Endlager ABC

Endlager ABC

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A

AkEnd - Kurzform für "Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte". Es handelte sich hierbei - anders als bei der Endlagerkommission - um ein reines Expertengremium, welches vom Bundesumweltministerium unter der rot-grünen Regierung 1999 einberufen wurde. Es legte seinen Abschlussbericht 2002 vor. Der Bericht enthält einen umfassenden Kriterienkatalog sowie einen Verfahrensvorschlag für die Endlagersuche. Auch erste Ansätze für ein Beteiligungskonzept finden sind im AkEnd-Bericht. Die Empfehlungen des AkEnd wurden in Deutschland damals allerdings nicht umgesetzt. Anders in der Schweiz, wo sich das Auswahlverfahren für ein Endlager stark an den Empfehlungen des AkEnd orientiert. Auch die deutsche Endlagerkommission (siehe unter E) nahm viele der AkEnd-Empfehlungen als Ausgangsbasis für ihre Empfehlungen. Der Wissenstransfer aus dem AkEnd in die Endlagerkommission wurde dadurch gewährleistet, dass drei ehemalige AkEnd-Mitglieder auch Mitglieder der Endlagerkommission waren.

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B

BfE - Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ist die zuständige Aufsichts- und Regulierungsbehörde für die Endlagersuche. Außerdem ist sie Trägerin für die Umsetzung der Öffentlichkeitsbeteiligung und kümmert sich allgemein um Genehmigungen im Bereich der Kerntechnik und der Zwischenlagerung.

BGE - Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH übernimmt als Vorhabenträgerin die technische Umsetzung der Endlagersuche und des späteren Endlagerbaus. Sie ist zu 100% in öffentlicher Hand und untersteht dem Bundesumweltministerium.

Bergbarkeit - Nach Verschluss des Endlagerbergwerks muss es für den Zeitraum von 500 Jahren möglich sein, den Atommüll bei Bedarf (Sicherheitsbedenken oder Entwicklung besserer Methoden zur Atommüllentsorgung) wieder zu bergen. Das bedeutet, dass das Endlagerbergwerk so konzipiert sein muss, dass das Auffahren eines neuen Bergwerks am Endlager möglich ist. Außerdem müssen die Behälter noch in einem Zustand sein, der die sichere Bergung gewährleistet.

Bestmögliche Sicherheit - Ziel der Endlagersuche ist ein Endlager für insbesondere hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland mit der bestmöglichen Sicherheit. Der Begriff "bestmöglich" ist bewusst gewählt. Das "sicherste" Endlager in Deutschland werden wir nicht finden können, weil dies voraussetzen würde, dass wir uneingeschränkt alles über den Untergrund in Deutschland wissen. Über einen so langen Zeitraum von 1 Mio. Jahren können wir keine absolute Sicherheit garantieren. Wir wollen aber heute nach bestem Wissen und Gewissen einen bestmöglich sicheren Standort auswählen. Sollte sich über die nächsten Jahrzehnte bis Jahrhunderte herausstellen, dass wir falsch lagen mit unserer Wahl, gibt es für nachfolgende Generationen die Möglichkeit der Reversibilität (siehe unter R). Die bestmögliche Sicherheit soll durch ein vergleichendes Verfahren basierend auf wissenschaftlichen, geologischen Kriterien erreicht werden.

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D

Deckgebirge - Das Deckgebirge ist eine Gesteinsschicht über dem Einlagerungsbereich und dem einschlusswirksamen Gebirgsbereich (ewG - siehe unter E). Es ist ein Sicherheitsplus einerseits zum Schutz vor austretender Strahlung und andererseits vor eindringendem Wasser.

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E

Endlagerkommission - Die Endlagerkommission (offizieller Titel "Kommission für die Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe") ist ein gesamtgesellschaftliches Gremium, das über den Zeitraum von zwei Jahren (2014-2016) im Konsens das Verfahren für den Neustart in der Endlagersuche entwickelte. Sie setzte sich zusammen aus 8 Wissenschaftlern, 8 VertreterInnen der Zivilgesellschaft (Umweltverbände, Kirchen, Gewerkschaften und Wirtschaft), 8 LänderministerInnen und 8 Bundestagsabgeordnete. Ihre Empfehlungen im Endlagerbericht umfassen u.a. einen wissenschaftsbasierten Kriterienkatalog für die vergleichende Suche nach einem Standort in Deutschland, ein detailliertes Konzept zur Beteiligung der Öffentlichkeit im Auswahlverfahren und konkrete Empfehlungen zur Evaluierung des Standortauswahlgesetzes (StandAG - siehe unter S).

