Immobilienkauf

Maklergebühren – wer bestellt bezahlt?

Im Hintergrund sind mehrstockige Wohnungen und im Vordergrund sind Gärten, in denen  ein Kinderspielzeughaus steht.
Die Bundesregierung lehnt unseren Gesetzentwurf eines "Makler-Bestellerprinzip- und Preisdeckelgesetzes" zur Entlastung der Käufer von Wohneigentum ab und hält krampfhaft an der hohen Maklergebühr für den Kauf eines Eigenheims fest. picture alliance / dpa
27.01.2020
  • Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen möchte Käufer von Wohneigentum entlasten.
  • Dazu wollten wir die teilweise sehr überzogenen Maklergebühren durch ein marktwirtschaftliches Prinzip senken und Käufer davon entlasten: Wer den Makler bestellt, soll ihn auch bezahlen. Schließlich ist das fast immer ist die Verkäuferin oder der Verkäufer der Immobilie.
  • Die Bundesregierung ist zuletzt, nachdem sie unseren Vorschlag zunächst unterstützte, vor der Maklerlobby eingebrochen und lehnt ihn nun ab. Die Zeche für diesen Kotau vor den MaklerInnen zahlen die Käufer von Wohneigentum.

Bundesregierung entlastet Immobilienmakler statt Hauskäufer

Laut dem Gesetzentwurf der Bundesregierung müssen Käufer weiterhin die Hälfte der Maklerprovision zahlen. Das gilt selbst dann, wenn sie den Makler nicht bestellt haben. Damit halten Union und SPD krampfhaft an einem teuren Status Quo für alle, die Wohneigentum erwerben wollen, fest. Diese Praxis ist ohnehin in vielen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg schon Realität – mit der Folge, dass dort niemand entlastet wird.

Im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages fand am 27. Januar 2020 eine Anhörung zum Entwurf der Bundesregierung statt. Naturgemäß stieß der Gesetzentwurf der Bundesregierung bei den geladenen Vertretern der Makler- und Immobilienlobby auf Zustimmung. Bei den geladenen Verbraucherschützern und Juristen hingegen wurde auf verschiedene Probleme und Lücken, etwa bei der Doppeltätigkeit und Qualifikation von Maklern, hingewiesen.

Grüner Vorschlag für ein Bestellerprinzip entlastet Haus- und Wohnungskäufer um fünfstellige Beträge

Wir wollen die teilweise sehr überzogenen Maklergebühren durch ein marktwirtschaftliches Prinzip deutlich senken und viele Käufer dadurch komplett von der Maklerprovision entlasten – mit dem Bestellerprinzip.

Nur wer den Makler bestellt, soll ihn auch bezahlen. Das ist fast immer die Verkäuferin oder der Verkäufer der Immobilie. Dazu haben wir einen Gesetzentwurf in den Deutschen Bundestag eingebracht, der auch Gegenstand einer Anhörung war und dort – außer vom Maklerverband IVD, die hälftige Teilung der Gebühr vorschlug – große Unterstützung erhielt.

Kauf von Wohneigentum immer teurer

Nicht nur die Wohnraummieten steigen stark, auch der Erwerb von Wohneigentum wird immer teurer. Seit 2013 sinkt die Zahl der Ersterwerber von Wohneigentum. Neben dem Eigenkapital für den Wohnraum an sich besteht hoher Kapitalbedarf für Erwerbsnebenkosten, also Gebühren für Makler, Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer. Diese können in der in der Regel nicht über Darlehen finanziert werden. Das erschwert die Eigentumsbildung für viele Haushalte. Angesichts eines gestiegenen Altersvorsorgebedarfs gewinnt Wohneigentum zunehmend Bedeutung zur Absicherung des Lebensstandards im Alter.

