Fehlende ErnteherlferInnen

Landwirtschaft in Zeiten von Covid-19

Saisonarbeiter beim Spargel stechen.
Die Spargelernte steht vor der Tür, bald beginnt auch die Erdbeerernte. Für die harte Arbeit auf den Feldern werden viele Saisonarbeiter benötigt. picture alliance / blickwinkel
01.04.2020
  • Die Erntesaison hat begonnen, doch durch die Corona-Pandemie fehlen in großer Zahl ErntehelferInnen. 
  • Wir wollen, dass alle, die anpacken möchten, auch mit anpacken können. Das gilt auch für Geflüchtete, denen bisher der Zugang auf den Arbeitsmarkt verwehrt wurde. Die Aufhebung des Arbeitsverbots soll dann jedoch von Dauer sein.
  • Wir brauchen aber auch eine Landwirtschaftspolitik, die auf Vielfalt setzt, damit uns die Landwirtschaft in guten wie in schlechten Zeiten mit regionalem Obst und Gemüse versorgen kann.

Die Corona-Pandemie ist für mehrere Bereiche der Landwirtschaft eine Herausforderung. Engpässe bei ErntehelferInnen sind für bestimmte Kulturen absehbar – zum Beispiel bei der Erdbeer- und Spargelernte, die in den nächsten Wochen anstehen.

Einreisebeschränkungen eng abstimmen

Nachdem zunächst Grenzschließungen in Österreich und Ungarn dazu geführt haben, dass ErntehelferInnen beispielsweise aus Rumänien nicht nach Deutschland gelangen konnten, gilt seit dem 25. März 2020 ein vom Innenministerium verhängtes Einreiseverbot für SaisonarbeiterInnen und ErntehelferInnen.

Es ist richtig und wichtig, jetzt zuallererst auf den Gesundheitsschutz der betroffenen ErntehelferInnen und der Bevölkerung zu schauen. Trotzdem müssen jegliche Einreisebeschränkungen engstens mit der EU und den Nachbarstaaten abgestimmt werden.

Auch ist nicht ersichtlich, warum einige „systemrelevante Berufe“ wie Pflegekräfte und Berufspendler einreisen dürfen, ErntehelferInnen aber nicht. Die EU-Kommission hat zuletzt am 30. März 2020 ErntehelferInnen als systemrelevante Arbeitskräfte bestätigt, denen generell der Grenzübertritt für ihre Arbeit gestatten werden soll, um Grenzgänger und einheimische Arbeitskräfte gleichzubehandeln.

Anwerbeoffensive für die Landwirtschaft nötig

Die Landwirtschaft braucht jetzt eine Anwerbeoffensive. Die Arbeitsagenturen sind gefragt, um Arbeitssuchende mit den Betrieben zusammen zu bringen, die dringend Unterstützung brauchen.

Es sollen alle mit anpacken können, die anpacken möchten. Das können die sein, deren Nebenjob gestrichen wurde oder die aus anderen Gründen arbeitssuchend sind. Und es können Geflüchtete sein, denen bisher der Zugang auf den Arbeitsmarkt verwehrt wurde.

Eine Aufhebung des Arbeitsverbots soll dann jedoch von Dauer sein. Niemand, der jetzt für das Gemeinwohl einspringt und hart arbeitet, soll gleichzeitig befürchten müssen, anschließend abgeschoben zu werden. Grundsätzlich fordern wir von der Bundesregierung ein gesichertes Aufenthaltsrecht durch Aufnahme einer Arbeit.

Selbstverständlich braucht es für alle faire Löhne, ausreichenden Infektionsschutz und angemessene Unterbringung statt Massenunterkünften. Und wir brauchen unbedingt eine europäische Lösung, denn wir werden auch in Zukunft auf Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sein. 

Selbstversorgung bei Obst und Gemüse mangelhaft

Covid-19 zeigt aber auch: Während unser Selbstversorgungsgrad etwa bei Schweinefleisch und Milch sehr hoch ist, sieht es bei Obst und Gemüse ganz anders aus, hier ist der Selbstversorgungsgrad in den letzten Jahren sogar abgesunken. Verantwortlich dafür ist die Agrarpolitik des Landwirtschaftsministeriums, das seit Jahren vor allem die immer höhere Produktion tierischer Produkte für den Weltmarkt vorangetrieben hat.

Wir sehen es als dringende Aufgabe, unsere Landwirtschaft endlich wieder vielfältig zu machen – um BürgerInnen regionale Produkten anbieten und auch in der Krise mit wichtigen Gütern wie Obst und Gemüse versorgen zu können.