Atommüll Das Strahlungswunder von Gorleben

Das Umweltministerium Niedersachsen kann die Widersprüche bei den Messerergebnissen zur Strahlenbelastung rund um das Lager Gorleben nicht klären. Bundesumweltminister Röttgen muss den geplanten Castor-Transport stoppen.

In der aktuellen Sitzung des Umweltausschusses konnte das niedersächsische Umweltministerium keine Klarheit um die widersprüchlichen Messerergebnisse am Zwischenlager Gorleben schaffen. Die neuen Messergebnisse der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) werfen mehr Fragen auf, als dass sie zur Klärung beitragen. Ohne stichhaltige Begründung wurde ausschließlich die Neutronenstrahlung gemessen, während die Gammastrahlung gleich Null gesetzt wurde. Außerdem war die Messdauer mit nur vier Stunden sehr kurz. Und nicht zuletzt weist der PTB-Bericht auch handwerkliche Mängel auf. So lässt er offen, welche natürlich Hintergrundstrahlung er für Gorleben ansetzt.

Die PTB-Messergebnisse sind alles andere als belastbar. Dennoch will der zuständige Landesminister Hans-Heinrich Sander die Castoren wie geplant Ende November rollen lassen. Kein Wunder: Eine Verschiebung des umstrittenen Castor-Transports käme der niedersächsischen Landesregierung höchst ungelegen – 2013 wird dort der Landtag neu gewählt. Was Sander mit der PTB-Messung macht, hat daher mehr als ein Geschmäckle.

Die niedersächsische Regierung verstrickt sich in Gorleben immer tiefer in Widersprüche. Auch auf mehrfache grüne Nachfrage kann sie nicht erklären, warum im Jahr 2010 die Messsonde versetzt wurde, deren Werte seit Anfang September für gehörigen Wirbel sorgen. Es wird höchst Zeit, dass die Bundesaufsicht eingreift und das Wirrwarr um die Strahlungsmessung beendet. Solange unklar ist, ob die Menschen am und im Lager Gorleben durch die austretende Strahlung gefährdet werden, darf kein neuer Castor ins Lager gebracht werden. Bundesumweltminister Röttgen muss als oberster Atomaufseher Niedersachsen dazu drängen, den Transport für diesen Herbst abzusagen.

Zum Hintergrund: Der landeseigene Betrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hatte im Sommer für das erste Halbjahr 2011 eine Strahlenbelastung von 0,14 Millisievert (mSv) festgestellt. Hochgerechnet aufs Jahr würde damit der Eingreifwert von 0,27 mSv überschritten. Kämen - wie geplant - im Herbst elf weitere Castoren dazu, droht damit der Grenzwert von 0,3 mSv überschritten zu werden. Die Aufsichtsbehörde müsste folglich den Castor-Transport absagen und zunächst dafür sorgen, dass die Strahlenbelastung sinkt.

Am 26. September überraschte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander mit neuen Messergebnissen der PTB. Demnach soll die Strahlenbelastung in Gorleben niedriger sein und im laufenden Jahr maximal 0,233 mSv erreichen.

 

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