Fachgespräch

Lebendige Ortskerne in ländlichen Räumen

Aufzeichnung des Fachgesprächs
18.10.2019
  • In vielen ländlichen Räumen veröden die Ortskerne.
  • Wir wollen, dass unsere Dörfer und Städte auch in ländlichen Regionen zu kreativen Standorten werden, die Menschen, Innovationen und Investitionen anlocken.
  • Dazu haben wir mit ExpertInnen auf unserem Fachgespräch „Lebendige Ortskerne“ diskutiert.

Verödete Ortskerne und Leerstand in Kleinstädten: Wie können solche Orte wiederbelebt erden? Wie können kreative Standort- und Innovationspotenziale identifiziert und digitale Vernetzung dafür genutzt werden? Wir Grüne im Bundestag haben Impulsgeberinnen eingeladen, um mit uns auf dem Fachgespräch „Weg vom Donut-Effekt? Lebendige Ortskerne in ländlichen Räumen" Handlungsmöglichkeiten der Politik zu diskutieren und aufzuzeigen, welche Initiativen vor Ort sich diesem Problem widmen.

Partizipation: Einbindung der Menschen vor Ort

In der Diskussion nach der Keynote von Prof. Hildegard Schröteler-von Brandt von der Universität Siegen wurde betont, dass nur die Einbindung der Bürgerschaft eine Veränderung bewirke. Die Aktivierung von Leerstand müsse aufgrund unterschiedlicher Bedarfe und Problemlagen vor Ort lokal entschieden werden.

Corinna Hesse, Kreative MV, hält neben der langfristigen Motivation von AkteurInnen und der Verbreitung von Wissen über vorhandene Förderprogramme  die Clusterbildung von Aktiven für wichtig. So würden Menschen zusammengebracht, die sich untereinander ergänzten. Die Bedürfnisse junger Menschen auf dem Land müssten im Blick behalten und GründerInnen besonders unterstützt werden. Eine Entlastung des Ehrenamts könne über eine langfristige Förderung und leichtere Folgeförderungen erreicht werden.

Möglichkeiten der neuen Arbeit und Digitalisierung nutzen

Marika Puskeppeleit von der Andreas Hermes Akademie forderte, das alte Paradigma „Wohnen folgt der Arbeit“ aufzubrechen und in die dezentrale Zukunft zu gehen. Die projektbasierte Arbeit entspräche dem Zeitgeist und Vorstellungen der jüngeren Generation. Coworking auf dem Land sei zwar kein Allheilmittel, aber es könne ein für die Bildung der oben genannten Cluster und Steigerung der Attraktivitätseiner Region hilfreich und somit eine Möglichkeit sein, den ländlichen Raum attraktiver zu machen und attraktiv zu halten.

Regionalentwicklung neu denken

Die Südwestfalen Agentur wurde hierfür als positives Beispiel genannt, aber auch das Konzept für einen Fond für Regionalentwicklung im Saarland. Es brauche mehr kommunenübergreifende Planung, sodass alte Ortskerne überplant werden könnten, und mehr Struktur in der Regionalentwicklung.

Es gäbe eine Reihe von Maßnahmen, die für eine zeitgemäße Regionalentwicklung genutzt werden müssten. Kommunikations- und Partizipationsfähigkeiten seien enorm wichtig, um möglichst viele BürgerInnen mitzunehmen bei einer Leerstandpolitik, die auch als Strukturpolitik betrachtet werden sollte.

Innovation als Chance für den ländlichen Raum

Hannah Glatte vom Center for Responsible Research and Innovation (CERRI) unterstrich das Thema Innovation als Chance für den ländlichen Raum. Es lohne sich, technische Innovationen wie Digitalisierung, Online-Plattformen und 3-D-Druck näher zu betrachten.

Diese müssten von den Bedarfen ländlicher Regionen aus gedacht werden, wenn sie vor Ort Wirkung entfalten sollen. Wenn ländliche Räume als Innovationsräume verstanden würden, steigere das ihre Attraktivität. Dabei gäbe es nicht die eine Lösung.

Das CERRI verfolge einen ko-kreativen Prozess zur Entwicklung von Zukunftsstrategien für ländliche Regionen mit  sechs Handlungsfeldern: Wurzeln und Identität wertschätzen, vielfältige Gemeinschaft fördern, Wert regional schöpfen, Strahlkraft entwickeln, Vernetzung vorantreiben, Innovationsfähigkeit steigern.

Online-Handel und interkommunale Nahversorgungskonzepte

Michael Reink vom Handelsverband Deutschland gab einen Einblick in die Entwicklung des Online-Handels, der eine Marktdurchdringung von 10 Prozent hat. Innenstadtrelevante Branchen, wie etwa die Bekleidungsbranche, lägen darüber. Online-Handel könne nur bedingt helfen, den stationären Handel zu erhalten.

Es brauche interkommunal abgestimmte Nahversorgungskonzepte und Ankerpunkte im ländlichen Raum, etwa über Wettbewerbe für Kommunen, um sich auf neue Standorte bewerben zu können. Die interkommunalen Versorgungsknoten müssten in bestehenden Siedlungen liegen und maximal 10 Minuten Autofahrt von anderen kleineren Einheiten entfernt sein, um eine gute bürgernahe Versorgung sicherzustellen.

Städtebau und Daseinsvorsorge

Wir Grüne im Bundestag wollen, um Städte und Dörfer attraktiv zu machen und so zu erhalten, die Städtebauförderung neu aufstellen und eine neue Gemeinschaftsaufgabe regionale Daseinsvorsorge einführen.

Hier das Programm des Fachgesprächs zum nachlesen.