Aktive Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsförderung und Beratungsqualität in den Jobcentern verbessern

Ein Mann auf einer Treppe
Über ein Jahrzehnt nach Einführung von „Hartz IV“ wird das System aus „Fördern und Fordern“ weder den Menschen noch den Anforderungen des Arbeitsmarkts gerecht. Trotz der guten konjunkturellen Lage und niedrigen Arbeitslosenzahlen ist die Langzeitarbeitslosigkeit hoch. picture-alliance / y06/ZUMApress.com
03.12.2019
  • Die Beratung, Qualifizierung und Vermittlung in den Jobcentern muss auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt werden und stärker auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden.
  • Alle Angebote der Jobcenter müssen den Menschen auf freiwilliger Basis zur Verfügung stehen. Zwang und Sanktionen helfen niemandem.
  • Die Qualität von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten muss unbedingt verbessert werden. Weg von Standardangeboten, hin zu qualitativ hochwertigen, aufeinander aufbauenden Bildungsmodulen.

Arbeitslose Menschen brauchen mehr Unterstützung und bessere sowie individuell auf sie zugeschnittene Angebote. Insbesondere langzeitarbeitslose Menschen, die über keinen Schul- und Ausbildungsabschluss verfügen und Menschen, die seit Jahren keine oder nur unregelmäßig eine Erwerbsarbeit ausgeübt haben, benötigen oft eine intensivere Betreuung. Diese kann in vielen Jobcentern aufgrund mangelnder Rahmenbedingungen und Ressourcen derzeit nicht geleistet werden. Das wollen wir ändern und daran wollen wir die grüne Arbeitsmarktpolitik messen lassen.

Bei der Arbeitsförderung und Beratung ist ein grundsätzlicher Perspektivwechsel unbedingt notwendig. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen (des SGB II) müssen so ausgestaltet werden, dass eine Beratung auf Augenhöhe und eine Vertrauensbeziehung entstehen kann. Arbeitsförderung darf nicht allein auf schnellstmögliche Eingliederung in den Arbeitsmarkt verengt werden, sondern muss sich am langfristigen Erfolg messen lassen.

Die Eingliederungsvereinbarungen wollen wir durch einen kontinuierlichen Eingliederungsprozess ersetzen. Arbeitsuchende und Vermittlungsfachkräfte sollen in diesem Prozess gemeinsam realistische Ziele und Unterstützungsangebote erarbeiten und diese Ziele regelmäßig und situativ anpassen. Für uns ist entscheidend, dass die Stärken und Schwächen der Menschen besser in den Blick genommen werden.

Beratung in den Jobcentern verbessern – Freiwilligkeit einführen

Jobcenter müssen zu Orten werden, in denen die Menschen umfangreiche Unterstützungs- und Beratungsleistungen und Zugang zu guten Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten bekommen. Das erfordert einen angemessenen Betreuungsschlüssel sowie eine bessere Kooperation und Vernetzung mit anderen Leistungsträgern und Beratungsstellen. Statt der möglichst schnellen Vermittlung in jedwede Tätigkeit sollen die Jobcenter sich auf die langfristige Integration in den Arbeitsmarkt konzentrieren und die Angebote für vernachlässigte Gruppen in komplexen Problemlagen verbessern.

Wir legen großen Wert auf Freiwilligkeit in der Beratung, Arbeitsvermittlung und beim Wahrnehmen arbeitsmarktpolitischer Angebote. Es ist an der Zeit, die Sanktion abzuschaffen und die Menschen selbst entscheiden zu lassen, was für sie am besten ist. Auch wenn wir von den Menschen erwarten, dass sie sich um ein Beschäftigungsverhältnis bemühen, macht es keinen Sinn, diese in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu drängen, die ihnen nicht weiterhelfen. Das kostet die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht nur viel Geld, sondern bringt auch niemandem einen Mehrwert.

Qualifizierung und Weiterbildung

Wir wollen die Qualifizierungsangebote verbessern, einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung sowie ein Weiterbildungsgeld einführen und dafür sorgen, dass die Angebote besser auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden. Den sogenannten Vermittlungsvorrang wollen wir abschaffen. Es kann nicht sein, dass bereits begonnene Qualifizierungsmaßnahmen abgebrochen werden müssen, weil es die Möglichkeit gibt, in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Das ist eine Verschwendung von knappen Ressourcen und hat mit einer nachhaltigen Vermittlung und Arbeitsmarktintegration nichts zu tun. Im Eingliederungsprozess darf es nicht nur um die schnelle Qualifizierung für den Arbeitsmarkt gehen. Wir legen großen Wert auf den langfristigen Erfolg, die Unterstützung in sozialen Problemlagen und die Weiterbildung für einen nachhaltigen Erfolg.

Um die Qualität von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten zu verbessern, muss die Ausschreibungs- und Vergabepraxis der Bundesagentur für Arbeit dringend verändert werden. Statt auf standardisierte, überregionale und günstige Angebote für große Gruppen zu setzen, muss die Qualität und die Passgenauigkeit stärker in den Fokus gerückt werden. Menschen, die lange arbeitslos sind, benötigen oft vielmehr eine Vielzahl von aufeinanderfolgenden Schritten sowie individuell ausgerichteter Instrumente, die eine intensive Begleitung und das Ausprobieren im geschützten Rahmen ermöglichen. Mit der Einrichtung des „Soziale Arbeitsmarkt“ wurde ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, der jedoch dringend weiterentwickelt und ausgebaut werden muss.