Erkundung - Das Verfahren für die Standortsuche (siehe unter V) sieht zwei Arten von Erkundungen des Untergrundes vor. Obertägige Erkundungen sind Erkundungen, die "von oben" gemacht werden, d.h. es werden erste Bohrungen und seismische Verfahren angewandt. Bei der untertägigen Erkundung wird ein Erkundungsbergwerk aufgefahren, um geowissenschaftliche und geotechnische Untersuchungen durchzuführen.

ewG - Der einschlusswirksame Gebirgsbereich (ewG) ist der Bereich im Gestein, der garantieren muss, dass der Atommüll für eine Million Jahre sicher eingeschlossen ist und keine Strahlung nach Außen treten kann. Entscheidend hierfür sind zum Beispiel Kriterien der Wasserdurchlässigkeit und der Mächtigkeit (Größe des Wirtsgesteins).

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G

Gorleben - Wir Grüne sehen Gorleben als politisch verbrannt an. Nicht nur der gesellschaftspolitische Prozess in der Geschichte Gorlebens ist ein Negativbeispiel, auch die geologische Eignung für ein Endlager scheint uns mehr als zweifelhaft. Trotzdem muss Gorleben sich in dem neuen Verfahren, das anders als die Auswahl Gorlebens rein wissenschaftsbasiert sein wird, den Kriterien stellen. Ein ergebnisoffenes, wissenschaftsbasiertes Verfahren, das in allen Bundesländern als fair und gerecht akzeptiert werden kann, lässt einen politischen Vorabausschluss von Gorleben nicht zu.

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M

Monitoring - Um Fehlerkorrekturen im Verfahren und bei der Endlagerung zu ermöglichen, braucht man sowohl ein Prozess- als auch ein Endlagermonitoring. Dies bedeutet, dass Prozesse und die Endlagerung kategorisch mit Messmethoden und Indikatoren beobachtet und die Ergebnisse ausgewertet werden.

Müllarten - Beim Atommüll unterscheidet man zwischen schwach- und mittelradioaktiven Abfällen sowie hochradioaktiven Abfällen. Der hochradioaktive Atommüll enthält 99% der Radioaktivität aller radioaktiven Abfälle, macht aber nur ein Zwanzigstel des Gesamtvolumens des endzulagernden Atommülls in Deutschland aus (siehe unter M, Müllmengen).

Müllmengen

Erwartetes Volumen konditionierter schwach und mittelradioaktiver Abfälle (im Jahr 2070) 301.800 m3
Erwartete Abfallstoffe aus der Schachtanalage Asse II 175.000 - 220.000 m3 (inklusive kontaminiertes Salz)
Abgereichertes Uran aus der Urananreicherung Bis zu 100.000 m3
Nicht Konrad-gängige Abfälle Schätzungsweise 6.000 m3
Hochradioaktive Abfälle Ca. 30.000 m3 (rund 1.900 Behälter)

Quelle: Endlagerbericht, S. 105 ff

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P

Partizipation - Die Empfehlungen der Endlagerkommission sehen ein umfassendes Beteiligungskonzept auf der regionalen, überregionalen und nationalen Ebene vor. Das Nationale Begleitgremium wacht als neutraler Beobachter über das Verfahren und wird unterstützt durch einen Partizipationsbeauftragten, optional auch durch einen wissenschaftlichen Beirat. In den Regionalkonferenzen der betroffenen Regionen kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger einbringen. Mit Nachprüfrechten können sie das Verfahren anhalten. Mit den Fachkonferenzen "Teilgebiete" während der ersten Suchphase und "Rat der Regionen", in dem sich VertreterInnen der Regionalkonferenzen und auch der Zwischenlagerkommunen ab der zweiten Phase treffen, werden Plattformen auf überregionaler Ebene geschaffen. Für Transparenz soll ein Online-Informationsregister in Anlehnung an das Hamburger Transparenzregister sorgen, in dem alle Daten der zuständigen Behörden veröffentlicht werden, ohne dass die BürgerInnen die Dokumente aktiv einfordern müssen.

