführt haben.
  • Nach dem Erfolg des EEG unter Rot-Grün haben die schwarz-geführten Regierungen der letzten Jahre das EEG torpediert und sabotiert. Auch die aktuelle Bundesregierung hat die Bedeutung der erneuerbaren Energien für Menschen, Klima und Wirtschaft nicht verstanden.
  • Das EEG muss jetzt für die Zukunft aufgestellt werden. Das war das Ergebnis unseres öffentlichen Fachgesprächs „Perspektiven für 100% Erneuerbare: Ausbau und Finanzierung im nächsten Jahrzehnt“.

Im Jahr 2000, dem Geburtsjahr des EEGs, hatten die erneuerbaren Energien gerade mal einen Anteil von fünf Prozent an der Stromproduktion. Es ein großer Erfolg für die Energiewende, dass der Anteil von Erneuerbaren am Stromverbrauch in den ersten Monaten 2020 erstmals bei über 50% lag. Dies kann aber nur ein Zwischenschritt sein. Für erfolgreichen Klimaschutz muss der Ausbau der Erneuerbaren weiter erhöht und beschleunigt werden. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen müssen richtig gestaltet werden. Nur so schaffen wir Investitions- und Planungssicherheit für die Branche und können vorhandene Arbeitsplätze halten und neue schaffen. Dafür muss die Bundesregierung Verantwortung übernehmen und die Energiewende zielgerichtet nach vorne aufstellen.

Klimaschutz braucht mehr Erneuerbare Energien

In unserem öffentlichen Fachgespräch „Perspektiven für 100% Erneuerbare: Ausbau und Finanzierung im nächsten Jahrzehnt“ am 3. Juli 2020 wurden fünf Modelle für den zukünftigen Ausbau der Erneuerbaren präsentiert und diskutiert. Als eingeladene Referent*innen waren dabei: Dr. Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ralf Schmidt-Pleschka von Lichtblick SE, Katharina Habersbrunner von Bündnis Bürgerenergie e.V., Hans-Josef Fell von Energy Watch Group sowie Peter Stratmann von der Bundesnetzagentur.

Die Gäste waren sich einig, dass eine Erhöhung der Ausbaumengen und dadurch ein schneller Ausbau oberstes Ziel ist. Das zeigte auch eine Umfrage im Publikum: als größte Herausforderung wurden die für die Klimaziele zu niedrigen Ausbaumengen genannt. Außerdem befürwortete das Publikum besonders die Teilhabe an der Energiewende – zum Beispiel durch gemeinschaftliche Eigenversorgung mit Erneuerbarem Strom - sowie die sichere Finanzierung des Ausbaus.

EEG weiterhin wichtig

Die von den Referent*innen vorgestellten Modelle bewegten sich auf unterschiedliche Ebenen. Dennoch herrschte Konsens, dass dem EEG weiterhin eine wichtige Rolle für den Ausbau von Sonnen-, Wind- und Bioenergie zukommt, auch wenn es Entwicklungsbedarf gibt. So sieht das Differenzvertragsmodell des DIW nur eine kleine Änderung des aktuellen Fördermodells vor, wodurch die Finanzierungskosten für Erneuerbare-Energie-Anlagen um bis zu 30% sinken. Auch der Vorschlag von Lichtblick zur verstärkten Nutzung von Herkunftsnachweisen wurde vor allem als Ergänzung eines EEG geführten Ausbaus vorgestellt, der die steigende Nachfrage nach zertifiziertem Grünstrom decken könnte.

Auf eine besonders dezentrale und bürger*innennahe  Energiewende setzen die Vorschläge des Bündnis Bürgerenergie. Sie mahnen die Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie an, um durch „Energy Sharing“ die Möglichkeit zum Betrieb von Prosument*innen-gemeinschaften zu schaffen. Damit gut zu verbinden, so die Einschätzung der Referent*innen, sei der Vorschlag von Energy Watch Group, für ein separates neues Förderregime für sogenannte Kombikraftwerke. Diese sollten Förderung erhalten, wenn sie 100% Erneuerbare einsetzen und damit eine vorgegebene, netzdienliche Energiebedarfskurve einhalten können. Das aus dem Publikum besonders viel kommentierte Modell der Bundesnetzagentur betont die zunehmende Relevanz der Photovoltaik als größtes Kraftwerk in Deutschland und setzt darauf, dass auch kleine Photovoltaikanlagen auf Marktsignale reagieren sollten.

Bürokratieabbau notwendig

Einigkeit herrschte bei den Expert*innen über die Notwendigkeit des Bürokratieabbaus. Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen im EEG seien sehr komplex und eine Entbürokratisierung daher wichtig, um den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen. Allerdings gab es verschiedene Vorschläge zum Bürokratieabbau. Es wurden u.a. weniger Sonderregelungen, eine Erhöhung der Bagatellgrenze sowie ein CO2-Preis genannt.

Insgesamt wurde deutlich, dass der weitere Ausbau dringend notwendig ist. Nur mit mehr Erneuerbaren Energien wird es Deutschland gelingen, das Pariser Klimaziel zu erreichen und zugleich eine zukunftsfähige und krisenresiliente Energiewirtschaft zu erhalten.

Mehr Informationen zum Thema auch hier.