Mobiles Arbeiten

Recht auf Homeoffice einführen

Eine Frau sitzt auf dem Bett, neben ihr ein Hund
Mindestens 30 Prozent der Beschäftigten möchten gern auch von Zuhause aus arbeiten können. Damit Homeoffice kein Privileg von wenigen bleibt, sondern zum Recht für viele wird, wollen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern und ein Recht auf Arbeit an einem selbstgewählten Ort einführen. Bruno Cervera / unsplash.com
20.02.2020
  • Den Arbeitsort selbst zu bestimmen, hat viele Vorteile: größere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, kürzere Wegzeiten und weniger Verkehr.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen, dass es selbstverständlich ist, auch von zu Hause arbeiten zu können, wenn keine wichtigen Gründe dagegen sprechen. Das Privileg, das bisher nur für wenige gilt, soll zum Recht für viele werden.
  • Mit unserem Antrag Recht auf Homeoffice einführen – Mobiles Arbeiten erleichtern wollen wir einen Rechtsanspruch für Beschäftigte einführen, für gute Bedingungen für mobile Arbeit sorgen und die rechtliche Sicherheit für Betriebe vergrößern.

Mindestens 30 Prozent der Beschäftigten wünschen sich die Möglichkeit, zeitweise mobil oder von zu Hause arbeiten zu können. Tatsächlich konnten das hierzulande vor dem Corona-Lockdown aber nur elf Prozent gelegentlich tun. Zum Vergleich: in den Niederlanden war der Anteil dreimal so hoch. Dass es auch bei uns anders geht, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die bei circa 40 Prozent aller Arbeitsplätze mobile Arbeit für möglich hält. Auch die Krise hat gezeigt, dass mobiles Arbeiten für viel mehr Menschen als Option realisierbar ist.

Homeoffice und mobiles Arbeiten hat viele Vorteile: Beschäftigten erhalten mehr Freiheit und Selbstbestimmung über die Zeit und den Ort ihrer Arbeit. Mobile Arbeit erleichtert die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit außerberuflichen Tätigkeiten und das wiederum erhöht die Lebensqualität und Zufriedenheit der Beschäftigten. Für Eltern von kleinen Kindern und für Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen ist Erwerbsarbeit an einem selbst gewählten Ort eine große Entlastung. Darüber hinaus reduzieren sich die Wegzeiten zur Arbeit und mithin das Verkehrsaufkommen.

Klare Regeln für Flexibilität und Schutz

Damit die Vorteile von mobilem Arbeiten wirklich genutzt werden können, braucht es auch einen angemessenen Schutz für die Beschäftigten, denn Homeoffice darf nicht dazu führen, dass Arbeit grenzenlos wird. Homeoffice oder mobiles Arbeiten an einem selbstgewählten Ort darf immer nur freiwillig sein – niemand soll dazu gezwungen werden.

Gleichzeitig sollte Homeoffice immer nur alternierend als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz stattfinden, damit Beschäftigte weiterhin in die normalen Arbeitsabläufe eingebunden sind und der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen nicht verloren geht. Homeoffice darf Beschäftigte nicht unsichtbar machen, wenn es beispielsweise um Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten geht.

Natürlich gelten auch im Homeoffice die Arbeitsschutzgesetze und das Arbeitszeitgesetz. Es ist selbstverständlich, dass beim mobilen Arbeiten jede Stunde bezahlt werden muss. Tarifpartner sollen dafür passgenaue Tarifverträge verhandeln. Betriebs- und Personalräte sollen darüber hinaus ein Mitbestimmungsrecht über den Umfang der Arbeit haben, wenn mobile Arbeit und Homeoffice überhand nehmen.

Es ist längst an der Zeit, dass aus dem Privileg, das bisher nur für wenige gilt, ein Anspruch auf Homeoffice für viele wird. Folgenlose Ankündigungen der Regierenden gab es genug. Deshalb haben wir einen Antrag vorgelegt, der unser Konzept für mehr selbstbestimmtes Arbeiten skizziert.