Plattformarbeit

Ein Mindestmaß an Sicherheit für Gig-, Click- und Crowdwork

Ein Mann tippt auf einem Laptop
Wir Grüne im Bundestag wollen für eine soziale Mindestsicherung und besseren rechtlichen Schutz der Beschäftigten in der Plattformökonomie sorgen. Werk- und Dienstverträge dürfen nicht zum Lohndumping missbraucht werden. Glenn Carstens-Peters / unsplash.com
10.05.2021
  • Wir Grüne im Bundestag wollen sicherstellen, dass auch bei Plattformarbeit faire Löhne gezahlt werden und Arbeitnehmer*innenrechte eingehalten werden.
  • In der digitalen Welt verschwimmen die Grenzen zwischen Selbständigkeit und Anstellung. Das führt bei vielen Gig-, Click- und Croudworkern zu massiven Abhängigkeiten, geringen Einkommen und fehlendem sozialen Schutz.
  • Wir fordern deshalb soziale Leitplanken für diejenigen, die prekär arbeiten. Dazu gehören unter anderem Mindesthonorare, Schutz vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut.

Wie groß die Zahl der Menschen in Deutschland tatsächlich ist, die in der Plattformökonomie arbeiten, ist ungewiss. Die Datenlage ist dünn, wissenschaftliche Studien gibt es wenige. Die Schätzungen reichen von 500.000 bis zu 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Ein Teil der Arbeit für Plattformen findet online in der Cloud statt und ist dann ortsunabhängig - sogenannte Crowd- oder Clickwork. Darunter fallen hochspezialisierte Tätigkeiten, die von IT-Spezialist*innen ausgeführt werden, aber auch - auf einige Klicks beschränkte Kleinstaufträge. Auf der anderen Seite gibt es eine wachsende Zahl an ortsabhängigen Dienstleistungen, die über Plattformen vermittelt werden. Diese werden als Gigwork bezeichnet. Hier vermitteln Plattformen unter anderem Essens- oder Getränkelieferungen, Reinigungsdienstleistungen oder Reparaturarbeiten. Zur Gig-Work zählen Taxiplattformen, die Vermittlung von Putzkräften oder logistische Dienstleister wie etwa Fahrradkuriere.

Scheinselbständigkeit bekämpfen

Gerade in der sogenannten Gigwork sind die über Plattformen Vermittelten häufig scheinselbständig beschäftigt. Das heißt obwohl sie in der Regel nur für eine Plattform arbeiten und dort weisungsgebunden sind, sind sie trotzdem oft nicht sozialversicherungspflichtig angestellt, sondern gelten als Solo-Selbständige. Dass das oft nicht der Realität entspricht, zeigt der Blick in die Praxis: Ein Getränkelieferant beispielsweise, der über eine Plattform arbeitet, aquiriert seine Aufträge in der Regel nicht selbständig und plant auch die Touren nicht nach eigenem Gusto. Er bestimmt nicht die Preise, sondern ist komplett abhängig von den Vorgaben, die ihm seine Plattform macht. Ähnliches gilt für Reinigungskräfte oder online vermittelte Pflegedienstleistungen.

Soziale Absicherung ausbauen

Deshalb fordern wir, dass bei der Abgrenzung zwischen selbstständiger Tätigkeit und abhängiger Beschäftigung bei der Statusfeststellung für mehr Rechts- und Planungssicherheit gesorgt wird, um Scheinselbstständigkeit zu verhindern. Gleichzeitig muss die Statusfeststellung von Selbstständigen endlich erleichtert werden.

Viele der soloselbstständigen Gig- und Clickworker*innen beklagen außerdem ihre fehlende soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit oder im Alter. Deshalb brauchen wir soziale Leitplanken, und zwar nicht primär für IT-Spezialist*innen, sondern vor allem für all jene, die prekär arbeiten. Mit unserem Antrag schaffen wir Voraussetzungen für faire Bedingungen in der modernen Arbeitswelt der Plattformen.