10 Jahre nach Fukushima

Atomkraft hat keine Zukunft

Fukushima No. 1 Nuclear Power Plant
Das Reste des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi im Februar 2021. In den unzähligen Tanks lagern mehr als 1,2 Millionen Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser, das voraussichtlich ins Meer geleitet werden soll. picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Koji Ito
11.03.2021
  • Der Super-GAU von Fukushima am 11. März 2011 hat einmal mehr gezeigt, was für ein Restrisiko Atomkraft in sich verbirgt. Die Aufarbeitung der Langzeitfolgen wird noch Jahrzehnte dauern.
  • Für uns Grüne im Bundestag ist klar: Atomkraft hat keine Zukunft. Sie ist klimaschädlich, gefährlich und teuer.
  • Erneuerbare Energien müssen im Mittelpunkt der Energiewende stehen. Die Bundesregierung muss den Atomausstieg in Deutschland konsequent umsetzen und sich aktiv für einen europa- und weltweiten Atomausstieg einsetzen.

35 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl und 10 Jahre nach dem dreifachen GAU in Fukushima sind die verheerenden Folgen der Atomkraft immer noch sichtbar. Der Rückbau beider Atomkraftwerke wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen, die Ruinen stellen immer wieder neue Herausforderungen dar.

In Fukushima wird die Bergung des geschmolzenen Kernbrennstoffs noch Jahrzehnte dauern. Für das kontaminierte Kühlwasser scheint es kein anderes Endlager als den Pazifik zu geben.

Video: Atomausstieg europäisch und weltweit

Die schwer beschädigten Reaktoren 3 und 4 von Fukushima Daiishi im März 2011 aus der Luft aufgenommen.

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Dennoch – 10 Jahre nach Fukushima - ist das Bild erschreckend: Immer mehr Länder, auch in Europa (etwa Polen), wollen neue Atomkraftwerke bauen. Die Probleme und Gefahren der Atomenergie zu ignorieren ist fahrlässig, Es darf kein neues Tschernobyl, kein neues Fukushima geben.

Für uns Grüne ist klar: Atomkraft hat keine Zukunft. Das haben wir auch in unserem aktuellen Antrag anlässlich des 10. Jahrestags von Fukushima deutlich gemacht.

Atomkraft ist klimaschädlich

Wir wollen eine Zukunft mit sauberem Strom. Atomenergie verzögert das aber – auch zum Schaden des Klimaschutzes: Sie verstopft Netze, steht Investitionen in Erneuerbare im Weg (Forschung, Anlagen, Infrastruktur) und erhöht den Berg von Atommüll immer weiter.

Außerdem entsteht in der Kette von Uranförderung, Anreicherung, Bau von Atomkraftwerken und Endlagerung ein beträchtlicher CO2-Ausstoß samt einer Vielfalt an nicht verwertbaren radioaktiven Abfallarten. Die ökologischen und ethischen Gesichtspunkte des immer umwelt-schädlichen und meist menschenrechtsverachtenden Uranabbaus kommen noch hinzu. Der angeblich „klimaneutrale“ Strom aus AKWs ist außerdem nachweislich von deutlich mehr CO2 pro Kilowattstunde belastet als Photovoltaikanlagen, Windräder oder Wasserkraftwerke.

Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Mit unserem Antrag „Atomkraft und Klimaschutz“ im Bundestag haben wir bereits deutlich gemacht, dass Atomkraft Klimaschutz verhindert.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Flyer "Atomkraft bleibt ein Klimakiller".

Atomkraft ist und bleibt gefährlich

34 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl und 10 Jahre nach dem dreifachen GAU in Fukushima dürfen die verheerenden Folgen der Atomkraft nicht in Vergessenheit geraten.

In Fukushima strahlen fast 900 Tonnen geschmolzener Brennstoff und hochradioaktive Trümmer weiter vor sich hin, bei der versuchten Bergung tauchen immer wieder neue Probleme auf. Weder der Atomkonzern Tepco noch die japanische Atomaufsicht konnten bislang einen umsetzbaren Plan zur Bergung der geschmolzenen Brennstäbe vorlegen.

