Landwirtschaft

Drittes Dürrejahr in Folge droht

Brandenburg, Biegen: Infolge lang anhaltender Trockenheit haben sich die Blätter von Maispflanzen schon teilweise gelb gefärbt. Die Bauern rechnen mit starken Ernteverlusten beim Getreide und Mais durch die anhaltende Trockenheit.
Die Landwirtschaft hat in den vergangen beiden Jahren bereits Dürresommer durchstehen müssen. Nun droht das nächste Jahr, in dem die Niederschläge zu gering sind. picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
27.04.2020
  • Der Landwirtschaft in Deutschland droht das dritte Dürrejahr in Folge.
  • Ohne eine Wende hin zu einer umweltfreundlichen und klimaangepassten Landwirtschaft ist die nächste Krise vorprogrammiert.
  • Gesunde Böden, mehr Vielfalt und weniger Tiere sind jetzt das A&O.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind die Monate Januar bis März 2020 in Europa das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren gewesen. Und es gab deutlich weniger Niederschlag als üblich.

Im April sind landesweit bisher nur rund fünf Prozent der üblichen Regenmenge gefallen. In weiten Teilen des Landes sind die Böden viel zu trocken, nach dem wenigen Regen der letzten Monate sind die Wasserspeicher in der Landschaft leer. Damit droht der Landwirtschaft ein drittes Dürrejahr in Folge – mit den entsprechenden Ernteeinbußen. Sollten wir nun eine erneute Dürre erleben, trifft unsere Landwirtschaft eine Doppelkrise, denn viele Betriebe sind bereits durch die Corona-Krise angeschlagen.

Raus aus dem Krisenmodus

Statt Krisendauermodus brauchen wir einen Klimaplan für die Landwirtschaft. Angesichts von immer häufigeren Dürren und Unwetter, Insektensterben und Höfesterben ist eine Agrarwende hin zu einer ökologischeren, tierfreundlichen und klimarobusteren Landwirtschaft entscheidend.

Die Bundesregierung hätte spätestens nach dem Dürresommer 2018 einen Plan aus der Krise auf den Tisch legen müssen. Die Bäuerinnen und Bauern brauchen schnellstens eine klare Handreichung dafür, wie sie in Zeiten der Klimakrise wirtschaften können. Ohne eine Wende hin zu einer umweltfreundlichen und klimaangepassten Landwirtschaft ist die nächste Krise vorprogrammiert.

Klimarobustere und klimafreundlichere Landwirtschaft

Wir müssen die Landwirtschaft gleichzeitig klimaresilienter und klimafreundlicher machen. Dafür gibt es verschiedene Ansatzpunkte.

Wichtig ist jetzt, dass die Bundesregierung dafür die politischen Weichen stellt:

  • Gesunde Böden: Viele Anbauregionen werden in den nächsten Jahren mit Trockenheit zu kämpfen haben. Umso wichtiger, dass der Boden gesund ist – mit genügend Humus, um ausreichend Wasser zu speichern. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um die Kohlenstoffbindung im Boden bzw. den damit einhergehenden Humusaufbau auch in der konventionellen Landwirtschaft zu steigern. Agroforstsysteme, Mischkulturen, weite Fruchtfolgen mit Zwischenfrüchten, Einarbeitung von Pflanzenresten und eine ganzjährige Bodenbedeckung machen den Ackerbau sowohl klimafreundlicher als auch robuster.
  • Diversifizierung: Die Klimakrise zeigt, dass eine auf Monokulturen und Extremspezialisierung getrimmte Landwirtschaft nicht krisenfest ist. Durch diversifizierte Wirtschafts- und Anbaustrategien lässt sich das Risiko bei zukünftigen Dürren streuen. Wir brauchen daher ein Diversifizierungsprogramm für Betriebe, das unter anderem gezielte Beratung und Förderung für neue wirtschaftliche Standbeine bietet und Betriebe dabei unterstützt, vielfältigere Fruchtfolgen und trockenheitsangepasste Kulturpflanzenarten anzubauen und zu vermarkten.
  • Subventionen nur noch klima- und umweltfreundlich: Die Milliardengelder, die bereits in die Landwirtschaft fließen, müssen zum Aufbau einer klimagerechten und stabilen Landwirtschaft genutzt werden. Umweltschädliche Agrarsubventionen müssen gestrichen werden, stattdessen soll das Geld eingesetzt werden, Betriebe dabei unterstützen, umweltfreundlicher zu wirtschaften. Öffentliche Gelder sollte es in Zukunft nur noch für Betriebe geben, die klimafreundlich und mit der Natur arbeiten. So könnte die Landwirtschaft deutlich klimafreundlicher und zugleich deutlich widerstandsfähiger werden.
  • Umbau der Tierhaltung: Wir wollen gemeinsam mit der Landwirtschaft und der Zivilgesellschaft den Umbau der Tierhaltung einleiten. Wir wollen die Tierbestandszahlen effektiv senken und die Haltungsbedingungen für die Tiere deutlich verbessern. Die Tierhaltung der Zukunft muss standortangepasst und unabhängig von Regenwald-Soja sein, dazu muss eine Eiweißstrategie aufgelegt werden.
  • Mehr Ökolandbau: Die ökologische Bewirtschaftung kann den Schutz der Biodiversität und des Klimas mit der Lebensmittelerzeugung gut verknüpfen. Wir wollen den Anteil des Ökolandbaus bis 2025 auf mindestens 25 Prozent der Fläche erhöhen. Dazu wollen wir die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in den nächsten Jahren mit einer Milliarde Euro fördern.
  • Moore renaturieren: Gerade Moorböden speichern im hohen Maße Kohlenstoff und Wasser. Wir wollen ein großflächig wirksames Moor-Renaturierungsprogramm von Bund und Ländern im Bundeshaushalt verankern, damit möglichst schnell möglichst viele der heute extensiv genutzten Niedermoore wieder einer natürlichen Entwicklung unterliegen können. Regenerierbare Moorböden müssen dafür dauerhaft wiedervernässt werden und der industrielle Torfabbau muss bundesweit  beendet werden. Bisher werden viele Moorböden intensiv als Acker- und Grünland genutzt, was zu einer Freisetzung großer Mengen CO2 führt. Moorböden dürfen nicht länger umgebrochen oder entwässert werden, sämtliche Zuschüsse zur Entwässerung solcher Böden und Direktzahlungen für Ackerbau auf Moorböden werden gestrichen.
  • Modellprojekte fördern: Wir wollen ein Bundesprogramm in Höhe von mind. 50 Millionen auflegen, das Modellprojekte für klimafreundliche Ernährungsstrategien, regionale Gemeinschaftsverpflegung und Vermeidung von Lebensmittelverschwendung fördert.