Im Jahre 2016 stammten in Berlin 79 Prozent aller Inserate für Wohnungskaufangebote von Maklern. Auch in Köln, Düsseldorf und Hamburg ist die Quote überdurchschnittlich hoch. Deutschlandweit werden 59 Prozent aller Wohnungen und Häuser von Maklern angeboten. In den Bundesländern fallen neben den sonstigen Kosten für den Immobilienerwerb Maklerprovisionen in einer Höhe zwischen 5 bis 7,14 Prozent des Kaufpreises an.

Eigentumserwerb für viele unbezahlbar

In vielen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen werden die Provisionen heute schon in der Regel von Verkäufer und Käufer hälftig getragen. In anderen Bundesländern wie Berlin, Brandenburg, Hamburg und Hessen ist die Maklerprovision heute sogar komplett vom Käufer zu tragen.

Bei hälftiger Teilung fallen für den Käufer bei einem Kaufpreis für ein Eigenheim von 400.000 Euro und einer Maklerprovision, die regelmäßig eine Höhe von 7,14 Prozent des Kaufpreises hat, immer noch 14.280 Euro an Kaufnebenkosten an. Auch, wenn er den Makler überhaupt nicht beauftragt hat.

Die Bundesregierung lässt ihren Kotau von der Maklerlobby von Familien finanzieren, die Wohneigentum erwerben wollen. Der Erwerb von Wohneigentum rückt für viele so in weite Ferne.

Deutschland Spitze bei hohen Maklerkosten

Gleichzeitig zeigt ein Blick nach Europa, dass die Maklerprovision in Deutschland zwischen 5 und 7,14 Prozent am obersten Ende der internationalen Skala liegen: In Irland sind 1 bis 2,5 Prozent des Objektpreises gebräuchlich, in den Niederlanden 1 bis maximal 2 Prozent, in Schweden als grobe Faustregel je nach Verkaufspreis zwischen 1,5 und 4,5 Prozent Maklerprovision, in Großbritannien nach verschiedenen Quellen zwischen 1 und 2 Prozent. In Frankreich werden 3 bis 8 Prozent fällig

Seit dem 1. Juni 2015 gilt in Deutschland bei der Vermittlung von Wohnraum das Bestellerprinzip, nicht aber bei der Vermittlung von Wohneigentum. Während bei der Mietwohnungsvermittlung außerdem die Höhe der Maklerprovision seit langem gesetzlich auf zwei Nettokaltmieten plus Umsatzsteuer begrenzt wird, ist sie beim Immobilienkauf beziehungsweise -verkauf gesetzlich nicht näher bestimmt.

Sachverständige unterstützen grünen Gesetzentwurf für ein Bestellerprinzip

Im Mai 2019 fand im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz des Deutschen Bundstages eine Sachverständigenanhörung zu unserem Gesetzentwurf statt. Vertreten waren mit dem Immobilienverband Deutschland e.V. (IVD), dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) und dem Verein „Wohnen im Eigentum“ zahlreiche Interessenverbände. Auch die „Praktikerseite“ sowie VertreterInnen der Wissenschaft nahmen an der Anhörung teil.

Die Anhörung hat uns deutlich den Rücken gestärkt. Auch wenn es an kleineren Stellen noch Änderungsvorschläge gab, war der Tenor zahlreicher Sachverständiger: Der Gesetzentwurf verfolge ein verfassungsrechtlich legitimes Ziel. Es werde auf ein Markversagen reagiert. Warum solle der Käufer eine Leistung bezahlen, die er nicht beauftragt habe – und dann auch noch in einer Höhe, die er selbst nicht habe beeinflussen können?

Die von Maklerseite häufig als „Gegenentwurf“ zum Bestellerprinzip vorgebrachte hälftige Teilung der Maklervergütung zwischen Käufer und Verkäufer sei nicht in gleicher Weise geeignet: Auch in dieser Konstellation werde weiterhin der Käufer zur Bezahlung einer Leistung verpflichtet, die er selbst nicht veranlasst habe. Für einige Regionen würde die diskutierte Teilung der Courtage ferner zu keinerlei Entlastung führen, weil sie dort ohnehin bereits praktiziert werde.