02 Mär 2020

Fachgespräch ERINNERN. GEDENKEN. AUFARBEITEN - Die Bedeutung unserer historischen Verantwortung für die deutsch-griechischen Beziehungen

Claudia Roth, Aris Radiopoulus, Charalampos Karpouchtsis
Claudia Roth, Aris Radiopoulus, Charalampos Karpouchtsis Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Uhrzeit Programm
16.30 Anmeldung
17.00

Begrüßung

Claudia Roth MdB
Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17.10

Keynote

Hilde Schramm
Respekt für Griechenland e.V.
Trägerin des Moses-Mendelssohn-Preis

17.20

Fachliche Inputs

Matthias Reuß
Wissenschaftliche Dienste, Deutscher Bundestag

Aris Radiopoulos
Buchautor, Athen

Charalampos Karpouchtsis
Deutsch-Griechischer Jugendaustausch
PhD Reseacher, Jena Center for Reconciliation Studies
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Manuel Sarrazin MdB
Sprecher für Osteuropapolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

18.05

Diskussion

Moderation: Lisa Badum MdB
Sprecherin für Klimapolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

18.50

Schlusswort

Katja Keul MdB
Sprecherin für Rechtspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

19.00 Empfang
 

Im Anschluss an das Fachgespräch wird für Interessierte der Dokumentarfilm von C. Konstantinidis „Der Balkon - Wehrmachtsverbrechen in Griechenland“ (2018) gezeigt.

Anreise

Mit der S-Bahn bis zur Haltestelle "Hauptbahnhof" oder "S+U Brandenburger Tor" oder mit dem Bus 100 bis zur Haltestelle "Reichstag/Bundestag". Mit der U-Bahnlinie U55 können Sie direkt mit der Haltestelle "Bundestag" zum Eingang des Paul-Löbe Hauses gelangen. Über den Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1 gelangen Sie zum Veranstaltungsort.

  • Die Bundesregierung betrachtet die deutsch-griechische Reparationsfrage als abschließend geregelt. Die Wissenschaftlichen Dienste (WiDi) des Deutschen Bundestages kommen allerdings zu dem Schluss, dass diese Position keineswegs zwingend ist.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen uns auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit der historischen Verantwortung Deutschlands auseinandersetzen. Wir erkennen an, dass es viele ungeklärte Fragen gibt und das Thema für unsere griechischen Freundinnen und Freunde nicht erledigt ist.  
  • In einem Fachgespräch haben wir erörtert, welche Rolle die Reparationsdebatte bis heute spielt und wie wir durch Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen sowie im Erinnern und Gedenken an die deutschen Verbrechen in Griechenland zu einem stärkeren Miteinander kommen können.

Während des Zweiten Weltkrieges hat die deutsche Besatzung in Griechenland schwerste Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung Griechenlands wurde ermordet. Zehntausende Menschen wurden als „Vergeltung“ für den Widerstand von Partisanen exekutiert. Weit über 100.000 starben an Hunger und kriegsbedingten Krankheiten. Wir Grüne im Deutschen Bundestag wissen um diese deutsche Schuld und unsere historische Verantwortung.

Bundesregierung betrachtet Forderungen als erledigt

Bis heute sind die griechischen Reparations- und Rückzahlungsforderungen hochumstritten. Während die griechische Regierung im Juni 2019 Deutschland offiziell aufforderte, über etwaige Reparationszahlungen in Verhandlung zu treten, betrachtet die Bundesregierung die Forderungen als erledigt.

Vor dem Hintergrund unserer historischen Verantwortung und den vielen offenen Fragen haben Vize-Präsidentin Claudia Roth und die Abgeordneten Manuel Sarrazin, Katja Keul und Lisa Badum zum Fachgespräch über die Zukunft der deutsch-griechische Reparationsdebatte eingeladen.

So eindeutig ist die Lage nicht

Hilde Schramm, Trägerin des Moses-Mendelssohn-Preises, machte zu Beginn deutlich, dass die Verpflichtungen aus der Kriegsschuld keineswegs erledigt sind. Der von ihr mitgegründete Verein „Respekt für Griechenland e. V.“ fordert konkret die Rückzahlung des Zwangskredits, Erstattungen von Lösegeld und Bahnfahrkarten sowie die Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum.

Dr. Matthias Reuß stellte den Inhalt einiger zu diesem Themenkomplex entstandenen Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags vor und kam zu dem Schluss, dass die ablehnende Position der Bundesregierung keineswegs zwingend ist. Aris Radiopoulos, griechischer Diplomat und Buchautor, unterstrich, dass die griechische Regierung zu keinem Zeitpunkt eine Verzichtserklärung abgegeben habe.

Im Gegenteil. In mehreren Verbalnoten wurde die Bundesregierung zu Verhandlungen aufgefordert, ohne Erfolg. Charalampos Karpouchtsis vom Deutsch-Griechischen Jugendaustausch unterstrich die Bedeutung von Jugendarbeit für den Abbau von Vorurteilen und ein besseres Miteinander. Deutsch-griechische Jugendprojekte können und dürfen aber keine Kompensation für die ungeklärten Fragen der Reparationsdebatte sein.

Das Ziel ist ein stärkeres Miteinander

Für uns Grüne im Bundestag ist klar: Auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges müssen wir uns mit der historischen Verantwortung Deutschlands auseinandersetzen. In der deutsch-griechischen Reparationsdebatte gibt es viele offene Fragen, denen wir uns stellen wollen. Wir wollen anerkennen, dass für unsere griechischen Freundinnen und Freunde das Thema der Reparationen und Wiedergutmachung noch nicht erledigt ist. In den kommenden Monaten werden wir als Bundestagsfraktion diskutieren, wie wir durch Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen sowie im Erinnern und Gedenken an die deutschen Verbrechen in Griechenland zu einem stärkeren Miteinander kommen können.

Impressionen