Atom und Klima

Atomenergie ist kein Klimaschutz

Der Rückbau der Atommeiler darf nicht den SteuerzahlerInnen aufgebürdet werden.
Immer wieder werden Forderungen nach einen Weiterführung der Atomenergie für den Klimaschutz laut. Aber Atomkraft ist kein Klimaschutz. Bis heute stehen weder sichere Atomkraftwerke zur Verfügung, noch ist die Frage geklärt, was mit dem Atommüll geschehen soll. Die Antwort auf die Klimakrise ist längst da, sie heißt Ökostrom. picture alliance / David Ebener
04.12.2019
  • Wir wollen Klimaschutz ohne Kohlestrom und ohne die gefährliche Atomenergie.
  • Atomkraftwerke länger laufen lassen heißt: Die Gefahr von Kernschmelzen bleibt noch länger bestehen und es fällt noch mehr hochradioaktiver Atommüll an.
  • Klimaschutz funktioniert nur mit Ökostrom, der schon heute weit günstiger ist als Strom aus Fossilen und Atom.

In den letzten Jahren werden immer wieder Forderungen nach einen Weiterführung der Atomenergie für den Klimaschutz laut. Diese Träumereien der Atomlobby blenden die Probleme und Gefahren der Atomenergie fahrlässig aus und unterschätzen den Beitrag, den die erneuerbaren Energien leisten. Bis heute stehen weder sichere Atomkraftwerke zur Verfügung, noch ist die Frage geklärt, was mit dem Atommüll geschehen soll.

Wir wollen eine Zukunft mit sauberem Strom. Atomenergie verzögert das aber – auch zum Schaden des Klimaschutzes: Sie verstopft Netze, steht Investitionen in Erneuerbare im Weg (Forschung, Anlagen, Infrastruktur) und erhöht den Berg von Atommüll immer weiter.

Alte Reaktoren sind häufig Schrott…

Der Ruf nach einer Verlängerung der Laufzeit für alte AKW verkennt, bei wie vielen Anlangen quer durch Europa inzwischen gravierende Sicherheitsmängel auftreten.

Tihange in Belgien und Fessenheim und Cattenom in Frankreich sind bekannte Beispiele. Auch um die deutschen Atomkraftwerke steht es nicht viel besser. Insbesondere Gundremmingen C gehört aufgrund mangelnder Erdbebensicherheit sofort vom Netz. Eine Verlängerung der Laufzeit wäre zudem ohne massive Nachrüstungen der AKW gar nicht möglich.

Wer für angeblich sichere künftige Reaktorkonzepte schwärmt, sollte sich die ökonomischen Realitäten und das Versagen der europäischen Atomindustrie bei heutigen Reaktorprojekten vor Augen halten:

  • Warum wird selbst im Atomland Frankreich nur an einem einzigen AKW gebaut?
  • Beim Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) schießen Kosten und Verzögerungen durch die Decke und es gibt Materialprobleme, die schon in den 1970er Jahren nicht passieren hätten dürfen. Dabei ist der EPR eine relativ simple Weiterentwicklung im Vergleich zu Reaktoren der sogenannten vierten Generation.

Fakt ist: Der ohnehin geringe Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung nimmt immer mehr ab.

…und neue Wunderreaktoren nicht in Sicht

Und die vierte Generation? Trotz 20 Jahren Forschung existiert die sogenannte vierte Generation von Atomkraftwerken hauptsächlich auf dem Papier. Sechs Konzepte gibt es vom „Generation IV International Forum“. Das ist ein Zusammenschluss aus 13 Staaten plus Euratom, der seit dem Jahr 2000 an der vermeintlich „sicheren, sauberen und günstigen Atomenergie“ arbeitet. Diese sechs Konzepte, die dort ausgearbeitet werden, sind nichts Neues, sondern in ihren Grundkonzepten schon seit Jahrzehnten bekannt. Fest steht auf jeden Fall, dass keines dieser Konzepte in naher Zukunft in großem Maßstab zu Energieerzeugung taugt.

Auch wer auf Kernfusion hofft, verdrängt unbequeme Wahrheiten. Der Zeitpunkt, zu dem ihre Verfechter Fusionskraftwerke für machbar halten, verschiebt sich seit Jahrzehnten in die Zukunft. Heute ist klar: Sollte die Kernfusion irgendwann doch noch kommen, dann kommt sie zu spät. Doch immer mehr kritische Physiker zweifeln daran, ob sie überhaupt realisiert werden kann. Dazu gehören zum Beispiel ein Kernforscher vom Schweizer CERN und Plasmaphysiker aus Princeton in den USA.

Luftbild des ITER-Geländes zur Bauphase (2018)

Grüne Analyse der offiziellen ITER-Projektunterlagen

Das internationale Forschungsprojekt ITER hat zum Ziel, die prinzipielle Machbarkeit von Stromerzeugung aus Fusionsenergie zu zeigen. Ein wissenschaftliches Gutachten und eine Antwort der Bundesregierung decken jetzt brisante Probleme der Kernfusionsforschung auf.

