Fachkräftemangel

Stell Dir vor, es gibt Arbeit und niemand ist da

Ein weiblicher Zimmermann arbeitet in einer Werkstatt.
In vielen Regionen und Branchen werden Fachkräfte knapp. Während die Bundesregierung bei diesem Thema versagt, haben wir ein umfassendes Konzept vorgelegt. picture alliance / Bildagentur-online/Tetra-I
16.10.2019
  • Immer mehr Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Gleichzeitig gibt es immer noch Millionen Menschen, die keine auskömmliche Arbeit finden. Das ist ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung und den erfolgreichen ökologischen Umbau der Wirtschaft.
  • Die Bundesregierung versagt seit Jahren bei der Fachkräftesicherung. Wirksame Maßnahmen sind nicht erkennbar.
  • Wir haben dagegen ein umfassendes Konzept vorgelegt. Es bezieht alle Personengruppen ein und enthält vielfältige Maßnahmen, um Fachkräfte zu gewinnen, zu qualifizieren und zu motivieren.

Schon länger schlägt die Wirtschaft Alarm und ruft nach mehr qualifizierten Fachkräften. Allerdings prognostiziert die Bundesagentur für Arbeit, dass die Zahl der Erwerbspersonen bis 2030 um mindestens 3,6 Millionen sinken wird. Weil viel mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen als neu dazukommen, wird es schwieriger werden, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Aktuell betrifft der Fachkräftemangel noch nicht alle Branchen und Berufe. Und natürlich sind nicht alle Regionen gleichermaßen betroffen. Wenn wir den Fachkräftemangel stoppen und beseitigen wollen und wenn wir wollen, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung anhält und der ökologische Umbau der Wirtschaft Erfolg hat, dann brauchen wir dafür auch gut ausgebildete Menschen, die hier arbeiten wollen und können. Dafür haben wir ein umfassendes Konzept vorgelegt.

Bundesregierung versagt bei Fachkräftesicherung

Es gibt ein großes und vielfältiges, aber ungenutztes Potential an Erwerbstätigen, die (mehr) arbeiten wollen, aber nicht zum Zug kommen. Um diese Menschen hat sich die schwarz-rote Bundesregierung bislang wenig bis gar nicht gekümmert. Wirksame Maßnahmen liegen brach: Weder gab es ernsthafte Anstrengungen hin zu mehr und besserer beruflicher Bildung, die Aufstiegsmöglichkeiten schafft, noch gibt es überzeugende Bemühungen, die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen.

Frauen werden im Durchschnitt immer noch schlechter bezahlt als Männer. Sie arbeiten viel weniger Stunden im Beruf - und das, obwohl viele gern mehr arbeiten würden.

Auch für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Union und SPD nichts getan: Anstatt ihnen berufliche Perspektiven zu eröffnen, wurden sie aus der Statistik und in die Rente hinauskomplimentiert. Die Bundesregierung hat weniger die Menschen im Blick, als Vorgaben und Zahlen. Aus diesem Grund ist die Langzeitarbeitslosigkeit immer noch viel zu hoch.

Das beschlossene schwarz-rote Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist ein Sammelsurium an komplizierten und bürokratischen Regelungen, das die Fachkräfteeinwanderung eher behindert als fördert. Und selbst das Rückkehrrecht auf Vollzeit versagt in der Praxis: Trotz der Regelung bleiben insbesondere Frauen nach einer Familienphase häufig weiterhin unfreiwillig in Teilzeit hängen.

Gute Arbeit für alle

Dabei geht es nicht nur um genügend Fachkräfte für die Wirtschaft. Für die meisten Menschen ist Erwerbsarbeit ein ganz zentraler Teil ihres Lebens. Sie stecken Energie, Lebenszeit, Können und Kreativität in ihre Aufgaben. Bei guter Arbeit wissen sie sich gebraucht und finden Anerkennung. Fast jeder wünscht sich eine Arbeit, die gut ins Leben passt, die finanziell absichert, erfüllt und Freude macht.

Wir wollen gute Arbeit für alle. Dabei haben die Unternehmen selbst einige Möglichkeiten, Menschen als Arbeitskräfte zu gewinnen – sei es mit guten Löhnen oder besonders attraktiven Arbeitsbedingungen. Allerdings besteht auch politischer Handlungsbedarf: Es muss sichergestellt werden, dass wir in Zukunft ausreichend Fachkräfte im Land haben.