In den Wassertanks auf dem Gelände der Kraftwerksruine lagern über eine Million Tonnen mit Tritium verseuchtes Wasser, jedes Jahr kommen 60.000 Tonnen hinzu. 2022 werden die Lagerkapazitäten auf dem Gelände erschöpft sein. Daher will die japanische Regierung das belastete Wasser in den kommenden Monaten einfach ins Meer einleiten.

Trotz verhängnisvoller Konsequenzen der Atomkraft laufen in Europa heute noch etliche Risikomeiler, darunter mehrere aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Dies ist möglich, weil die Laufzeiten für verschiedene Meiler verlängert worden sind. Dabei laufen in Europa allerdings dutzende AKWs außerdem ohne ausreichende Genehmigung oder ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Es werden sogar neue Meiler unter erschreckend niedrigen Standards gebaut. Dies ist fahrlässig und eine Gefahr für ganz Europa. Es zeigt, dass Länder keine Konsequenzen nach der Katastrophe in Fukushima gezogen haben – auch 10 Jahre danach noch nicht.

Wir fordern deshalb die unmittelbare Abschaltung der gefährlichsten bestehenden Meiler (wie Cattenom in Frankreich, Doel und Tihange in Belgien) sowie den Stopp gefährlicher Projekte (wie Ostrowez in Belarus und Akkuyu in der Türkei).

10 Jahre nach Fukushima - Atomrisiko Europa?

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Am 11. März 2021 sprachen unsere Abgeordneten Franziska Brantner, Svylvia Kotting-Uhl und Oliver Krischer mit Expert*innen über die Risiken, die auch nach dem deutschen Ausstieg noch immer mit der Atomkraft verbunden sind. 

Aber auch um die deutschen Atomkraftwerke steht es nicht viel besser. Insbesondere Gundremmingen C gehört aufgrund mangelnder Erdbebensicherheit sofort vom Netz. Der Ruf nach einer Verlängerung der Laufzeit für alte AKW verkennt, bei wie vielen Anlagen quer durch Europa inzwischen gravierende Sicherheitsmängel auftreten.

Es werden sogar neue Meiler unter erschreckend niedrigen Standards gebaut. So planen Japan, China, Indien und Russland den Bau von neuen Atomkraftwerken. Dies ist fahrlässig und eine Gefahr für Europa und die ganze Welt. Es zeigt, dass Länder keine Konsequenzen nach der Katastrophe in Fukushima gezogen haben – auch 10 Jahre danach noch nicht.

Die Bundesregierung muss endlich auf gefährliche Projekte im Ausland Einfluss nehmen. Insbesondere bei europäischen Projekten hat die Bundesregierung ein starkes, bis jetzt weitgehend unausgeschöpftes Mitspracherecht. Das könnte sie nutzen, um dem polnischen Atomeinstieg sowie Neubauplänen in Ungarn, Tschechien und der Slowakei entgegenzutreten.

Neben dem Bau und Betrieb von veralteten Meilern gibt es noch ein weiteres Risiko: der Atommüll. Bis heute ist nicht geklärt, was mit dem Atommüll geschehen soll. In Deutschland hat inzwischen die Endlagersuche begonnen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, vor der sich niemand drücken kann und bei der wir Grüne im Bundestag konstruktiv mitwirken.

Atomkraft ist teuer

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Rede von Sylvia Kotting-Uhl

Atomkraft ist längst die teuerste Art der Stromerzeugung geworden. Über das letzte Jahrzehnt sind die Kosten für Strom aus Erneuerbaren stark gesunken, die Kosten für Atomstrom sind dagegen gestiegen: im Vergleich zu Strom aus Solar- und Windenergie kann Atomstrom bis zu dreimal so viel kosten. AKW-Neubauprojekte sind daher weltweit zumeist auf staatliche Förderung angewiesen, sie dauern Jahrzehnte und verschlingen Milliarden.

