Agrarwende Pakt für faire Tierhaltung

Mit schockierenden Bilder berichtete das NDR-Magazin Panorama am 22. September über die Zustände in den Ställen einiger Vertreter des Bauernverbands. Unseren agrarpolitischen Sprecher Friedrich Ostendorff haben die Bilder bis ins Mark erschüttert. In seiner Bundestagsrede sagt er in Richtung Landwirtschaftsminister Schmidt und Bauernverband: „Der Fisch stinkt von Kopf her.“ Union und Agrarlobby blockieren jede Initiative das Tierwohl gesetzlich zu verbessern und schützen damit das System der industriellen Massentierhaltung, das Tierleid billigend in Kauf nimmt. Anton Hofreiter erklärt: „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dann entlarven sie Schönfärberei und Heuchelei der Branchenvertreter und des Bauernverbandes. Es gibt regelmäßig systematische Tierschutzvergehen. Solche Vorwürfe dürfen von den Lobbyisten nicht weiter unter den Tisch gekehrt werden. Damit schaden sie den Tieren, aber auch dem Ruf der Bauern. Es braucht eine umfassende, grundsätzliche Wende in der Tierhaltung.“

Ostendorff: „Industrialisierung der Tierhaltung hat das Erträgliche überschritten“

Wir stellen mit unserem Pakt für faire Tierhaltung und unserem Antrag „Stillstand beim Tierschutz beenden“ Lösungsvorschläge für eine Zukunft ohne Massentierhaltung vor, in der auch die Bäuerinnen und Bauern wieder eine Perspektive haben. Einen Umbau der Tierhaltung empfiehlt auch der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik (WBA), das ranghöchste wissenschaftliche Beratungsgremium des Bundesernährungs- und Landwirtschaftsministeriums (BMEL). In seinem Gutachten aus dem Frühjahr 2015 deklariert das Gremium die derzeit vorherrschende Tierhaltung in Deutschland als „nicht zukunftsfähig“ und sieht „ein hohes Risiko für das Auftreten von Schmerzen, Leiden und Schäden für die Tiere“.

Politik muss die Leitplanken setzen!

Als grüne Bundestagsfraktion setzen wir auf eine Politik der machbaren Schritte, die ein klares Ziel hat: eine faire Tierhaltung. Dafür wollen wir einen guten Rahmen schaffen, der Landwirtschaft und Handel Planungssicherheit gibt und zugleich Verbraucherinnen und Verbrauchern Qualität, Transparenz und bezahlbare Lebensmittel bieten.

„Wenn die Menschen wählen sollen zwischen blutig gebissenen Stummelschwänzen und bewegungsunfähigen Tieren einerseits und Bullerbü andererseits, wie werden sie wohl entscheiden?“, fragt Ostendorff. Jeder, der die schlimmen Bilder in den Ställen im Fernsehen oder Internet gesehen hat, kennt die Antwort. Um den Kunden im Supermarkt Transparenz darüber zu geben, unter welchen Bedingungen Schnitzel, Wurst oder Keule produziert wurden, schlagen wir eine Tierhaltungskennzeichnung auf den Produkten vor:

  • „0“ für ökologische Tierhaltung
  • „1“ für mehr Platz, höhere Anforderungen an den Stall und den Zugang ins Freie
  • „2“ für mehr Platz und höhere Anforderungen an den Stall
  • „3“ für den gesetzlichen Mindeststandard

Bei Eier funktioniert diese Kennzeichnung bereits hervorragend. Entscheidend ist aber: Die Politik muss dafür die Leitplanken setzen.

Als grüne Bundestagsfraktion wollen wir innerhalb der nächsten 20 Jahre aus der industriellen Massentierhaltung aussteigen. „Grüner statt größer werden“ ist unser Leitmotiv für die Tierhaltung der Zukunft. Unsere Ziele sind, dass es den Tieren nachweislich deutlich besser geht und die Umwelt geschont wird, dass sich tiergerechte Haltung für Bäuerinnen und Bauern lohnt, und dass Tierschutz für alle beim Einkaufen gut erkennbar und bezahlbar ist.

Die Tiere haben ein Recht auf ausreichend Platz, Auslauf, Licht und Beschäftigung sowie kundige Betreuung durch geschultes Personal. Unter solchen Bedingungen werden systematische Amputationen von Schnäbeln und Schwänzen überflüssig.

Bundestagsreden im Wortlaut

Aktuelle Stunde am 29.09.2016: Nicht tragbare Verhältnisse in Tierställen

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