Infrastruktur, Digitalisierung, Homeoffice

Zukunftsoffensive für die Arbeitswelt

Menschen in einem Coworking-Space. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass die in der Pandemie gewonnenen Erfahrungen für Beschäftigte und Unternehmen ein Schritt in die Zukunft werden.
Das Ende der Corona-Pandemie sollte für Beschäftigte und Unternehmen ein Schritt in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit sein. Dazu gehören ein Recht auf Homeoffice und bessere Unterstützung für die Digitalisierung der Unternehmen sowie für mobiles und dezentrales Arbeiten. unsplash | Shridhar Gupta
30.05.2021
  • Die Infektionszahlen sinken und ein Ende der Pandemie rückt näher.
  • Statt auf den Erfahrungen, die Beschäfigte und Unternehmen in der Krise gewonnen haben, aufzubauen, will die Bundesregierung zurück zum Status quo ante - Wirtschaftsminister Altmaier will die Neuregelungen zum Homeoffice und Arbeitsschutz zurücknehmen.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen stattdessen den Übergang in eine Zeit nach Corona gestalten: mit einer Zukunftsoffensive für die Arbeitswelt.

Die Arbeitswelt war durch die Digitalisierung und sich verändernde Erwartungen von Arbeitnehmer*innen schon vor der Corona-Krise im Umbruch, doch die Pandemie hat den Wandel noch einmal beschleunigt.

Entwicklungssprung für Unternehmen und Beschäftigte

Viele Unternehmen, auch kleine und mittlere, haben während der Krise Zweifel gegenüber der Digitalisierung abgebaut, die technischen Möglichkeiten zur mobilen Arbeit geschaffen und damit wertvolle Erkenntnisse gesammelt.

Auch auf der Arbeitnehmer*innenseite hat sich etwas getan: So viele Menschen wie nie zuvor haben in der Krise Erfahrungen mit der digitalen Arbeit im Homeoffice gesammelt. Nicht überall verlief die enorm beschleunigte Digitalisierung reibungslos, vor allem wenn sich Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung aufeinander stapelten. Und die Krise hat auch klar unterstrichen, welchen Wert der direkte Austausch mit Kolleg*innen hat.

Gleichwohl: 81 Prozent der Menschen, die in der Krise ganz oder teilweise von zuhause aus gearbeitet haben, äußern in aktuellen Umfragen den Wunsch, auch in Zukunft mindestens einen Teil ihrer Arbeitsleistung von außerhalb des Büros erbringen zu können. Auf den Erfahrungen, die die Krise für die Arbeitswelt gebracht hat, sollten wir aufbauen.

Positive Erfahrungen klug fortführen

Das Ende der Pandemie sollte für Beschäftigte und Unternehmen ein Schritt in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit sein.

Dafür schlagen wir eine Zukunftsoffensive für die Arbeitswelt vor, die mit drei Modernisierungspaketen Beschäftigte und Unternehmen beim Übergang in eine Zeit nach Corona unterstützen soll:

  • Aus der aktuellen Homeofficepflicht wollen wir ein Recht auf Homeoffice machen und einen rechtlichen Rahmen für die Arbeitswelt der Zukunft mit mehr Selbstbestimmung für Arbeitnehmer*innen schaffen. Jetzt braucht es einen klaren, rechtlichen Rahmen für eine moderne Arbeitswelt.­­ ­Angesichts des zukünftigen Auslaufens der Homeofficepflicht müssen Anschlussperspektiven und Planungssicherheit geschaffen werden, damit Beschäftigte und Unternehmen auch zukünftig vom selbstbestimmteren Arbeiten profitieren können. Dass die Bundesregierung hier nicht liefert, ist eine Enttäuschung für Millionen Arbeitnehmer*innen. Eine moderne Arbeitswelt sollte für geeignete Tätigkeiten ein Recht auf selbstbestimmtes, mobiles Arbeiten beinhalten, wobei die Inanspruchnahme jederzeit freiwillig und den Beschäftigten überlassen bleibt.
  • Unternehmen bei weiteren Digitalisierungsschritten unterstützen. Viele Unternehmen, auch viele kleine und mittlere, haben in der Krise angefangen, in Digitalisierung und mobiles Arbeiten zu investieren. Trotzdem bleiben sowohl der Investitionsbedarf als auch die generellen Digitalisierungs- und Innovationsanforderungen hoch. Durch Investitionszuschüsse, mehr Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie steuerliche Regelungen, die Investitionen in Digitalisierung fördern, wollen wir Unternehmen bei diesen Herausforderungen unterstützen. Deswegen wollen wir bessere steuerliche Regelungen für den Verlustrücktrag, durch eine bessere Ausstattung der Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren die Beratung stärken und zusätzliche Investitionen des Mittelstandes fördern, indem wir das Programm „Digital Jetzt“ beschleunigen, vereinfachen und aufstocken. Mit diesen Unterstützungsmaßnahmen stärken wir die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und fördern gleichzeitig die konjunkturelle Erholung.
  • Die moderne Arbeitswelt sollte von Bund, Ländern und Kommunen mit guter Infrastruktur unterstützt werden - auch, um das Arbeiten auf dem Land attraktiver zu machen. Dezentrales und mobiles Arbeiten kann nicht nur Arbeitswege verkürzen und CO2 einsparen, sondern auch zur Belebung ländlicher Regionen oder verlassener Ortskerne beitragen. Wir wollen das Bundesprogramm Breitbandausbau entbürokratisieren und damit Blockaden bei der Abrufung der Fördergelder für den Netzausbau abbauen. Mit einem Modell-Projekt „Neues Leben auf dem Land“ im Rahmen des Bundesprogrammes ländliche Entwicklung (BULE) wollen wir gut ausgestattete und gut erreichbare Co-Working Spaces, also offene Gemeinschaftsbüros in Dörfern oder Regionalbahnhöfen, schaffen. So könnten über die nächsten 4 Jahre per Anschubfinanzierung rund 200 Co-Working Spaces gefördert werden - in jedem zweiten Landkreis einer.