Junge und Ältere

Gute berufliche Bildung schützt Fachkräfte vor Arbeitslosigkeit und Unternehmen vor dem Fachkräftemangel. Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie, damit endlich kein Jugendlicher mehr ohne Ausbildung bleibt. Die Unternehmen sind gefragt, genügend Ausbildungsplätze anzubieten und ihren Beschäftigten regelmäßige Weiterbildungen zu ermöglichen.

Damit der Staat sie dabei unterstützen kann, wollen wir die Arbeitslosenversicherung zur Arbeitsversicherung ausbauen. Denn bevor man heute in den Genuss eines Qualifizierungsangebotes durch die Arbeitsförderung kommt, muss man in der Regel erst einmal arbeitslos werden.

Genau das wollen wir ändern. Wir wollen die Weiterbildung insbesondere bei Geringqualifizierten bei Bedarf fördern, denn auch das kann den Fachkräftemangel mildern. Aktuelle Qualifikationen schützen auch ältere Beschäftigte vor Jobverlust. Arbeitgeber sind zudem gefordert, ausreichend alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen anzubieten. Das wollen wir unterstützen.

Frauen und geringfügig Beschäftigte

Die Erwerbsbeteiligung der Frauen liegt noch immer unter der der Männer. Auch arbeiten Frauen viel öfter in Teilzeit – nicht selten unfreiwillig in Minijobs. Auf diese Weise wird unnötig wertvolles Potential verschenkt. Das ist ein Armutszeugnis für die Gleichstellung der Geschlechter. Denn Minijobs sind meist schlecht entlohnt und es fehlt die soziale Absicherung. Trotzdem ist der Ausstieg finanziell erst einmal wenig attraktiv. Wer etwas mehr arbeitet als im Minijob, hat durch die sprunghaft steigenden Sozialabgaben sogar weniger in der Tasche als eine 450-Euro-JobberIn.

Wir wollen darum Minijobs in sozialversicherungspflichtige Jobs umwandeln und dafür sorgen, dass Mehrarbeit auch immer zu mehr Einkommen führt. Zudem sorgen wir dafür, dass Minijobber ihre Rechte auf Lohnfortzahlung im Urlaub und bei Krankheit wirklich wahrnehmen können. Alle Beschäftigten sollen mehr Einfluss auf den Umfang, die zeitliche Lage und den Ort ihrer Arbeit bekommen. Denn nur, wenn Arbeit gut ins Leben passt, sind genügend Fachkräfte verfügbar.

Arbeitslose

Es gibt immer noch viel zu viele Arbeitslose – ein großer Teil davon ist seit mehr als einem Jahr auf Arbeitssuche. Diese Menschen bringen oft nicht die Qualifikation mit, die sich die Arbeitgeber wünschen. Dennoch kann es keine Option sein, es dabei zu belassen.

Wir wollen die Jobcenter und Arbeitsagenturen so ausstatten, dass alle Arbeitslosen die für sie optimale Unterstützung bekommen. Das kann auch heißen, dass ihnen – anstelle einer schnellen Vermittlung in einen prekären Job – eine Qualifizierung ermöglicht wird, die zu einem Berufsabschluss in einem Zukunftsberuf führt. Das ist nachhaltiger und wirksamer gegen den Fachkräftemangel als die bisherige Politik des Wegsehens. Auch über-58-jährigen Langzeitarbeitslosen muss eine passende Unterstützung angeboten werden. Sie wie bisher einfach aus der Statistik zu streichen, kann keine dauerhafte Lösung bleiben.

Ausländische Fachkräfte und Geflüchtete

Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete müssen unbürokratisch und umgehend Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. Jegliche Hürden, die der Integration im Weg stehen, wollen wir ausräumen. Dazu gehört auch ein wirksamer Schutz vor Abschiebung während einer Ausbildung. Auch die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen muss einfacher werden.

Die meisten Menschen, die zu uns kommen, wollen die Sprache lernen, wollen arbeiten und sich ein Leben aufbauen. Das wollen und müssen wir unterstützen. Denn selbst wenn all diese Potenziale optimal ausgeschöpft werden, wird Deutschland zukünftig