Atomanlagen Atomausstieg konsequent umsetzen

Kartenausschnitt Norddeutschland mit Atomtransportrouten und Lagern

Während in Deutschland bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dürfen die Uran-Anreicherungsanlage Urenco im westfälischen Gronau und die Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) im niedersächsischen Lingen weiterhin betrieben werden. Aus grüner Sicht ist der Atomausstieg jedoch erst vollendet, wenn alle Anlagen des Kernbrennstoffkreislaufs geschlossen worden sind. Das ist unser Ziel.

Urananreicherung in Gronau

Die Urenco-Grupe ist eine Gesellschaft britischen Rechts und wurde 1970 mit dem Vertrag von Alemlo gegründet. Großbritannien und die Niederlande besitzen jeweils ein Drittel der Anteile. In Deutschland besitzen die AKW-Betreiber RWE und E.ON jeweils ein Sechstel. Die Gesellschaft ist in zwei Geschäftsbereiche unterteilt. Zum einen gibt es die Produktion von Zentrifugenanlagen und zum anderen die Anreicherung von Uran nach dem Zentrifugenverfahren. Das Uran ist in seinem ursprünglichen Zustand, dem sogenannten yellow cake, noch nicht für den Betrieb von Reaktoren geeignet. Es besitzt ca. 99,3 Prozent Uran-238 und nur circa 0,7 Prozent Uran-235. Der letzte Teil muss um 3 bis 4 Prozent erhöht werden. Erst danach kann es als Kernbrennstoff genutzt werden. Während des Verfahrens wird das Uran zu Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt. Bei dem Prozess entsteht dann das Endprodukt, das angereicherte Uran. Dieses wird per Zug oder Schiff weltweit exportiert. In Deutschland wird es in der Brennelementefabrik in Lingen weiterverarbeitet.

Weiterverarbeitung in Lingen

In Lingen angekommen, wird das angereicherte Uran zu Pellets gepresst und in Kernbrennstäbe eingesetzt. Erst dann ist die Grundlage für die Nutzung der Atomkraft überhaupt geschaffen. Die Bundesregierung unterstützt dies – trotz Atomausstieg - weiterhin mit dem Protegieren der beiden Atomanlagen. Gerade der Transport birgt große Gefahren. Wie bereits in der von der grünen Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie zu Transporten radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland von 2011 festgestellt wurde, ist das größte Transportaufkommen Urenco und AFN zu verdanken. Zudem informieren die meisten Bundesländer nur sehr wenig und gehen mit den Transporten eher intransparent um, sodass sich zum Beispiel stärker betroffene Kommunen nicht gut auf einen möglichen Transportunfall vorbereiten können. Die Anzahl der gefährlichen Transporte muss reduziert und grundlegend sicherer gemacht werden.

Problemfall abgereichertes Uran

Bei der Anreicherung entsteht auch immer ein Abfallprodukt, das abgereicherte Uran (sogenannte Tails). Pro 1 Tonne Kernbrennstoff sind es rund 5,5 Tonnen Tails. Dies kann beispielsweise in Munition oder im Flugzeugbau weiter verwendet werden. Allerdings nur ein kleiner Teil davon. Rund 95 Prozent des angefallenen Urans kann nicht dafür verwendet werden und steht in speziellen Tanks auf dem Gelände in Gronau. Bisher sind es um die 9.000 Tonnen, die ohne Zeitbegrenzung und unter freiem Himmel mehr oder weniger ungeschützt gelagert werden. Bei einem Feuer oder einem Flugzeugabsturz könnten die Behälter bersten. Würde das Gemisch in die Umwelt gelangen und sich mit Wasser verbinden, entstünde die sogenannte Flusssäure, die hochgefährlich ist.

Solange die Anlagen in Deutschland noch nicht abgeschaltet werden können, müssen zumindest die Sicherheitsanforderungen deutlich erhöht werden, damit die Bevölkerung ausreichend geschützt ist.

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