18 Jan 2021

Online-Dialog Stadt-Land-Zukunft in Merzig-Wadern

  • Am 18. Januar 2021 trafen wir uns mit über 50 Bürger*innen aus der Region zum Online-Dialog „Stadt-Land-Zukunft“.
  • Aus der Telefonumfrage wussten wir, dass Engagement hier großgeschrieben wird. Doch der tatsächliche Umfang des bürgerschaftlichen Engagements hat uns sehr beeindruckt!
  • Lösungen aus Merzig-Wadern könnten auch für andere ländliche Regionen attraktiv sein. Doch dafür müssen die erkannten bürokratischen Hemmnisse dringend ausgeräumt werden.

Merzig-Wadern gehört zu den Landkreisen, den viele erst auf der Karte suchen müssen. Er liegt 800 Kilometer von Berlin entfernt – im Saarland. Landschaftlich wunderschön, doch wie lebt es sich hier? Im Projekt Stadt-Land-Zukunft interessierte uns, wie sich die Menschen von der Politik vertreten fühlten.

Wir, die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, wollten wissen: Wie geht es den Bürger*innen hier? Was läuft gut? Was sollte verbessert werden? Welche Wünsche und Ideen haben sie für ihre Region?

Durch die vorgeschaltete Telefonumfrage wussten wir bereits, dass Engagement und das Miteinander hier groß geschrieben werden. Die Natur wird sehr geschätzt, doch es fehlen Arbeitsplätze. Die Mängel beim ÖPNV und der Fernanbindung werden als Belastung empfunden.

Als wir am 18. Januar 2021 zum Online-Dialog Merzig-Wadern einluden, um mehr zu erfahren, kamen über 50 Personen.

Unsere erste Frage galt der Mobilität

Tatsächlich kamen wir hier im besten Sinne zu spät. Es wurde bereits ein neues Verkehrskonzept umgesetzt: mit integralem Taktfahrplan auf den Hauptachsen, ergänzt durch Rufbusse, Abstimmung mit den regionalen Bahnanschlüssen und durchdachte Schüler- und Jobtickets. Im Corona-Jahr 2020 konnte sich das Konzept noch nicht bewähren, doch es wurde von den Teilnehmer*innen sehr positiv aufgenommen. Viele erfuhren tatsächlich erst in unserem Online-Dialog von den Neuerungen im ÖPNV. Hier braucht es noch bessere Kommunikation.

Um tatsächlich autofrei mobil sein zu können, fehlt es nun noch an sicheren Radwegen. Auch ein Car-Sharing-Angebot wäre sinnvoll.

Lebensmittel kaufen, wo man wohnt

Der Tante Emma-Laden kommt in Merzig-Wadern im neuen Gewand zurück. Hier gibt es mehrere Initiativen, die sich für eine Nahversorgung mit regionalen Lebensmitteln einsetzen. Nach dem Motto „analog und regional trifft digital“ gibt es ein ausgefeiltes System von lokalen Knotenpunkten, wo die regionalen Waren abgeholt werden, ergänzt durch ein Bestellsystem mit Lieferservice. So ist die gute Versorgung auf den Dörfern wieder möglich. Großartig!

Gute Gesundheitsversorgung - engagiert erkämpft

In Merzig-Wadern gibt es ein großes Engagement für fortschrittliche Angebote der Gesundheitsversorgung: eine Bürger*innen-Initiative mit 750 Mitgliedern hat sich erfolgreich für ein medizinisches Versorgungszentrum inkl. kleiner stationärer Einrichtung eingesetzt. Parallel hat eine Bürgerstiftung ein ehemaliges Krankenhaus-Gelände erworben und dort in acht Jahren Arbeit einen vielfältigen Gesundheitscampus mit 17 Ärzt*innen und vielfältige Angeboten für Langzeiterkrankte errichtet. Beeindruckend!

Zäh und kreativ!

Wir haben in Merzig-Wadern Menschen kennengelernt, die engagiert zupacken, die sich ideenreich und ortsverbunden für die Verbesserung der Lebensqualität einsetzen. Menschen, die den Dialog mit der Politik, auch mit uns als Bundestagsfraktion gezielt suchen, um Unterstützung für ihre Projekte zu erhalten.
Uns hat ihre Zähigkeit und Lösungsorientierung sehr beeindruckt.

Alle Initiativen baten um Vereinfachungen der Regularien, sei es zum Beispiel zur Gründung von Dorfläden oder Car-Sharing-Angeboten oder im Sozialgesetzbuch für zukunftsfähige Gesundheitskonzepte.
Hier braucht es Unterstützung und Entlastung der Engagierten!

Uhrzeit Programm
17.45 Ankommen
Möglichkeit zur Lösung technischer Probleme
18.00

Begrüßung

Britta Haßelmann MdB
Sprecherin für Kommunalpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
18.15

Wo drückt der Schuh?
Vorstellung der Ergebnisse der Telefonumfrage in Merzig-Wadern

Sebastian Götte
aproxima, Weimar

Markus Tressel MdB
Sprecher für Ländliche Räume und Regionalpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Aufteilung in drei Workshop-Gruppen
18.30

Workshop 1: Gut über Land unterwegs
Wie schaffen wir Mobilität und gute Anbindungen – auch ohne Auto?

Mit:
Dr. Werner Ried
Verkehrsgeograph, Vorsitzender des VCD Saar und Sprecher für die „Allianz pro Schiene“

Claudia Schulligen-Maslo
Geschäftsführerin „Schulligen Reisen“, Geschäftsführerin „Arge Nahverkehrsgesellschaft Merzig-Wadern“

Markus Tressel MdB

 

Workshop 2: Gesundheit als Grundlage für ein gutes Leben
Alles da für eine umfassende Gesundheitsversorgung?

Mit:
Bernd Schröder
Sprecher der „Bürgerinitative (BI) für eine Nordsaarlandklinik“.

Ingo Jakschies
Gründer eines Gesundheitscampus im Sauerland

Britta Haßelmann MdB

 

Workshop 3: Nahversorgung neu gedacht
Wie können wir regionale Erzeuger und kleine Betriebe stärken?

Mit:
Tamara Arnold & Randolf Jobst
Gewerbeverein Keep Fresh

Klaus Marx
geschäftsführender Vorstand von der Regionalinitiative „Ebbes von hei!“ e.V., 

Claudia Müller MdB
Mittelstandsbeauftragte
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

19.30 Auswertung der Workshops
Die Impulsgeber*innen skizzieren erste Handlungsschritte aus ihren Workshops
19.45 Fazit & Ausblick
Claudia Müller MdB
und Markus Tressel MdB fassen zusammen, welche Erkenntnisse sie für ihre parlamentarische Arbeit gewonnen haben.
20.00 Ende der Veranstaltung