Trockenheit

Nach der Dürre ist vor der Dürre

Sandverwehungen über Feldern in Brandenburg, April 2019
Weil in den letzten Monaten Regen eher Mangelware war, befürchtet die Landwirtschaft auch für 2019 Ernteausfälle. Im Bild: Sandverwehungen über einer Ackerfläche im Landkreis Ostprignitz, Brandenburg (April 2019). Christoph Wunnicke
24.04.2019

Kein anderer Bereich ist so unmittelbar auf den Erhalt unserer Lebensgrundlagen angewiesen wie die Landwirtschaft. Sie ist daher auch eine der ersten Leidtragenden der Klimakrise, die sich immer weiter zuspitzt. In den letzten 15 Jahren mussten Bäuerinnen und Bauern durchschnittlich jährliche Ertragsausfälle von circa 470 Millionen Euro verkraften – infolge von Wetterextremen wie Dürre, Hagel und Starkregen. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt, Trockenheit könne künftig gerade in Ost- und Südwestdeutschland zu „verminderter Erntequalität und geringerem Ertrag führen. Häufigere Extremwetterereignisse (…) können Bodenerosion verstärken“.

Das zweite Krisenjahr in Folge?

Für 2019 warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) mittlerweile vor einer weiteren Dürre. Die Böden sind vielerorts deutlich zu trocken. Die Startbedingungen für die Vegetation sind laut DWD in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr. Es drohen weitere Ernteausfälle erheblichen Ausmaßes – und damit zweite Krisenjahr in Folge für viele Bäuerinnen und Bauern.

Landwirtschaft verstärkt Klimakrise

Umso frappierender ist es, dass die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft momentan betreiben, die Klimakrise über zahlreiche Wege verschärft. Die industrielle Landwirtschaft ist mitverantwortlich für die Klimakrise und ihre weltweiten Folgen wie Dürren, Stürme, Hochwasser und die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen hierzulande und in anderen Teilen der Welt. Die Klimaschutz-Pläne von Ministerin Klöckner setzen dem nichts entgegen. Sie sind kein echter Beitrag zum Klimaschutz, sondern nicht viel mehr als eine Luftnummer.

Grüne Landwirtschaft

Dabei gibt es Möglichkeiten, die Landwirtschaft klimafreundlich zu gestalten – und zwar so, dass sie den Bäuerinnen und Bauern gleichzeitig Schutz vor den Folgen des Klimawandels bietet.

Eine solche Landwirtschaft braucht folgende Maßnahmen:

  • Tierhaltung – Weniger ist mehr. Treibhausgase in der Tierhaltung entstehen, wenn der Dünger ausgebracht wird, den die Tiere produzieren. Sie werden außerdem von Kühen und Schafen ausgestoßen („ausgerülpst“). Sie entstehen aber auch, weil wir für die Massentierhaltung enorme Flächen für den Anbau von Futtermitteln benötigen. Ökologisch wertvolle Moore und Dauergrünland in Deutschland und Regenwald in Südamerika mussten und müssen dafür weichen.

Wir wollen eine Tierhaltung, die auf Qualität setzt statt auf Masse. Aus der Massentierhaltung wollen wir in den nächsten 20 Jahren aussteigen. Aus unserer Sicht sollte daher eine Begrenzung der Tierzahl auf maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar Voraussetzung für jegliche Agrarförderung sein. Darüber hinaus plädieren wir für regionale Obergrenzen für Tierzahlen. Den Bau weiterer Massentierhaltungsanlagen wollen wir eindämmen.

  • Der Überdüngung Einhalt gebieten. Die schiere Menge an Stickstoff, die in Deutschland über Gülle, Mist oder Mineraldünger ausgebracht wird, übersteigt, was Pflanzen und Böden aufnehmen können – und zwar um das Doppelte. Der von den Pflanzen ungenutzte Stickstoff landet unter anderem in der Form von extrem klimaschädigendem Lachgas in der Atmosphäre. Die Landwirtschaft verursacht zirka 80 Prozent der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland.

Wir brauchen endlich Düngeregeln, die Klima und Wasser schützen. Wir wollen vor allem für ohnehin belastete Gebiete eine deutliche Begrenzung der Menge an Düngemitteln, die ausgebracht werden darf.

  • Moorböden schützen, Wiesen und Weiden erhalten. Dass Moorböden als Acker- und Grünland genutzt werden, verursacht etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland und etwa vier Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen.

Deshalb wollen wir Nutzung der Moorböden einschränken. Sie dürfen nicht mehr umgebrochen oder entwässert werden, sämtliche Zuschüsse zur Entwässerung solcher Böden und Direktzahlungen für Ackerbau auf Moorböden werden gestrichen. Regenerierbare Moorböden wollen wir dauerhaft wiedervernässen. Um Wiesen und Weiden und ihren Nutzen als Kohlenstoffspeicher zu erhalten, wollen wir ihren Umbruch bundesweit beenden.

  • Gesunde Böden. Viele Regionen werden in den nächsten Jahren mit Trockenheit zu kämpfen haben. Umso wichtiger, dass der Boden gesund ist – mit genügend Humus, um ausreichend Wasser zu speichern. Um das zu erreichen, brauchen wir Mischkulturen, weite Fruchtfolgen und eine ganzjährige Bodenbedeckung. Auch ein vielfältiges Bodenleben erhöht die Speicherkraft. Chemisch-synthetische Mineraldünger und Pestizide schädigen die Lebewesen im Boden und ihr Gesamtgefüge. Daher wollen wir sie deutlich reduzieren.
  • Robuste Pflanzen. Manche Sorten können der Klimakrise und dem Trockenstress besser trotzen als andere – und brauchen, weil sie robuster sind, auch weniger Pestizide. Wir wollen die Forschung an und Weiterentwicklung von solchen Sorten deutlich stärker fördern.