Wandel des Arbeitsmarkts

Arbeitslosenversicherung zur grünen Arbeitsversicherung umbauen

Eine Frau trägt Klinkersteine auf der Schulter
Die Arbeitswelt wandelt sich rasant. Daher müssen wir auch die Sicherungssysteme anpassen. Wir wollen eine Arbeitsversicherung, die alle Menschen unterstützt – auch bevor sie arbeitslos werden. picture alliance/Photoshot
09.09.2020
  • Der Strukturwandel, die Wirtschaftskrise und die notwendigen Transformationsprozesse zeigen, dass die bestehende Arbeitslosenversicherung ein Update braucht.
  • Die Arbeitslosenversicherung wollen wir zu einer grünen Arbeitsversicherung umbauen, die Qualifizierung in den Mittelpunkt stellt und alle Erwerbspersonen einbezieht. Damit stellen wir sicher, dass niemand abgehängt wird und ungeschützt bleibt.
  • Für Selbstständige und andere Gruppen, die bisher außen vor bleiben, erleichtern wir die Zugänge zur Versicherung. Außerdem schaffen wir ein Recht auf Weiterbildung und unterlegen es mit bester Beratung, guter Förderung, einem Weiterbildungsgeld und Freistellungsrechten.

Erwerbsverläufe und Beschäftigungsverhältnisse werden bunter und vielfältiger. Um Arbeitslose und Menschen, die Arbeit haben, für Berufe mit Zukunft fit zu machen und damit ihre Jobchancen zu verbessern, brauchen sie regelmäßig Qualifizierung und Weiterbildung.

Dafür wollen wir die Arbeitslosenversicherung zu einer umfassenden Arbeitsversicherung weiterentwickeln. Sie soll neben den Arbeitslosen auch für Beschäftigte und Selbständige da sein, sie absichern und beraten. Die grüne Arbeitsversicherung ist zentraler Teil unseres umfassenden Konzepts für bessere berufliche Weiterbildung.

Mehr Menschen absichern

In einem ersten Schritt wollen wir die Arbeitslosenversicherung gerechter machen und für mehr Menschen öffnen. Dies gilt insbesondere für Künstler, Kulturschaffende und andere kurzfristig Beschäftigte, die zum Beispiel in Projekten arbeiten.

Sie zahlen zwar Beiträge, landen im Fall der Arbeitslosigkeit aber meistens direkt in Hartz IV. Denn nur wer in den letzten zwei Jahren zwölf Monate eingezahlt hat, bekommt bei Arbeitslosigkeit Geld aus der Versicherung. Das wollen wir ändern.

Zukünftig sollen Versicherte im Falle von Arbeitslosigkeit bereits nach vier Monaten Beitragszahlungen Anspruch auf zwei Monate Arbeitslosengeld haben.

Weiterhin ist es höchste Zeit, die freiwillige Arbeitslosenversicherung auch für Selbständige wieder erschwinglich zu machen. Damit das möglich ist, sollen Wahltarife zu mehr Flexibilität für Selbstständige führen. Außerdem wollen wir auch Hochschulabsolventen die Möglichkeit geben, sich für den Fall der Arbeitslosigkeit abzusichern und Gründer*innen mehr Zeit geben, sich zu versichern.

Qualifizierung in den Mittelpunkt

Der Umbau der Arbeitslosenversicherung zu einer grünen Arbeitsversicherung heißt vor allem, berufliche Weiterbildung und Qualifizierung für alle möglich zu machen - auch bevor sie arbeitslos werden. Die Halbwertzeit von Wissen nimmt ab, auch im Zuge der Digitalisierung und des rasanten technischen Fortschritts.

Wenn die Beschäftigten nicht die Verlierer*innen dieser Entwicklung werden sollen, müssen sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen immer wieder erweitern und auffrischen können. Dazu schaffen wir mit den Bildungsagenturen kompetente Beratungsstellen vor Ort. Mit einem Weiterbildungsgeld stellen wir sicher, dass Qualifizierungsphasen finanziell abgesichert sind. Zeit für Weiterbildung erlaubt einen Freistellungsanspruch samt Rückkehrrecht und die Möglichkeit von Weiterbildungsteilzeit.

Kurzarbeit mit Qualifizierung verbinden

Auch Kurzarbeit soll möglichst konsequent mit beruflicher Qualifizierung verbunden werden, damit Krisen nachhaltig überwunden und für Beschäftigte neue Perspektiven eröffnet werden. Dafür wollen wir das Transfer-Kurzarbeitergeld verbessern und eine Qualifizierungs-Kurzarbeit für den ökologischen Strukturwandel einführen. Davon profitieren letztlich die Beschäftigten genauso wie die Firmen und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland.