Endlagerkommission Mit Deckgebirge ist besser als ohne

Mitarbeiter der Schachtanlage Asse leiten im Atommüll-Lager Asse bei Remlingen in Kammer 3 eindringendes Wasser aus dem Deckgebirge in einen Auffang-Tank.
Mit Deckgebirge ist besser als ohne.

In der 17. Sitzung der Endlagersuchkommission am 19. November 2015 wurden Fachleute zu den Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Anfälle des BMU von 2010 befragt. Sie bestätigten, dass die Anforderungen weiterhin dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. Es wurde aber auch deutlich, dass ein Endlager mit intaktem Deckgebirge sicherer ist als ohne.

Hintergründe

Zu Beginn der Befragung erklärte Ministerialdirigent Peter Hart aus dem Bundesumweltministerium (BMUB), dass die Sicherheitsanforderungen erstmals 1983 verfasst wurden. Sie sollten unbestimmte Begriffe aus dem Atomgesetz klären. 2010 wurden die Sicherheitsanforderungen aktualisiert, da die alten Anforderungen nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprachen. In diesem Zusammenhang führte das BMUB unter anderem das Kriterium des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs (EWG) ein, das vom AkEnd (Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte) im Jahr 2002 anstelle des intakten Deckgebirges als maßgebliches geowissenschaftliches Kriterium vorgeschlagen wurde. Laut AkEnd-Bericht muss der EWG „innerhalb der geologischen Barriere des Mehrbarrierensystems Endlager den entscheidenden Beitrag zum Einschluss der Abfälle für den geforderten Isolationszeitraum“ leisten. Der AkEnd definierte, dass das Gestein im EWG eine hohe Barrierewirksamkeit und eine möglichst große Ausdehnung haben muss.

Deckgebirge bietet Zusatzschutz vor Strahlung

In der Debatte zur Rolle des Deckgebirges für die Sicherheit des Endlagers ergab sich, dass die geladenen sechs Fachleute den EWG für die Langzeitsicherheit ( Zeitraum von 1 Million Jahren) zwar als das zentrale Kriterium ansehen, ein intaktes Deckgebirge sei aber ein zusätzliches Sicherheitsplus. Prof. Dr. Gerald Kirchner sagte zum Beispiel, dass er, falls zwei potenzielle Standorte das Kriterium EWG erfüllen sollten, den Standort mit einem intakten Deckgebirge auswählen würde, da dieser über einen zusätzlichen Puffer für den Strahlenschutz verfügt.

Diese Aussage bestätigt unsere Forderung, ein Kriterium für den möglichst günstigen Aufbau des Deckgebirges als Abwägungskriterium wieder in den Kriterienkatalog mit aufzunehmen. Auch wenn das Deckgebirge möglicherweise nur bis zur nächsten Eiszeit intakt bleibt (in ca. 20.000 bis 50.000 Jahren), so trägt es doch zu einem zusätzlichen Strahlenschutz in der Anfangsphase des Endlagers bei, in der die Strahlung des Atommülls noch besonders hoch ist.

Sicherheitsanforderungen noch aktuell?

Die Fachleute bestätigten außerdem, dass die Sicherheitsanforderungen noch dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen und deshalb kein dringender Überarbeitungsbedarf besteht. Sie gaben dennoch Hinweise für Verbesserungen und Konkretisierungen. Zuletzt wurde deutlich, dass die Sicherheitsanforderungen von 2010 keinen Einfluss auf die Evaluierung des StandAG haben. Peter Hart betonte, dass im Zweifel die Sicherheitsanforderungen an die neuen Bestimmungen im StandAG angepasst werden müssten und nicht umgekehrt. Noch offen blieb die Frage, ob man die Sicherheitsanforderungen als Verordnung fassen sollte, um ihnen mehr Verbindlichkeit zu verleihen. Rechtlich sei dies nicht notwendig und letztendlich eine politische Frage.

Die Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Atomausstiegs

Nach der Anhörung stand ein Besuch des Staatssekretärs Rainer Baake (BMWi) auf der Tagesordnung, der über die Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Atomausstiegs (KFK) berichtete. Einer der drei Vorsitzenden dieser neuen Kommission, die bis Februar 2016 eine Lösung dafür gefunden haben muss, wie wir auch langfristig ausreichend Geld für den AKW-Rückbau und die Endlagerung des Atommülls durch die Atomkonzerne bekommen, ist Jürgen Trittin. Aus der Endlagerkommission sind vier Personen in der KFK vertreten.

In der Diskussion mit Rainer Baake machten die Mitglieder der Endlagerkommission deutlich, dass das gesetzlich festgelegte Verursacherprinzip (die Atomkonzerne müssen die Kosten des Rückbaus und der Entsorgung von Atommüll tragen) auf keinen Fall infrage gestellt werden darf. Die Atomkonzerne dürfen nicht aus der Verantwortung entlassen werden, so dass der Steuerzahler in die Bresche springen muss!

18. Kommissionssitzung

In ihrer 18. Sitzung am 18. und 19. Dezember wird die Kommission in die konkrete Berichtsarbeit einsteigen und erste Gliederungs- und Teilberichtsentwürfe beraten. Die Übergabe des finalen Berichts ist im Juni 2016 vorgesehen. Im kommenden Frühjahr wird der Berichtsentwurf mit der breiten Öffentlichkeit in Workshops, Konferenzen und online diskutiert.

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