Fachgespräch: Tiergerechtere Haltung Außenklimaställe in der Genehmigungsfalle

Links Schweine mit Ringelschwanz in artgerechter Haltung. Rechts kupierte Schwänze im konventionellen Mastbetrieb.
Mit Stroh, Auslauf, Frischluft, genug Platz bleiben die Tiere gesünder. Viele Landwirte, die ihre Ställe tiergerecht umbauen und ihren Tieren damit Auslauf ermöglichen wollen, erhalten derzeit keine Genehmigung. Zwangsbelüftete Tierhaltungsanlagen werden hingegen meistens genehmigt. In einem Fachgespräch diskutierte die grüne Bundestagsfraktion mit ExpertInnen erste Lösungsansätze.

Seite 5: Industrielle Tierhaltung blockiert tiergerechte Ställe

Thomas Dosch, Abteilungsleiter im niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, stellte fest, dass die bisherige konventionelle Tierhaltung den Umbau der Tierhaltung in Niedersachsen verunmögliche – trotz vieler engagierter TierhalterInnen, die die Tierhaltung tiergerechter machen wollen. Die Belastungen durch die industrielle Tierhaltung seien so hoch, dass jegliche Veränderung, eben auch die hin zu tiergerechteren Ställen, keine Genehmigung bekäme. Man sei aber in guten Gesprächen mit allen Beteiligten, habe in Einzelfällen Lösungen erreicht und denke in Richtung Gruppenlösungen für mehrere Betriebe, mit denen insgesamt Verbesserungen in der Region erreicht werden könnten. Mittelfristig führe kein Weg daran vorbei, weniger Tiere besser zu halten. Auch dürfe der Schutz von sensiblen Gebieten wie Fauna-Flora-Habitat-Gebieten dabei nicht vernachlässigt werden. Das Baurecht, die Umwelt und das Tierwohl müssten integriert werden.

In der anschließenden Diskussion wurden die praktischen Probleme noch einmal klar artikuliert. Einerseits seien durch die gegenwärtigen niedrigen Erzeugerpreise die Möglichkeiten für Investitionen bei den Betrieben ohnehin schon stark eingeschränkt. Andererseits würden die Genehmigungsbehörden schon in einem ganz frühen Planungsstadium vom Bau von Außenklimaställen abraten. In weniger belasteten Gebieten seien zwar grundsätzlich noch Neubauten möglich, jedoch aufgrund der geltenden Bestimmungen nur fernab der Ortschaften. Dort könnten aber kleinere Betriebe die Erschließungskosten oft nicht tragen.

Zudem ist unklar, inwiefern die technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) den Neubau oder Umbau zu tiergerechten Haltungsverfahren berücksichtigt. Die TA wird momentan überarbeitet.

Fazit: an Lösungen wird gearbeitet

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion B90/Die Grünen, kündigte in seiner Zusammenfassung der Veranstaltung an, dass die Grünen im Bundestag und in den Ländern gemeinsam mit den TierhalterInnen Tierwohl-Verbesserungen voran bringen wollten und hierzu auch an Lösungsvorschlägen für die Genehmigung von Außenklimaställe arbeiten. Dass ein Umbau der Tierhaltung dringend nötig sei, habe nicht zuletzt das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung ergeben. Ein „Weiter so“ sei nicht akzeptabel und eine Zukunft für Außenklimaställe könne es nur geben, wenn Umweltbelastungen reduziert würden.

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