Konferenz Sackgasse Pestizide

Anton Hofreiter eröffnete die Konferenz.

Seite 2: Forum 1: Ohne Risiko? Zulassungsverfahren auf dem Prüfstand

Volker Koch-Achelpöhler (Industrieverband Agrar, IVA) diskutierte mit Matthias Liess (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, UFZ) und Heike Moldenhauer (Bund für Umwelt- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND) moderiert von Harald Ebner, Fraktionssprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, über die Zulassungsverfahren für Pestizide und darüber, wie man sie verbessern kann. Pestizid-Wirkstoffe werden von der EU-Ebene zugelassen. Maßgeblich beteiligt ist hierbei der, von Hersteller-Unternehmen ausgewählte, „Berichterstatterstaat“. Er führt die konkrete Risikoprüfung durch.

Das Podium war sich einig, dass es vielfältige Probleme im Zulassungsverfahren gibt. Industrievertreter beklagten die Überforderung der Zulassungsbehörden, wodurch sich große Verzögerungen bei der Zulassung ergäben – was wiederum die Entwicklungsinvestitionen gefährde.

Heike Moldenhauer bemängelte, dass die Risikobewertung nicht unabhängig und transparent wäre. Das wäre ein einseitiger Vorteil für die Hersteller und ein Nachteil für VerbraucherInnen und Umwelt. Sie forderte ein vollkommen transparentes Verfahren auf der Basis von herstellerunabhängigen Studien. Das könne über einen Risikoforschungsfonds finanziert werden in den die Pestizid-Hersteller einzahlen. Dabei sollten alle unabhängigen peer-reviewed Studien einbezogen werden, die Daten sollen veröffentlicht werden.

Matthias Liess warf die wichtige Frage auf, ob es überhaupt möglich sei, unter Laborbedingungen eine realistische Gefahrenabschätzung und Risikobewertung zu erreichen. Im komplexen realen Ökosystem gäbe es viel mehr Einflussfaktoren als in jedem Laborversuch. Somit seien auch die Auswirkungen der Pestizide in Umwelt und Natur ganz andere als im Labor. Durch die Diskussion mit dem fachkundigen Publikum kamen Anregungen,, dass viel mehr an anderen Möglichkeiten des Pflanzenschutzes geforscht werden müsse und die Politik sich stärker um den Schutz der pestizidfreien, ökologischen Landwirtschaft gegen Kontamination kümmern solle. Das Ziel solle eine chemiefreie Landwirtschaft sein.

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