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R

Rechtsschutz - Das StandAG (siehe unter S) von 2013 sah bisher nur eine Klagemöglichkeit für BürgerInnen, Gemeinden und Umweltverbänden im §17 (Vorschläge für die untertägige Erkundung) vor. In den Empfehlungen der Endlagerkommission ist nun auch eine weitere Klagemöglichkeit in §19 (Vorschlag für einen Endlagerstandort) vorgesehen. Während der Rechtsschutz in §19 europarechtlich klar erforderlich ist, geht die Beibehaltung des §17 zugunsten der Betroffenen darüber hinaus.

Reversibilität - Reversibilität ist die Möglichkeit, die Einlagerung des Atommülls rückgängig zu machen, und meint sowohl Rückholbarkeit (siehe unter R) als auch Bergbarkeit (siehe unter B). Zukünftige Generationen haben die Möglichkeit, Fehlerkorrekturen vorzunehmen und ihnen werden Handlungsoptionen offen gehalten, falls sie bessere Methoden für den Umgang mit dem Atommüll entwickeln. Oberstes Ziel bleibt aber letztendlich der langfristige, wartungsfreie und sichere Verschluss des Endlagerbergwerks.

Rückholbarkeit - Während der Betriebsphase des Endlagers, d.h. während der Phase der Einlagerung der Abfälle ist es möglich, den Atommüll mit einem vergleichsweise geringen Aufwand wieder aus dem Bergwerk zu holen, falls z.B. Probleme bei der Einlagerung auftauchen sollten.

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S

Selbsthinterfragendes System - bedeutet, dass das Auswahlverfahren und die Endlagerung offen sind für Fehlerkorrekturen. Dies umfasst die Aspekte Reversibilität (siehe unter R) und Monitoring (siehe unter M). Selbsthinterfragendes System heißt aber auch, dass Kritik durch die Wissenschaft und die Öffentlichkeit gewollt und zugelassen wird und dass sich verantwortliche Akteure im Verfahren regelmäßig selbst hinterfragen und den kritischen Austausch suchen. Zuletzt ist es wichtig, dass eine regelmäßige Anpassung des Verfahrens und der Sicherheitsanforderungen an den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik stattfindet.

StandAG - Das Standortauswahlgesetz (StandAG) wurde 2013 durch die Fraktionen CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschlossen und bildet den Ausgangspunkt für den Neustart in der Endlagersuche. Das Gesetz sah auch die Gründung der Endlagerkommission (siehe unter E) vor, die wiederum Vorschläge zur Verbesserung des StandAG erarbeitete.

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V

Verfahren - Das Verfahren beruht auf den Grundsätzen: vergleichend, wissenschaftsbasiert, partizipativ, transparent und ergebnisoffen. Es gliedert sich grob in drei Phasen. In Phase I wird die ganze Bundesrepublik betrachtet, d.h. ein Endlager ist potenziell überall in Deutschland möglich. Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien werden anhand bereits vorhandener Daten angewendet. Es gibt in dieser Phase also keine Bohrungen. Am Ende werden mehrere Standortregionen für die obertägige Erkundung ausgewählt und per Gesetz beschlossen. In Phase II werden die obertägigen Erkundungen durchgeführt und Standorte für die untertägige Erkundung ausgewählt. Diese werden per Gesetz beschlossen. Nach Abschluss der untertägigen Erkundungen in Phase III wird der endgültige Endlagerstandort per Gesetz festgelegt. Auf jeder Stufe des Verfahrens werden BürgerInnen aktiv mit in den Prozess einbezogen durch Regionalkonferenzen, den Rat der Regionen und das Nationale Begleitgremium (siehe unter P "Partizipation").

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W

Wirtsgestein - Wirtsgesteine sind Gesteinsarten, die für die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll geeignet sind. Die Endlagerkommission empfiehlt die drei Wirtsgesteinsarten Tonstein, Salz und Kristallin (z.B. Granit). Für diese drei Arten hat sie gemeinsame Kriterien entwickelt.

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