Widerlegt Die häufigsten (falschen) Argumente gegen den Atomausstieg

Deutschland ist umzingelt von Atomkraft!

Ja. Aber das ist kein Grund, nicht aus dieser hochriskanten Technologie auszusteigen. Allein die Reaktoren Brunsbüttel, Krümmel, Biblis A und B kommen hierzulande auf über 1.200 meldepflichtige Ereignisse pro Jahr. Oft genug sind wir selbst hierzulande nur knapp ernsten Störfällen entgangen. 17 AKW weniger in Deutschland bedeutet 17 Mal mehr Sicherheit für uns und unsere Nachbarn. Wir brauchen eine Welt ohne Atomkraft und müssen deshalb unser ganzes Wissen und Können dafür einsetzen, Energie zu sparen, effizienter zu nutzen und erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Nur so können wir unsere Nachbarn in Europa und unsere Partner in der Welt überzeugen. Dass es funktioniert, zeigt die Erfolgsgeschichte unseres Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Nahezu 50 Staaten haben inzwischen entsprechende Fördersysteme für erneuerbare Energien nach dem deutschen EEG-Modell eingeführt.

Kohle und Gas müssen Atomkraft ersetzen!

Stromkonzerne wollen uns weismachen, die Lichter gingen aus, wenn wir nicht massenhaft neue Kohlekraftwerke bauen würden. Dabei ist der Anteil von Atomstrom an der Stromerzeugung seit Jahren rückläufig. Er sank im Zeitraum 2000 bis 2008 von 30 Prozent auf 23 Prozent. Auch bei einer Sofortabschaltung der acht unsichersten deutschen AKWs ist die Stromversorgung nicht gefährdet. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass wir – die richtige Weichenstellung der Politik vorausgesetzt - in sechs Jahren ganz auf Atomkraftwerke verzichten können, ohne Energiesicherheit und Klimaschutz zu gefährden. Bereits im Sommer 2007 waren sechs AKWs gleichzeitig außer Betrieb, ohne dass auch nur ein Lichtlein geflackert hätte. Im Gegenteil: Deutschland erreichte damals einen Rekordüberschuss beim Stromexport. Noch deutlicher wird die Ersetzbarkeit der acht Atommeiler, wenn man die exportierten Strommengen betrachtet. Denn trotz des Bedeutungsverlustes der Atomkraft wuchsen in Deutschland die Exportüberschüsse beim Strom an.

Öko-Energie kann die Stromversorgung noch lange nicht sicherstellen!

Die beträchtlichen Schwankungen bei der Atomstromerzeugung werden durch erneuerbare Energien heute bereits mehr als aufgefangen. In den letzten Jahren gingen allein Windenergieanlagen mit einer Leistung von 22.000 MW ans Netz. Weitere 200 Milliarden Euro wird die Erneuerbaren-Branche bis 2020 in den Kraftwerksneubau investieren. Bis dahin werden nach Aussagen der Branche mindestens 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Mit dem Ausbau von Biomassekraftwerken, Offshore-Windparks sowie Fortschritten bei der Netzintegration wird immer mehr dieser grünen Energie jederzeit zur Verfügung stehen. Zweites Standbein der künftigen Stromversorgung ist die Kraft-Wärme-Kopplung, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt und deshalb besonders umweltverträglich ist. Unabhängige Studien schätzen, dass über die Hälfte des Strombedarfs in Deutschland allein aus solchen Anlagen abgedeckt werden könnte. Heute sind es gerade einmal elf Prozent, bis 2020 sollen es mindestens 25 Prozent sein, möglich sind nach Expertenmeinung über 50 Prozent. Dafür muss aber eine entschiedene Politik für erneuerbare Energien und Energieeffizienz gemacht werden – eine Politik, die Schwarz-Gelb bisher komplett vermissen ließ.

Wer für Klimaschutz ist, kann kaum gegen Atomkraft sein!

Weder mit neuen Atommeilern noch mit längeren Laufzeiten ist dem Klima gedient. Das Gegenteil ist richtig. Nur 2,5 Prozent der weltweit verbrauchten Endenergie steuern AKWs bei, in Deutschland sind es rund sechs Prozent. Um die Klimagasemissionen spürbar zu verringern, müsste schon eine ganze Armada neuer Atomkraftwerke gebaut werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat die irrsinnige Zahl von über 1.300 neuen AKWs errechnet, die erforderlich wären, um bis 2050 die Klimagasemission deutlich zu senken. Das hieße: Ab sofort müsste alle zwei Wochen ein neues Atomkraftwerk in Betrieb gehen – welch absurde Vorstellung! Im Gegenteil verhindern die alten abgeschriebenen AKWs notwendige Investitionen in erneuerbare Energien.

Viele Menschen sind mit dem Gewissen gegen, mit dem Geldbeutel aber für Atomkraft!

Berechnungen des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und des Öko-Instituts kommen zu dem Ergebnis, dass ein durchschnittlicher Haushalt durch eine Laufzeitverlängerung gerade einmal 12 bis 50 Cent im Monat beim Strom sparen würde. Schon der Austausch einer einzigen 60-Watt-Glühbirne durch eine Energiesparlampe entlastet einen Haushalt mehr als längere AKW-Laufzeiten. Zudem müsste jede VerbraucherIn eigentlich auf ihre verbrauchten Kilowattstunden noch die Subventionierung der Atomwirtschaft aus Steuermitteln draufrechnen. Denn wie das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) 2010 im Auftrag von Greenpeace ermittelte, hat die Atomwirtschaft seit 1950 von staatlichen Förderungen in Höhe von über 200 Milliarden Euro profitiert. Die Fördermittel setzen sich zusammen aus direkten Finanzhilfen des Bundes wie Forschungsförderung, Kosten für die Atommüllendlager Asse II und Morsleben oder die Stilllegung der ostdeutschen Atommeiler. Hinzu kommen Steuervergünstigungen in der Energiebesteuerung und durch die Regelungen bei den Entsorgungsrückstellungen sowie Zusatzeinnahmen der AKW-Betreiber durch den Emissionshandel. Jede Kilowattstunde Atomstrom wird durch staatliche Regelungen mit 4,3 Cent gefördert.

 

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