Gefährliche Atomkraftwerke Belgische AKWs voller Risse

Atomkraftwerk im Hintergrund, im Vordergrund eine Windmühle
Atomkraftwerk in Doel, Belgien

Im Sommer 2012 sind in den belgischen Atomkraftwerken Doel-3 und Tihange-2 zahlreiche Risse im Grundmaterial der geschmiedeten Reaktordruckbehälter festgestellt worden. Die belgische Aufsichtsbehörde Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle (FANC) überprüfte die Risse und beschloss im Frühjahr 2013 trotz verbliebener Fragen, dass ein Weiterbetrieb der beiden Anlagen aus ihrer Sicht dennoch möglich sei und ließ sie ab Mai 2013 wieder zu. Nachdem Anfang 2014 jedoch weitere Untersuchungsergebnisse vorlagen, die einen Weiterbetrieb endlich auch aus Sicht der FANC unverantwortlich machten, stehen die beiden Problemmeiler seit Ende März 2014 wieder still. Allerdings arbeitet der Betreiber nach wie vor darauf hin, die beiden AKW wieder anfahren zu dürfen. Bis Sommer 2015 will die FANC darüber entscheiden.

Weiterbetrieb unverantwortlich

Ein Weiterbetrieb birgt nicht nur für die Menschen in Belgien unbeherrschbare Risiken, sondern auch für den Westen Deutschlands. Denn die belgischen Atomkraftwerke liegen nur etwa 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Wir Grünen im Bundestag haben 2013 zusammen mit vielen ExpertInnen und AktivistInnen die Entscheidung des Wiederanfahrens scharf kritisiert und die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Der Druck zeigte Wirkung: Er führte zu weiteren Untersuchungen, denen es zu verdanken ist, dass die Anlagen seit März 2014 wieder abgeschaltet sind.

Am Freitag, den 13. Februar 2015 gab Jan Bens, Chef der FANC,bekannt, dass in den Reaktor-druckbehältern deutlich mehr Risse gefunden worden sind, als bisher bekannt war. Eine neue Analyse ergab, dass sich in den stählernen Behältern, die das Herzstück eines Atomreaktors bilden, nicht 10.000, sondern mehr als 16.000 feine Risse befinden. Gegenüber dem öffentlichen belgischen Fernsehsender VRT äußerte Bens zudem eine eindringliche Warnung an andere Länder. „Das ist möglicherweise ein weltweites Problem für den ganzen Nuklearsektor“, sagte er. „Wir haben unsere internationalen Kollegen bereits informiert und beraten“.

Schrottreaktoren sofort stilllegen

Die grüne Bundestagsfraktion hat daraufhin sofort um einen Bericht der Bundesregierung im Umweltausschuss des Bundestages gebeten. Doch wie schon bei unserer Kleinen Anfrage vom Mai 2014, blieb die Bundesregierung einiges schuldig. Im Umweltausschuss wurden die alarmierenden Fakten in den belgischen Problemmeilern bestätigt. In Deutschland wird aktuell weiter untersucht, ob derartige Risse ebenfalls auftreten könnten, alle bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass die neun verbleibenden AKW nicht dieses Problem haben. Zudem wurde aber auch das Versagen der belgischen Atomaufsicht deutlich. Darüber darf auch die Warnung von FANC-Chef Bens nicht hinwegtäuschen.

Für uns Grüne im Bundestag ist klar: Die belgischen Atomkraftwerke gehören endgültig abgeschaltet. Alles andere ist nicht zu verantworten. Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland werden dem Risiko eines GAU ausgesetzt. Es ist empörend, dass die schwarz-rote Bundesregierung viel zu wenig unternimmt und sich nicht ausreichend bei der belgischen Regierung für eine Stilllegung der Schrottreaktoren einsetzt. Sie muss endlich mit der belgischen Regierung nach kurzfristigen Lösungen suchen, wie auch ohne Atomkraftwerke – etwa durch den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren und mehr Energieeffizienz – die Stromversorgung in Belgien sichergestellt werden kann.

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1 Kommentar
Das ist in so fern lächerlich
Uwe 26.02.2015

dass die Grünen in Baden-Württemberg selber 2 Atomkraftwerke über Anteile an ENBW besitzen und beide Atomkraftwerke solle noch bis 2022 laufen!

War Herr Kretschmann oder jemand aus der grünen Landesregierung als Großaktionär schonmal auf einer HV von ENBW um das Ausschalten der beiden Atommeiler vorzuschlagen????

Nein, die Grünen besitzen also selber 2 Atomkraftwerke über ihre Anteile an ENBW und machen seit 2011, der Wahl nach Fukushima , nichts um die vorzeitig auszuschalten!

Armes Deutschland und dann auf Belgien zeigen...

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