Sicherung von Atomkraftwerken Belgische AKW im Fokus – Sicherheitslücken und Terrorgefahr

AKW Doel in Belgien

Erst die Risse, jetzt die Terrorgefahr: Die belgischen Atomkraftwerke kommen nicht aus den Schlagzeilen heraus.

Zunächst standen die beiden grenznahen Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 seit 2012 aufgrund von Rissen in den kernnahen Schmiederingen des Reaktordruckbehälters in der Kritik. Die beiden Atomkraftwerke stehen 65 Kilometer beziehungsweise 115 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Nach wie vor ist unklar, ob die Risse bereits seit Betriebsbeginn vorhanden waren oder während des Betriebs entstanden sind beziehungsweise sich vergrößert haben. In beiden Fällen bedeuten die Risse auf jeden Fall eine Reduzierung von Sicherheitsmargen. Eine erschreckende Konsequenz dieser Funde ist, dass im AKW Doel nun das Notkühlwasser auf mindestens 40° C aufgeheizt werden muss. Würde dem rissigen Stahlbehälter das sonst kühlere Wasser in großen Mengen zugeführt werden, könnte ein sogenannter thermischer Schock diese Behälter beschädigen oder sogar zerstören.

Die Entdeckung der Risse hat zumindest auch dazu geführt, dass die Bundesregierung endlich ein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit in Fragen der kerntechnischen Sicherheit und des Strahlenschutzes mit Belgien abschließen will. Die damit einhergehende Einrichtung einer bilateralen Kommission zum Austausch von Unterlagen und Informationen fordert die grüne Bundestagsfraktion schon seit langem. Insofern begrüßen wir diese Entwicklung als einen wichtigen Schritt nach vorne.

AKW im Visier von Terroristen

Neben diesen besorgniserregenden Sicherheitslücken an den AKW selbst, häufen sich jetzt jedoch auch Vorfälle, die auf eine mangelnde Sicherheitskultur schließen lassen: Im AKW Doel wurde im August 2014 zunächst ein Turbinenschaden durch das Auslaufen von 65.000 Litern Schmieröl entdeckt. Der Vorfall wird mutmaßlich auf Sabotage durch einen Innentäter zurückgeführt. Es laufen zwar Ermittlungen, bisher gibt es aber noch keine belastbaren Ergebnisse. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Täter weiterhin im AKW arbeitet.

Nach diesem Vorfall wurde dann im Oktober 2014 bekannt, dass ein polizeibekannter Islamist drei Jahre lang durch einen Subunternehmer im Hochsicherheitsbereich beschäftigt wurde. Er hatte zwar Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen, diese verliefen jedoch unauffällig. Diese Ereignisse erschrecken besonders vor dem aktuellen Hintergrund des Terroranschlags in Brüssel. Ein neuer Fall wurde jetzt von der New York Times aufgegriffen, in dem zwei ehemalige Mitarbeiter des AKW Doel für den sogenannten Islamischen Staat gearbeitet haben. Einer der beiden wurde in Belgien verurteilt, ist inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Weitere aktuelle Meldungen beschäftigen sich mit dem Tod eines Mitarbeiters des Institut national des radioelements nahe der Stadt Charleroi, zu dessen Tod es viele Spekulationen gab und der durchaus rätselhaft erscheint. Ähnlich seltsam ist der Fund eines Videos, in dem ein wichtiger belgischer Atomwissenschaftler in seinem Privathaus stundenlang gefilmt wurde.

Risiken ausschalten: Abschalten!

All diese Vorfälle zeigen, dass neben dem bisher angenommenen massiven Restrisiko noch ein zusätzliches Risiko besteht, das von Innentätern ausgehen kann. Fälle wie in Doel zeigen, dass das Sicherheits- und Kraftwerkspersonal nicht immer ausreichend geprüft wird. Nicht ohne Grund wurde in den belgischen AKW nach dem Terroranschlag Personal abgezogen – jeder Beschäftigte bedeutet ein Risiko.

Forderungen für eine Reduzierung des Risikos müssen demnach eine gründliche Überprüfung der MitarbeiterInnen und einer Reduzierung der Subunternehmer einbeziehen. Ebenfalls muss es eine Debatte über die immense Auslagerung von Arbeiten an Subunternehmen geben, die sogar den Hochsicherheitsbereich betreffen. Als wichtigste Konsequenz bleibt aber nur die Forderung, alle europäischen Atomkraftwerke schnellstmöglich abzuschalten. Nur so kann so bald wie möglich mit einem Rückbau der AKW begonnen und das Risiko minimiert werden.

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