Gift und Gene

Das Firmenlog von Bayer als Leuchtreklame vor der Konzernzentrale.
Der deutsche Chemiekonzern Bayer will den US-amerikanischen Gentechnik-Konzern Monsanto übernehmen. Diese Übermacht in der Agrarwirtschaft bedroht die Lebensmittelvielfalt, BäuerInnen, VerbraucherInnen und Tiere weltweit.

Die Chefs sind sich einig – nun sind die Aktionäre und die Wettbewerbshüter am Zug. Beide können – und müssen – den Mega-Deal Bayer-Monsanto verhindern. Denn die Welt ernährt sich mit Vielfalt, nicht mit Chemie.

Ein unmoralisches Angebot

Fast 59 Milliarden Euro will Bayer in den Kauf eines der umstrittensten Unternehmen der Welt investieren. Monsanto ist bekannt für eine grenzenlose Gentechnik-Expansionspolitik – tatkräftig unterstützt von der US-Regierung – und für einen rigorosen und Abhängigkeiten schaffenden Umgang mit Saatgut-Lizenzgebühren. In letzter Zeit hat das von Monsanto entwickelte und weltweit am häufigsten eingesetzte Totalherbizid Glyphosat Schlagzeilen gemacht, weil es wahrscheinlich beim Menschen Krebs auslösen kann.

Bayer wird in Deutschland immer noch in erster Linie mit Aspirin assoziiert und der Konzern versucht sich seit Jahren ein nachhaltiges Image zu geben. Doch Bayer Crop Science ist ein bedeutender Global Player, insbesondere im Pestizidmarkt. Als deren Totalherbizid Glufosinat vor wenigen Jahren als fortpflanzungsschädigend erkannt und in der EU verboten wurde, baute Bayer ein riesiges neues Werk in den USA auf. Dort gilt Glufosinat als Hoffnungsträger für die Anwendung gegen Glyphosat toleranter „Super-Unkräuter“.

Gift und Gene

„Bayer bringt das Gift, Monsanto die Gene“. So könnte man die Firmenfusion beschreiben, bei der die Bayer – AG ihre Stellung im Pestizidmarkt und Monsanto sein Engagement für genetisch veränderte Pflanzen einbringt. Beide Unternehmen zusammen würden eine marktbeherrschende Stellung auf den globalen Märkten für (gentechnisch verändertes) Saatgut und Pestizide erreichen. Und beide Bereiche sind längst untrennbar miteinander verbunden. Modernes Hochleistungssaatgut hängt am Chemietropf - selbst dann, wenn es nicht gentechnisch so verändert wurde, dass es die Behandlung mit Glyphosat, Glufosinat und Co. unbeschadet übersteht.

Für die Zukunft unserer Ernährung setzen beide Unternehmen auf labordesignte Gentech-Pflanzen, maßgeschneidert für die zur Verfügung stehende Chemie in Form von Pestiziden. Beides wird längst im Paket verkauft, als teure „Systemlösung“. Unabhängige Organisationen kritisieren seit Jahren diese Vorstellungen und fordern stattdessen für die Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung Ökologie und Vielfalt, widerstandfähige Systeme und mehr Bildung ein.

Markt- und Lobbymacht

Der wirtschaftliche Erfolg der Fusion hängt maßgeblich am umstrittenen Herbizid Glyphosat und des zugehörigen gentechnisch veränderten Saatguts. Es ist davon auszugehen, dass somit der Druck auf die Entscheidungsträger massiv zunimmt, die über die weitere Zulassung des Monsanto-Herbizids Glyphosat entscheiden. Diese Entscheidung wird Ende 2017 endgültig für die EU fallen und auch in den USA steht Glyphosat zur Überprüfung an. Beide Unternehmen werden zudem gute Beziehungen in die Politik nachgesagt. Monsanto ist bekannt für seine hervorragenden Kontakte zur US-Regierung. In Deutschland nahm zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel das 150-jährige Bayer Jubiläum Anfang 2016 für einen Besuch zum Anlass.

Die geplante Übernahme hat große Risiken und Nebenwirkungen, nicht nur im Hinblick auf die Umwelt, es drohen auch steigende Preise für die Landwirte. Diese Übernahme darf es nicht geben. So entsteht ein übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft sondern verstärkt. Die Kartellbehörden in Europa und den USA müssen diesen Deal verhindern. Im Sinne der Vielfalt, der Umwelt, der Bauern und der Verbraucher.

Mehr zum Thema Agrar

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4400456