GAU am 26. April 1986 Tschernobyl mahnt - noch immer

Die Folgen und Risiken der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind 28 Jahre nach dem GAU für große Teile Europas immer noch nicht verarbeitet. Das machte eine Anhörung im Umweltausschuss des Bundestages vor wenigen Wochen erneut deutlich.

Vladimir Kuznetsov, einer der Liquidatoren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, warnte im Umweltausschuss eindringlich vor den Risiken der Atomkraft. Am Beispiel Russlands und Tschernobyls verdeutlichte der Mann, der als einer von vielen Arbeitern nach dem GAU vor Ort die radioaktive Strahlung eindämmen sollte, die ökonomischen und gesundheitlichen Gefahren für die Gesellschaft.

Kuznetsov, der die Folgen Tschernobyls am eigenen Leib erlebte, stellte eklatante Sicherheitslücken im Umgang mit der Atomkraft in Russland dar. Es mangelt an qualifiziertem Personal, finanzielle Mittel für den Rückbau stillgelegter Reaktoren existieren nicht und die Aufsichtsbehörde ist ein „drittrangiges Komitee“, das nicht mehr selbstständig arbeitet. Darüber hinaus werden 40 Jahre alte Reaktoren zu mehr als 100 Prozent Auslastung getrieben. Wo der Atommüll der russischen Atomkraftwerke indes gelagert werden soll, ist ungelöst. Die Zwischenlager sind voll, weshalb der strahlende Müll tausende Kilometer quer durchs Land gefahren wird.

Waldbrände können noch heute Radioaktivität nach Westeuropa tragen

Dass die Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl auch nach 28 Jahren noch immer gefährlich sind, unterstrich Kuznetsov ausdrücklich. So erkranken noch immer tausende Kinder in der Region Tschernobyls wegen der Strahlung an Krebs. Durch die häufigen Waldbrände in der Region kann die Radioaktivität sogar nach Westeuropa getragen werden, warnte Kuznetsov die Abgeordneten.

Die Ausschussmitglieder zeigten sich sehr besorgt aufgrund der Schilderungen Kuznetsovs und der dramatischen Sicherheitslage der Atomkraft in Russland beziehungsweise des russischen Reaktortyps. Bärbel Höhn, die Vorsitzende des Umweltausschusses, sicherte dem früheren Atominspektor die Hilfe Deutschlands zu. Es müsse jetzt genau überlegt werden, "wie wir Unterstützung leisten können, auch für die Zivilgesellschaft vor Ort". Es muss alles getan werden, dass sich die Sicherheitslage in Tschernobyl sowie den weiteren noch laufenden AKW russischer Bauart in der Ukraine durch die geopolitische Krise nicht weiter verschlechtert.

Auch die Bundesregierung müsste mehr tun, um die internationalen Gefahren der Atomindustrie zu minimieren. Stattdessen unterstützt sie die kurzsichtigen Interessen weniger Firmen und fördert weiter den Export der gefährlichen Atomtechnologie. Das muss endlich ein Ende haben!

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