Fans der Kernfusion dürfen das empfindlich geschrumpfte Erkenntnispotenzial des Fusionsreaktors ITER nicht länger verdrängen. Obwohl bereits Milliarden Euro ausgegeben wurden, sind die Projektziele mittlerweile so stark reduziert worden, dass der ursprünglicher Daseinszweck von ITER – die Machbarkeit von Energiegewinnung aus Fusionskraftwerken zu zeigen – bereits heute verfehlt ist. Das zeigt eine von uns beauftragte Analyse der offiziellen Projektunterlagen.

Wer glaubt, der mangelnde Fortschritt bei der vierten Generation und der Kernfusion liege an zu geringen Forschungsausgaben, der irrt. Zuletzt bekam Atomforschung allein rund 5,3 Milliarden Euro, alle anderen Energieforschungsbereiche zusammen 5,9 Milliarden Euro – darunter unter anderem die Forschung an den wirklich zukunftsweisenden Technologien für Speicher, Netze, Effizienz, Einsparung, Erneuerbare.

Selbst hierzulande gibt die Bundesregierung mehr für Forschung zur Kernfusion aus, als zu AKW-Sicherheit und Strahlenschutz. Realität ist: Das unsolide Versprechen künftiger Atomtechnologien bekommt mehr Geld als die Erforschung realer Gefahren, wie sie von belgischen Bröckelreaktoren oder Schweizer Uraltmeilern ausgehen. Ein Zeichen dafür, dass die Atomlobby immer noch wirkt.

Atommüllberg wächst und wächst

Es gibt nach wie vor keine Antwort auf das Problem Atommüll. Bis zum heutigen Tag ist weltweit kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Betrieb gegangen. Auf Druck der Grünen ist in Deutschland wenigstens ein geplanter Prozess zur Endlagersuche in Gang gesetzt worden. Das ist in anderen Ländern nicht der Fall. Stattdessen wächst der Berg an hochradioaktivem Müll Jahr für Jahr. Auch ist der Atommüll kein Rohstoff (für was auch?), wie einige, wenige Forscher uns glauben machen wollen.

Die Realität beginnt damit, dass ein Teil des hochradioaktiven Atommülls in verglaster Form vorliegt. Seriöse Fachleute sehen dafür nur eine realistische Bestimmung: die Endlagerung. Wer den zweiten hochstrahlenden Teil – abgebrannte Brennstäbe – recyceln will, dem bleibt realistisch betrachtet nur die Wiederaufarbeitung. Alle anderen Konzepte existieren vor allem auf dem Papier. Nach Jahrzehnten mit vielen Forschungsgeldern gibt es keinen wirklichen Erfolg – auch nicht in Ländern, deren Regierungen begeistert auf Atomkraft blicken. Hier stellt sich die schlichte Frage, warum den scheinbar wunderbaren Konzepten auf dem gesamten Globus kein Durchbruch gelungen ist.

Wer sich nach neuen Wiederaufarbeitungsanlagen in Deutschland sehnt, muss den Blick nach Sellafield und La Hague richten und die dortige hohe Kontamination der Umgebung dieser Anlagen zur Kenntnis nehmen. Wer also die alte wie falsche Behauptung, die Entsorgung wäre technisch gelöst, aus der Mottenkiste holt, muss beantworten:

  • Warum wird nach über sechs Jahrzehnten auf der ganzen Welt der Berg an hochradioaktivem Atommüll immer größer?
  • Warum ist auch heute kein einziges Endlager dafür in Betrieb?

Lösung der Klimakrise – erneuerbar, sauber, sicher und günstig

Während die Atomforschung nicht voran kommt und die Kosten für aktuellen AKW-Neubauten durch die Decke schießen, sind die erneuerbaren Energien immer günstiger geworden. Inzwischen werden in Deutschland schon Solarparks und Windenergieanlagen auf See ohne EEG-Finanzierung gebaut. Für die Speicherung von Strom gibt es nicht nur Konzepte auf dem Papier, Speicher sind in vielfältiger Form zigtausendfach im Einsatz:

  • Akkus werden durch die anlaufende Elektromobilität in den kommenden Jahren immer günstiger werden.
  • Akkus, die in Autos nicht mehr gebraucht werden, können im Anschluss noch jahrelang für die Stromspeicherung genutzt und anschließend recycelt werden.
  • Auch Anlagen für die saisonale Speicherung von Energie stehen zur Verfügung und werden schon heute genutzt.

Das alles zeigt: Die saubere, sichere und günstige Stromversorgung existiert schon heute in Form von Erneuerbaren Energien. Wir brauchen keine Atomenergie, auch nicht für die viel beschworene Versorgungssicherheit!

Fazit

Atomkraft ist und bleibt schädlich und lebensgefährlich. Ein neues Tschernobyl oder Fukushima darf es nicht geben. Deshalb sollten alle AKWs so schnell wie möglich abgeschaltet werden.

Die Anstrengungen zur Suche bestmöglich sicherer atomarer Endlager – in Deutschland bereits auf den Weg gebracht – müssen überall intensiviert werden.

Atomenergie trägt weltweit – zeitlich befristete regionale Ausnahme ist Frankreich – nichts zum Klimaschutz bei.

Investitionen in Atomenergie behindern den notwendigen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Das ist unverantwortlich.

Die Zukunft ist erneuerbar und nicht atomar!