Atommüll Kein Castor-Transport nach Gorleben!

Ende August wurde bekannt, dass am Zwischenlager Gorleben bedenklich hohe Strahlenwerte gemessen wurden. Dabei war es bezeichnend, dass nicht der Zwischenlagerbetreiber, die Gesellschaft für Nuklear-Service GNS, und nicht das zuständige niedersächsische Umweltministerium die Öffentlichkeit informiert hatten. Bekannt wurde das Problem durch Recherchen des Norddeutschen Rundfunks.

Laut Genehmigung ist am Zaun des Zwischenlagergeländes ein Jahreshöchstwert von 0,3 Millisievert zulässig. Das Erreichen des sogenannten Eingreifwerts von 0,27 Millisievert erfordert unverzügliche Maßnahmen zur Strahlenreduzierung. Messungen der zuständigen Landesbehörden hatten ergeben, dass dieser Eingreifwert Ende 2011 voraussichtlich überschritten wird – auch ohne die Einlagerung weiterer 11 CASTOR-Behälter.

Seit Bekanntwerden des Problems sind Monate vergangen. Doch weder die GNS, eine Tochterfirma der Atomkraftwerke betreibenden Stromkonzerne, noch die zuständigen Behörden betreiben die gebotene Ursachenklärung oder ergreifen gar effektive Maßnahmen zur Strahlenreduktion. Stattdessen verweist das niedersächsische Umweltministerium auf eine neuerliche Kurzzeit-Strahlenmessung, die angeblich Anlass zur Entwarnung gebe. Bislang setzen sie als einziges auf das Umstellen der Behälter im Zwischenlager. Andere Maßnahmen, die eine tatsächliche Verbesserung der Abschirmung versprechen, wären möglich. Sie erforderten jedoch Sicherheitsnachweise, durch die sich der für Ende November geplante Transporttermin nicht halten ließe.

Castor stoppen!

Schon vor dem Hintergrund des aktuellen Strahlenproblems und des fragwürdigen und intransparenten Umgangs damit seitens der verantwortlichen Stellen darf es keine Zustimmung für die Einlagerung weitere CASTOR-Behälter ins Zwischenlager Gorleben geben.

Hinzu kommt, dass Gorleben seit Jahrzehnten Kern eines deutschen Großkonflikts ist. Jeder weitere CASTOR-Transport nach Gorleben heizt diesen Konflikt weiter an und verschärft bestehende Spannungen. Nach dem grundsätzlichen Konsens über den Atomausstieg besteht erstmals auch die Chance, einen breiten gesellschaftlichen Konsens für eine bundesweite Endlagersuche zu erreichen. An deren Ende stünde ein Standort, der von politischen Mehrheiten unabhängig und als bestmöglicher auch gerichtsfest ist.

Die AKW-Betreiber können und müssen ihren Beitrag leisten, damit wir den notwendigen Konsens in der Endlagerfrage erreichen können. Sie müssen den Druck vom Standort Gorleben nehmen und beantragen, ihren aus der Wiederaufarbeitung stammenden hochradioaktiven Atommüll künftig in den Zwischenlagern an den AKW-Standorten zu lagern. Es dürfen keine weiteren Fakten geschaffen werden, die die dringend notwendige Lösung des Endlagerproblems verhindern.

Bündnis 90/Die Grünen haben daher einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der von der Bundesregierung fordert

  • den für Ende November geplanten CASTOR-Transport abzusagen;
  • die AKW-Betreiber aufzufordern, Genehmigungsanträge für die Zwischenlagerung ihrer hochradioaktiver Wiederaufarbeitungsabfälle in den standortnahen Zwischenlagern zu stellen;
  • die Offenlegung aller Messwerte und Unterlagen zu den Strahlenwerten in Gorleben;
  • für eine rasche Ursachenklärung und effektive Verbesserungsmaßnahmen zur Senkung der Strahlung zu sorgen.

Auch wenn unser Antrag von der schwarz-gelben Mehrheit abgelehnt wurde: Wir setzen uns weiterhin dafür einer, dass keine weiteren Castoren nach Gorleben rollen und für einen sofortigen Baustopp in Gorleben. Stattdessen brauchen wir endlich eine bundesweite ergebnisoffen Suche nach dem bestmöglichen Endlagerstandort für den strahlenden Atommüll.

 

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