Konferenz Sackgasse Pestizide

Anton Hofreiter eröffnete die Konferenz.

Seite 5: Forum 4: Stummer Frühling? Gewinner und Verlierer des steigenden Einsatzes von Pestiziden

Wie dramatisch der, auch durch Pestizide mit verursachte, Artenschwund inzwischen ist, wurde in Forum 4 mit Bärbel Höhn kontrovers diskutiert. Florian Schöne, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings (DNR), erläuterte wie sich der Artenverlust vor allem bei Insekten inzwischen beschleunigt habe. Das zeige sich am Verlust der Arten ebenso wie an der Abnahme der Individuen. In manchen Regionen sei bis zu 80 Prozent der Biomasse an Insekten in den letzten 15 Jahren verloren gegangen. Dieser Verlust setze sich dann auf Ebene der höheren Organismen fort, so Schöne. Beispielsweise habe es bei Rebhühnern einen Rückgang um 94 Prozent in den letzten 20 Jahren gegeben.
Ohne chemischen Pflanzenschutz in der Landwirtschaft werde man eine Weltbevölkerung von bald 9 bis 10 Milliarden Menschen nicht ernähren können, stellte dagegen Norbert Lemken von Bayer Crop Science heraus. Die Industrie arbeite fortlaufend an der Entwicklung von risikoarmen Wirkstoffen, die zudem strenge Zulassungsverfahren durchliefen. Die Landwirte würden Pflanzenschutzmittel sehr verantwortungsbewusst einsetzen und viele Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität bereits integrieren, so Lemken.

Zweifel an der Unabhängigkeit der Zulassungsbehörden bei der Neubewertung von Stoffen gebe es nicht erst seit Glyphosat, erwiderte Bärbel Höhn. Es habe immer Jahre gedauert, bis gefährliche Stoffe vom Markt genommen worden seien. Bei wissenschaftlicher Unsicherheit müsse das Vorsorgeprinzip angewandt werden. Neben Anwendungsbeschränkungen und (Teil)-Verboten für besonders schädliche Substanzen müssten insgesamt die Mengen reduziert werden. Dazu bedürfe es einer umfassenden Strategie, die von der verbindlichen Anwendung guter fachlicher Praxis über Beratung und Umstellungsförderung bis zu möglichen Steuern oder Abgaben reichen könne. Letztere würden bei den Grünen derzeit intensiv diskutiert.

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