Fleischatlas 2021

Tierhaltung ist mehr als Fleischproduktion

Freilandschweine
Der Fleischatlas 2021 der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt auf, welchen enormen Feischhunger die Welt hat und welche Probleme für Klima- Umwelt- und Tierschutz sowie für die Menschenrechte damit einhergehen. Aber er zeigt auch Lösungen. picture alliance
07.01.2021
  • Der Fleischkonsum auf der Welt hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, Wissenschaftler*innen empfehlen aber eine Halbierung bis 2021.
  • Die industrielle Massentierhaltung verursacht enorme Probleme im Bereich Klima- Umwelt- Tierschutz, Menschenrechte und Gesundheit.
  • Es ist jetzt an der Zeit eine Fleischwende einzuleiten. Dazu zählen der konsequente Umbau der Tierhaltung und neue und gesunde Ernährungsgewohnheiten.

Der Hunger nach Fleisch auf der Welt ist alarmierend hoch. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat die Produktion von Fleisch verdoppelt, aktuell sind es 325 Millionen Tonnen Fleisch, die jedes Jahr produziert und konsumiert werden.

Fleischkonsum hat eine klimaschädliche Bilanz

Besonders dramatisch ist diese Tatsache vor dem Hintergrund, dass kein anderes Lebensmittel so viele negative Einflüsse auf Umwelt- Klima- und Tierschutz und Menschenrechte und unsere Gesundheit hat. 14,5 Prozent trägt der Sektor zu klimaschädlichen Gasen auf der Welt bei, für den Anbau von Futtermitteln werden nach wie vor Menschen vertrieben und Regenwälder gerodet und die Art wie in der industriellen Massentierhaltung Tiere gehalten werden, ist in vielen Fällen tierschutzwidrig. Dazu hat die grüne Bundestagsfraktion schon im Juni 2020 den Antrag „Tiere artgerecht halten und Bäuerinnen und Bauern ordentlich entlohnen“  in den Bundestag eingebracht, der zeigt, dass es auch anders geht.

Die gute Nachricht ist auch: Gerade junge Verbraucher*innen wollen sich gesund ernähren und Tiere und Klima schonen. Der Anteil an Vegetariern und Flexitariern steigt kontinuierlich, und diejenigen die Fleisch essen, fordern immer öfter eine artgerechte Tierhaltung.

Ausstieg aus dem „System Fleisch“

Mit dem Fleischatlas 2021 beleuchtet die Heinrich-Böll-Stiftung die vielfältigen Probleme, die mit dem Fleischkonsum zusammenhängen. Sie zeigt aber Wege auf, wie wir aus diesem unguten „System Fleisch“ aussteigen können.

Mit ihren Forderungen und Vorschläge fordert die Böll-Stiftung politische Weichenstellungen, für die auch die grüne Bundestagsfraktion sich seit langem stark macht. Dazu zählt die Einführung einer verbindlichen Haltungskennzeichnung bei Fleisch und Milch, nach Vorbild der erfolgreichen Kennzeichnung beim Ei. Nur so erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher, wie die Tiere gelebt haben, deren Produkte sie essen.

Der Fleischatlas 2021 macht auch deutlich: Wir müssen nicht nur die Art ändern, wie wir Tiere halten – sondern vor allem auch den Umfang, in dem wir das tun.

Wollten wir die aktuell gehaltenen Tiere alle tier- und artgerecht halten, fehlt uns schlicht die Fläche – etwa die Fläche, um Futter umweltverträglich anzubauen und die Gülle der Tiere in ebenso verträglichem Maß auszubringen. Dementsprechend wäre die Wiedereinführung der flächengebunden Tierhaltung ein wichtiger Schritt zu einer umweltverträglichen Tierhaltung.

Wissenschaftliche Gremien fordern die Halbierung des weltweiten Fleischkonsums bis 2050. Eine enorme Leistung, angesichts der aktuell steigenden Zahlen.

Für Deutschland wäre, so der Fleischatlas 2021, die Einführung einer Steuer oder Abgabe auf tierische Produkte ein wichtiges Steuerungsmittel. Außerdem sollten die pflanzliche Ernährung in Kitas und Schulen gefördert werden und zielgruppenspezifische Informationskampagnen entwickelt werden.

Die grüne Bundestagsfraktion hat besonders im Bereich der Tierhaltung Konzepte und Vorschläge erarbeitet, wie dieser Wandel hin zu einer tier- und artgerechten Tierhaltung gelingen kann. In der dringend notwendigen Fleischwende liegt eine Chance für die Landwirte, Tiere, Verbraucher und für die Umwelt.