Offener Brief Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft sichern

Zwei Kühe auf einer Weide, auf der auch Anton Hofreiter im Hintergrund läuft.

Anlässlich des diesjährigen Bauerntages hat Anton Hofreiter einen Offenen Brief an den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied geschrieben.

Sehr geehrter Herr Rukwied,

die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer beispiellosen Krise. Das Motto ihres diesjährigen Bauerntages ist richtigerweise „Zukunft sichern, Bauern stärken“.
Wir erleben zurzeit ein massives Höfesterben. Vor allem Milchbauern und Schweinehalter sind betroffen. Es findet ein Preisverfall statt, der viele zum Aufgeben zwingt. Arbeitsplätze und Traditionen gehen verloren.

Gleichzeitig steht die Landwirtschaft in der Kritik. Der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik stufte im März 2015 in seinem Gutachten zur Nutztierhaltung die gegenwärtige Situation in der Tierhaltung als „nicht zukunftsfähig“ ein und bemängelt „erhebliche Defizite vor allem im Bereich Tierschutz, aber auch im Umweltschutz“.

Ihr Verband bezeichnet sich selbst als „Anwalt und Sprachrohr der deutschen Bauernfamilien“. Doch welche Lehren ziehen Sie aus der Krise? Was ist ihre Reaktion auf die schwierige wirtschaftliche Lage? Wie geht „Zukunft sichern, Bauern stärken“?
Ich komme selbst vom Land. Und ich habe in den letzten Jahren viele Bäuerinnen und Bauern auf ihren Höfen besucht.

Krisen erfordern Lösungen. Kopf in den Sand stecken funktioniert nicht. Probleme ignorieren funktioniert nicht. Ich will eine zukunftsfähige grüne Landwirtschaft, die auch in 20, 30 oder 50 Jahren funktioniert. Und dafür brauchen wir eine Agrarwende und den Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung.

Ich will Bäuerinnen und Bauern zu Partnern der Agrarwende machen. Viele Bäuerinnen und Bauern sind heute gefangen in einem System, das vom falschen politischen Ziel „Immer mehr, immer billiger“ bestimmt ist. Das will ich ändern! Veränderungen finden nicht mit der Brechstange statt. Sondern in machbaren aber nötigen Schritten.

Sie, Herr Rukwied, setzen auf Konfrontation. Den Befürwortern der Agrarwende werfen sie Unkenntnis und Bauernfeindlichkeit vor. Deshalb frage ich Sie: Welche Zukunft wollen Sie für die Landwirtschaft sichern? Nur noch Mega-Betriebe, aber keine bäuerliche Landwirtschaft? Denn das ist die Konsequenz der bisherigen Politik. Wie viele Höfe müssen noch ihre Tore schließen, bis sie einlenken?
Warum sperren Sie sich gegen eine gerechtere Verteilung der Subventionen, von denen der Großteil Ihrer Verbandsmitglieder profitieren würde? Warum setzen Sie sich nicht für eine Mengenbegrenzung bei Milch ein, die zu einer Lösung der Preiskrise beitragen würde? Warum sagen Sie nicht klar und deutlich Nein zu TTIP und CETA? Diese Freihandels-abkommen wären ein weiterer Sargnagel für die bäuerliche Landwirtschaft. Ein US-Betrieb ist im Durchschnitt 3-mal so groß wie ein deutscher Betrieb. Was glauben Sie, wer da das Rennen macht? Warum lehnen Sie es nicht klar ab?
Es müsste doch gerade auch in Ihrem Interesse sein, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland gestärkt wird. Eine Zukunft hat.

Dazu braucht es Bereitschaft zu Veränderung. Wer glaubt, die Agrarwende durch Aussitzen vermeiden zu können, irrt. Machen Sie nicht den Fehler anderer Branchen, den notwendigen Wandel zu bekämpfen statt ihn mit zu gestalten.

Ich will einen Aufbruch zu einer zukunftsfähigen, gerechten und grünen Landwirtschaft. Hier in Deutschland können wir zeigen, wie es geht. Lassen Sie uns das gemeinsam anpacken. Setzen Sie auf Dialog statt auf Konfrontation. Ich bin dazu gerne bereit.

Mit freundlichen Grüßen
Anton Hofreiter

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