Atommüll Verantwortbar endlagern

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Atommüll-Fässer

Die atomare Energieerzeugung in Deutschland geht zu Ende. Die Bedrohung durch ihre strahlende Hinterlassenschaft bleibt. Über 6.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll hat uns der atomare Irrweg bis jetzt eingebracht - und es wird noch mehr werden. Bis zum endgültigen Aus des letzten Atomkraftwerk in Deutschland kommen noch viele Tausend Tonnen hinzu.

Bei allen Differenzen ist man sich in Deutschland, wie in manch anderen Ländern, bisher soweit einig: Der Atommüll soll tief in der Erde gelagert und mit Barrieren gegen die Biosphäre abgeschottet werden. Benötigt wird in jedem Fall eine sehr dicke, möglichst vollkommen wasserundurchlässige Gesteinsschicht in 800 bis 1.300 Meter Tiefe. Als "Wirtsgesteine" kommen Granit, Ton oder Salz in Frage.

Das Desaster in der Asse, der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu Gorleben und die Katastrophe in Fukushima haben in die deutsche Debatte um ein Atommüllendlager für hochradioaktiven Müll neue Dynamik gebracht. Endlich wankt auch die Festlegung auf Gorleben. Noch wehren sich die in der Atomfrage konservativen Kräfte, aber der Beginn der von uns Grünen lange geforderten ergebnisoffenen und vergleichenden Endlagersuche scheint greifbar nahe.

Bevor das Wo des Endlager-Standorts geklärt wird, muss jedoch das Wie der Endlagerung geklärt sein. Diese Klärung ist zentral, denn zum Einen lässt sich eine lang anhaltende Rückholbarkeit im Salz nur schwer realisieren. Zum Anderen senkt das Konzept der Rückholbarkeit aber zugleich die Standards und bürdet die Lösung des Problems den kommenden Generationen auf. Es geht um weit höhere Standards, wenn die Option Rückholbarkeit nicht gilt. Die Entscheidung für eine Endlager-Variante muss also zwingend vor der Suche nach dem geeignetsten Endlagerstandort getroffen sein.

Nach Abwägung des Für und Widers und der Auswertung der bisherigen Erfahrungen in anderen Ländern spricht sich die grüne Bundestagsfraktion gegen eine dauerhafte Offenhaltung eines Atommüll-Endlagers aus. Lediglich während der einige Jahrzehnte währenden Betriebsphase sollte das Lager offen bleiben und zur Beobachtung der chemisch-physikalischen Prozesse genutzt werden.

Danach setzen wir auf das Konzept der " Bergbarkeit". Dabei wird das Bergwerk verschlossen und von der Biosphäre so gut wie möglich getrennt. Bergbarkeit heißt vor allem optimale Behälter zu entwickeln, die eine Haltbarkeit gewährleisten wie wir sie heute noch nicht kennen. Mindestens 500 Jahre müssten die Behälter unter Tage definitiv stabil bleiben. Nach dieser Zeitspanne sollte eine Bergung der Atommüllbehälter wegen der damit verbundenen Risiken nicht mehr angestrebt werden.

Das Konzept der Bergbarkeit gibt damit mindestens 15 Generationen die Möglichkeit, den Müll rückzuholen und ein eigenes Konzept umzusetzen. Anders als ein offen gehaltenes Endlager trifft dieses Konzept aber auch Vorsorge für den Fall, dass sich im Lauf der Jahrhunderte niemand mehr um den Atommüll kümmert.

 

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