Nationales Entsorgungsprogramm Ein Endlager für alles?

Straßenschilder weisen nach Asse und Schacht Konrad

Die Endlagersuchkommission wird sich damit befassen müssen, ob der Standort für insbesondere hoch radioaktiven Atommüll auch die URENCO-Urantails aus Gronau und den Atommüll aus der abgesoffenen Asse mit aufnehmen soll. Dies ist das Ergebnis einer Diskussion mit dem Staatssekretär Jochen Flasbarth aus dem Bundesumweltministerium (BMUB), der am 14. September 2015 in die Kommission kam, um die Endfassung des Nationalen Entsorgungsprogramms (NaPro) vorzustellen.

Laut NaPro ist Doppel-Endlager Priorität

Für die Urantails aus Gronau und den Assemüll gibt es laut NaPro zwei Optionen: Entweder der schwach- und mittelradioaktive Müll kommt noch zusätzlich in die Schachtanlage Konrad oder er wird in das Endlager integriert, für das die Endlagerkommission momentan das Verfahren konzipiert. Dies hatte bei der Öffentlichkeitsbeteiligung vor Fertigstellung des NaPro vor allem in der Region Salzgitter (rund um Schacht Konrad) für großen Protest gesorgt. Das Umweltministerium hatte daraufhin eingelenkt und die Option eines Doppel-Endlagers als prioritär eingestuft.

Bedenken in der AG Kriterien

Diese Kurskorrektur des BMUB hatte wiederum in der AG Kriterien der Endlagersuchkommission in der letzten Woche zu regen Diskussionen geführt. Ihre Mitglieder beklagten sich über mangelnde Informationen zu der chemischen Beschaffenheit und der zu erwartenden Menge der zusätzlichen Abfälle und befürchteten, der Prüfauftrag des BMUB könnte dazu führen, dass die Endlagersuchkommission in ihrer Arbeit blockiert werde und der Suchprozess sich weiter verzögern könnte.

Was ist bei einem Doppel-Endlager zu beachten?

Zunächst einmal wies die AG Kriterien darauf hin, dass sich die Abfallmenge und somit der Platzbedarf in einem Endlager erhöhen werde. Außerdem sind Auskünfte über die chemische Zusammensetzung der Abfälle notwendig, da gasentwickelnde Abfälle mit den wärmeentwickelnden hoch radioaktiven Abfällen reagieren. Dies muss vermieden werden. Zuletzt würde mit den Asseabfällen auch feuchter und salzhaltiger Atommüll in das Endlager kommen. Es ist aber noch nicht ausreichend geklärt, welche Wechselwirkungen zwischen diesem Atommüll und anderen Wirtsgesteinsarten zu befürchten sind. Viele dieser benötigten Informationen kann das BMUB bisher nicht liefern.

Sicherheit sollte weiterhin an erster Stelle stehen

Wir Grünen begrüßen, dass Barbara Hendricks nach breiter Kritik ihren ursprünglichen Druck auf Schacht Konrad zurückgenommen hat. Im Standortauswahlgesetz (StandAG) steht explizit geschrieben, dass ein Endlager für insbesondere hoch radioaktive Abfälle zu suchen ist. Deshalb ist es richtig, dass die Endlagersuchkommission nun prüft, ob in dem Lager auch die URENCO- und Asse-Abfälle unterkommen können. Auch bei dieser Prüfung bleibt das Kriterium der bestmöglichen Sicherheit weiterhin an erster Stelle.

Eingangslager: Kein Prinzip Gorleben

Ein weiterer Aspekt, der rund um das NaPro zu Kontroversen führt, ist der Plan der Bundesregierung, an dem noch zu suchenden Endlagerstandort ein Eingangslager an der Oberfläche zu errichten, in dem bis zur Einlagerung des Atommülls ins Endlager bis zu 500 Castoren zwischengelagert werden sollen. Dies würde möglicherweise Fakten schaffen, bevor das Endlager überhaupt genehmigt ist („Prinzip Gorleben“). Aus diesem Grund wird sich die Kommission auch hierzu positionieren müssen.

Wie geht’s nun weiter?

In der Kommissionssitzung am Montag wurde durch einige Mitglieder der Aufruf laut, die Arbeitszeit der Kommission müsse verlängert werden. Ein endgültiger Beschluss, wie die Kommission mit dem Prüfauftrag des BMUB umgehen soll und welche Konsequenzen eine solche Befassung auf den Arbeitsplan der Kommission hat, wurde noch nicht getroffen. Diese Debatte wird in den Arbeitsgruppen und der Kommissionssitzung am 2. Oktober 2015 weitergeführt.

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