Drei Jahre Fukushima Kein Ende der Hiobsbotschaften in Sicht

Nach zahlreichen Pannen, schlechtem Krisenmanagement und einer desolaten Informationspolitik hatte die japanische Regierung im Mai 2012 endlich entschieden, dem Betreiber der Atomruine TEPCO (Tokyo Electric Power Co.) unter die Arme zu greifen. Um einer drohenden Insolvenz zuvorzukommen und die Stilllegung des Atomkraftwerks sicherzustellen, wurde TEPCO mit einer Billion Yen (9,6 Milliarden Euro) unterstützt. Dafür übernahm die japanische Regierung mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. TEPCO wurde dadurch de facto verstaatlicht.

Trotz zahlreicher Vorhaben hat sich die Situation vor Ort wenig verbessert. Immer wieder erreichen uns neue Hiobsbotschaften aus der havarierten Atomanlage. Mal wird bekannt, dass das Filtersystem für das stark verseuchte Wasser ausgefallen ist. Mal berichten Arbeiter von fahrlässigen Arbeitsschutzbedingungen. Dann werden versehentlich Kühlpumpen abgeschaltet oder die Kühlung fällt aufgrund durchgetrennter Kabel gleich ganz aus. Zwei weitere und direkt miteinander verbundene Dauerbaustellen sind das kontaminierte Wasser auf dem Gelände und der Zustand der Reaktorgebäude selbst.

Kontaminiertes Wasser im Pazifik

Während des Reaktorunfalls kam es in drei Reaktoren zu Kernschmelzen. Deswegen muss in die Reaktorgebäude dauerhaft Kühlwasser gepumpt werden. Sobald das Wasser zu stark kontaminiert ist und seine Kühlfunktion nicht mehr erfüllt, muss es in Speichertanks zwischengelagert werden. Man geht von etwa 700.000 Litern aus, die so täglich entsorgt werden müssen und vor Ort auf eine weitere Aufarbeitung warten. Bei der ungeschützten Lagerung auf dem Gelände kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Problemen. Ein Großteil der Speichertanks wurde notdürftig und in großer Eile nach der Katastrophe zusammengebaut. Für eine längere Aufbewahrung sind sie nicht konstruiert. So werden immer wieder Lecks gefunden, aus denen kontaminiertes Wasser austritt, teilweise bis zu mehrere 100 Tonnen. Das Wasser sickert in den Untergrund oder gelangt direkt in den Pazifik.

Dabei werden auch immer wieder Strahlenrekordwerte auf dem Gelände gemessen. Erst nach und nach werden jetzt die Tanks durch neue, geschweißte Behälter ausgewechselt. Die Beschaffenheit der Tanks ist jedoch nicht das einzige Problem. Der Lagerplatz auf dem Gelände ist begrenzt. Eine Veränderung bei der Kühlsituation ist nicht in Sicht und so kommen fortwährend neue Tanks hinzu. Zum Vergleich 700.000 Liter entsprechen dem Inhalt eines 25m Schwimmbeckens oder dem Inhalt von 20 Tanklastzügen – jeden Tag.

Zum einen schreiten die Arbeiten in Fukushima nur langsam voran und zum anderen hat man den geschmolzenen Kernbrennstoff in Reaktor 3 bisher noch nicht genau lokalisieren können, sodass unspezifisch immer neues Kühlwasser in das gesamte Reaktorgebäude geleitet wird. Selbst wenn das Wasser mit einer speziellen Anlage dekontaminiert wird, bleibt der gefährliche radioaktive Stoff Tritium erhalten. Wird das Wasser danach im Meer verklappt, besteht die Gefahr für eine Kontamination großer Fischbestände. In der Bucht vor Fukushima ist die Belastung mit radioaktivem Cäsium-137 bereits dramatisch gestiegen und Fischerei seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt.

Beschädigung an den Reaktorgebäuden

Neben der ungelösten Frage, was langfristig mit dem kontaminierten Wasser geschehen soll, gibt es noch eine weitaus größere und gefährlichere Problematik. Aufgrund der massiven Schäden an den Gebäuden ist teilweise noch unklar, wie es im Inneren genau aussieht. Klar ist hingegen, dass die Sicherheitsbehälter bei den Kernschmelzen stark beschädigt und durchlöchert worden sind. Block 1 und Block 4 sind mittlerweile eingehaust worden. Block 3 ist jedoch weiterhin stark zerstört. Der geschmolzene Kernbrennstoff wird mit Roboterkameras gesucht - bisher ohne Erfolg. Die Strahlung dort ist mehrere Hundert Millisievert hoch. Das Gebäude muss ständig mit Kühlwasser geflutet werden, um eine noch höhere Strahlung zu vermeiden. Die Situation an Reaktor 3 ist offensichtlich die problematischste momentan.

Nach wie vor ist aber auch die Situation im Abklingbecken in Reaktorblock 4 ungelöst. Das Abklingbecken, das in einer Höhe von 30 Metern gelagert ist, wird nur provisorisch gestützt. Ein weiteres Beben könnte dazu führen, dass das Becken beschädigt wird und die 1535 Brennstäbe, die darin lagern, nicht mehr ausreichend gekühlt würden. Eine neue Kernschmelze und somit Katastrophe stünde dann bevor.

Die Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima sind bisher weder beherrschbar noch in Gänze absehbar. Es wird lange dauern, bis die Situation unter Kontrolle gebracht ist. Die Probleme, die sich in Fukushima auftun, zeigen deutlich, dass eine Technologie wie die Atomkraft nicht beherrschbar und ein weltweiter Ausstieg daher dringend notwendig ist.

Mehr zum Thema Atomausstieg

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4391059