Atomkraft ist damit nicht nur teuer, sondern jeder Euro, der in Atomenergie investiert wird, fehlt anderweitig für wichtige Klimaschutzmaßnahmen. Beispielsweise bei EURATOM versenkte die EU von 2014 bis 2020 rund 5,3 Milliarden Euro in eine Technologie ohne Zukunft.

Nur 5,9 Milliarden gingen in anderen Formen der Energieforschung: Das ist unverhältnismäßig und unverständlich. Stattdessen müssen diese Gelder in die Erforschung von erneuerbaren Energien, Speichertechnologien und Energieeffizienz investiert werden, um die Energiewende voranzubringen.

Zudem rechnet die Bundesregierung aktuell mit Kosten von 169 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung des hochgefährlichen Atommülls bis zum Jahr 2100 – Kostensteigerungen nicht ausgeschlossen.

Atomausstieg endlich konsequent umsetzen

In Deutschland ist der Atomausstieg bis 2022 eine beschlossene Sache. Die Bundesregierung muss den Beschluss jedoch konsequent umsetzen, ansonsten untergräbt sie die Glaubwürdigkeit Deutschlands und dreht das europäische Atomkarussell weiter. Zusätzlich zu den Abschaltungen der AKWs gehört zum vollständigen Atomausstieg auch das Schließen von deutschen Atomfabriken zur Herstellung von Brennelementen.

Die ANF-Brennelementefabrik in Lingen etwa hat in den letzten zwei Jahrzehnten fast alle Nachbarstaaten mit AKW mit Brennelementen beliefert: darunter das älteste AKW der Welt im schweizerischen Beznau, die belgischen Skandalreaktoren, die französischen AKW Cattenom und bis zur Abschaltung auch Fessenheim. Die Behörden unter Aufsicht der Bundesregierung stellen deutschen Atomfabriken auch in den bedenklichsten Fällen Ausfuhrgenehmigungen aus, nicht nur zur Versorgung grenznaher Risikomeilern mit Brennstäben, sondern auch zur Versorgung Russlands mit ab- und angereichertem Uran, trotz europäischer Sanktionen. Auch eine japanische Brennelementefabrik wird von Deutschland aus mit Uran versorgt.

Damit muss Schluss sein. Die Bundesregierung muss konsequent handeln und die Schließung von Atomfabriken zum Ziel erklären. Sie muss sich auch auf europäischer Ebene für einen Atomausstieg und Ende der Förderung von Atomenergie einsetzen und dafür Bündnispartner zusammenbringen.

Wir fordern

  • Alle AKWs sollen so schnell wie möglich abgeschaltet werden. Atomkraft ist und bleibt schädlich und lebensgefährlich. Ein neues Tschernobyl oder Fukushima darf es nicht geben.
  • Die Bundesregierung muss den Atomausstieg in Deutschland konsequent umsetzen. Das beinhaltet neben dem Atomausstieg bis 2022 auch das Ende von Urananreicherung und Herstellung von Brennelementen in Deutschland.
  • Die Suche nach einem sicheren Endlager für den radioaktiven Atommüll muss konstruktiv begleitet und unterstützt werden. Die Endlagersuche ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dieser Prozess muss konstruktiv begleitet und unterstützt werden. Ähnliche Verfahren müssen überall auf der Welt intensiviert werden.
  • Investitionen in Energieforschung müssen konsequent in die Erforschung von erneuerbaren Energien, Speichertechnologien und Energieeffizienz gesteckt werden. Atomenergie trägt weltweit nichts zum Klimaschutz bei. Investitionen in Atomenergie behindern den notwendigen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Das ist unverantwortlich und unökologisch. Investitionen müssen zukunftsweisend getätigt werden, um die Energiewende voranzubringen.
  • Die Bundesregierung muss sich für einen europäischen und weltweiten Atomausstieg einsetzen. Dafür muss sie sich auf EU-Ebene entschlossen gegen neue Atomkraftförderungen stellen und sich an den AKW-Plänen, Neubauvorhaben und Laufzeitverlängerungen von Nachbarstaaten systematisch mit einer Stellungnahme beteiligen.