Atom und Klima

Atomkraft blockiert den Klimaschutz

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17.09.2020
  • Die Atomkatastrophe von Tschernobyl und der Super-GAU von Fukushima haben der Welt gezeigt, wozu eine mangelhafte Kontrolle führen kann und was für ein Restrisiko Atomkraft in sich verbirgt.
  • Bis heute stehen weder sichere Atomkraftwerke zur Verfügung, noch ist die Frage geklärt, was mit dem Atommüll geschehen soll. Außerdem ist Atomkraft klimaschädlich und blockiert die Energiewende. Daher ist ein weltweiter Ausstieg aus der Atomenergie notwendig.
  • Der Fokus der Energiepolitik muss auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien liegen. Die Bundesregierung muss sich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für den europa- und weltweiten Atomausstieg einsetzen.

In den letzten Jahren werden immer wieder Forderungen nach einer Weiterführung der Atomenergie für den Klimaschutz laut. Diese Träumereien der Atomlobby blenden die Probleme und Gefahren der Atomenergie fahrlässig aus und unterschätzen den Beitrag, den die erneuerbaren Energien leisten. Bis heute stehen weder sichere Atomkraftwerke zur Verfügung, noch ist die Frage geklärt, was mit dem Atommüll geschehen soll.

Atomkraft ist kein Klimaschutz

Wir wollen eine Zukunft mit sauberem Strom. Atomenergie verzögert das aber – auch zum Schaden des Klimaschutzes: Sie verstopft Netze, steht Investitionen in Erneuerbare im Weg (Forschung, Anlagen, Infrastruktur) und erhöht den Berg von Atommüll immer weiter. Mit diesen Forderungen haben wir unsere Anträge „Atomkraft und Klimaschutz“ und „Tschernobyl und Fukushima nicht vergessen“ in den Bundestag eingebracht. Deutschland soll die anstehende EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um den europäischen sowie weltweiten Atomausstieg voranzubringen. Denn Atomkraft hat nichts zu bieten, was Erneuerbare nicht billiger, schneller und besser können.

Kein neues Tschernobyl. Kein neues Fukushima.

34 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl und 9 Jahre nach dem dreifachen GAU in Fukushima dürfen die verheerenden Folgen der Atomkraft nicht in Vergessenheit geraten. Der Rückbau beider Atomkraftwerke wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen, die Ruinen stellen immer wieder neue Herausforderungen dar. Die Waldbrände in der Sperrzone von Tschernobyl im April 2020 bezeugen es noch einmal deutlich. Aber auch in Japan verursachen Millionen Tonnen mit Tritium verseuchtes Wasser, das die Regierung in den kommenden Monaten einfach ins Meer einleiten möchte, große Sorgen.

Trotz verhängnisvoller Konsequenzen der Atomkraft laufen in Europa heute noch etliche Risikomeiler und neue werden unter erschreckend niedrige Standards gebaut. Wir fordern deshalb die unmittelbare Abschaltung der gefährlichsten bestehenden Meiler (wie Cattenom in Frankreich, Doel und Tihange in Belgien) sowie den Stopp gefährlicher Projekte (wie Ostrowez in Belarus und Akkuyu in der Türkei).

Alte Reaktoren häufig Schrott...

Der Ruf nach einer Verlängerung der Laufzeit für alte AKW verkennt, bei wie vielen Anlagen quer durch Europa inzwischen gravierende Sicherheitsmängel auftreten.

Die genannten Beispiele Tihange in Belgien, Fessenheim und Cattenom in Frankreich sind bekannt, aber auch um die deutschen Atomkraftwerke steht es nicht viel besser. Insbesondere Gundremmingen C gehört aufgrund mangelnder Erdbebensicherheit sofort vom Netz. Eine Verlängerung der Laufzeit wäre zudem ohne massive Nachrüstungen der AKW gar nicht möglich.

Wer für angeblich sichere künftige Reaktorkonzepte schwärmt, sollte sich die ökonomischen Realitäten und das Versagen der europäischen Atomindustrie bei heutigen Reaktorprojekten vor Augen halten:

  • Warum wird selbst im Atomland Frankreich nur an einem einzigen AKW gebaut?
  • Beim Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) schießen Kosten und Verzögerungen durch die Decke und es gibt Materialprobleme, die schon in den 1970er Jahren nicht passieren hätten dürfen. Dabei ist der EPR eine relativ simple Weiterentwicklung im Vergleich zu Reaktoren der sogenannten vierten Generation.

Fakt ist: Der ohnehin geringe Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung nimmt immer mehr ab.

…neue Wunderreaktoren nicht in Sicht

Und die vierte Generation? Trotz 20 Jahren Forschung existiert die sogenannte vierte Generation von Atomkraftwerken hauptsächlich auf dem Papier. Sechs Konzepte gibt es vom „Generation IV International Forum“. Das ist ein Zusammenschluss aus 13 Staaten plus Euratom, der seit dem Jahr 2000 an der vermeintlich „sicheren, sauberen und günstigen Atomenergie“ arbeitet. Diese sechs Konzepte, die dort ausgearbeitet werden, sind nichts Neues, sondern in ihren Grundkonzepten schon seit Jahrzehnten bekannt. Fest steht auf jeden Fall, dass keines dieser Konzepte in naher Zukunft in großem Maßstab zu Energieerzeugung taugt.

Auch wer auf Kernfusion hofft, verdrängt unbequeme Wahrheiten. Der Zeitpunkt, zu dem ihre Verfechter Fusionskraftwerke für machbar halten, verschiebt sich seit Jahrzehnten in die Zukunft. Heute ist klar: Sollte die Kernfusion irgendwann doch noch kommen, dann kommt sie zu spät. Doch immer mehr kritische Physiker zweifeln daran, ob sie überhaupt realisiert werden kann. Dazu gehören zum Beispiel ein Kernforscher vom Schweizer CERN und Plasmaphysiker aus Princeton in den USA.

Unsere Forderungen

  • Atomkraft ist und bleibt schädlich und lebensgefährlich. Ein neues Tschernobyl oder Fukushima darf es nicht geben. Deshalb sollten alle AKWs so schnell wie möglich abgeschaltet werden.
  • Der Atomausstieg bis 2022 muss auch das Ende von Urananreicherung und Herstellung von Brennelementen in Deutschland bedeuten.
  • Die Anstrengungen zur Suche bestmöglich sicherer atomarer Endlager – in Deutschland bereits auf den Weg gebracht – müssen überall intensiviert werden.
  • Atomenergie trägt weltweit nichts zum Klimaschutz bei. Investitionen in Atomenergie behindern den notwendigen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Das ist unverantwortlich und unökologisch. Die Bundesregierung muss sich für einen europäischen und weltweiten Atomausstieg einsetzen. Dafür soll auch die EU-Ratspräsidentschaft genutzt werden.