Barrierefreiheit

Das Gesundheitssystem wirklich barrierefrei machen

Schild mit Aufschrift barrierefrei, das ein Piktogramm einer Rollstuhlfahrerin zeigt
Es ist Zeit für ein Gesundheitssystem, das Menschen mit Behinderungen endlich gleichberechtigt zugänglich ist. Deshalb brauchen wir einen Inklusionsplan für das Gesundheitswesen. katermikesch / Pixabay
05.05.2021
  • Schluss mit der Flickschusterei! Wir wollen die Hindernisse auf dem Weg zu einem gleichen und diskriminierungsfreien Zugang zu allen allgemeinen Diensten des Gesundheitssystems für Menschen mit Behinderungen endlich systematisch und umfassend beseitigen.
  • Denn auch über zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN- Behindertenrechtskonvention ist Deutschland von diesem Ziel noch weit entfernt.
  • Deshalb haben wir sowohl eine umfassende Bestandsanalyse als auch konkrete Forderungen für die wichtigsten Reformschritte vorgelegt.

Ein Gesundheitssystem ist nur dann gut und gerecht, wenn es für alle gleichermaßen zugänglich ist. Dazu hat sich auch die Bundesrepublik Deutschland bekannt, als sie 2009 die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) ratifiziert hat. Artikel 25 der Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten, das Recht behinderter Menschen auf gleichen und diskriminierungsfreien Zugang zu Diagnose, Therapie, Reha, Prävention und weiteren Komplexleistungen, wie z.B. im Rahmen der Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder, zu sichern. Darüber hinaus sind speziell auf die jeweiligen Beeinträchtigungen beziehungsweise Erkrankungen ausgerichtete Angebote zu garantieren. Die Versorgungswirklichkeit, mit der sich Menschen mit Behinderungen im Gesundheitswesen konfrontiert sehen, zeigt jedoch, dass Deutschland von einer tatsächlichen Umsetzung dieser Ziele noch weit entfernt ist.

  • Nur ein kleiner Teil der Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Therapeutinnen und Therapeuten ist baulich und technisch barrierefrei.
  • Nur in wenigen Praxen bzw. Krankenhäusern gibt es Personal, das über Kompetenzen in der Verständigung mit Menschen mit einer kommunikativen Behinderung verfügt.
  • Für Kinder mit Mehrfachbehinderungen fehlt es nach wie vor vielfach an einer adäquaten und spezialisierten Versorgung.
  • Zur Vermeidung von behinderungsbedingten Folge- und Begleiterkrankungen benötigen Menschen mit Behinderungen in vielen Fällen Medikamente, deren Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden.
  • Die Hilfsmittelversorgung von Menschen mit Behinderungen erfolgt mitunter weder zeitnah noch transparent. Dies trifft in besonderem Maße auch Familien mit Kindern mit schweren Behinderungen.

Um diese grundlegenden Missstände wirklich zu beseitigen, braucht es daher, statt dem immer neuen Drehen an einzelnen Stellschrauben, einen grundlegenden und systematischen Ansatz in Form eines Inklusionsplans für das Gesundheitswesen. Wie dieser in seinen ersten Schritten aussehen könnte, haben wir in unserem Antrag beschrieben.

Unsere wichtigsten Forderungen

  • Stärkung des Kriteriums der Barrierefreiheit sowohl bei der Krankenhausplanung als auch in den Arztpraxen;
  • Verpflichtung an alle gesetzlichen Krankenkassen sowie Anbieter von Gesundheitsleistungen, barrierefrei erreichbare Informationen nach dem Zwei-Sinne-Prinzip und in Leichter Sprache bereitzustellen;
  • Mehr Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) bereitstellen;
  • Bedeutung der Kommunikation zwischen Patient*innen und Behandler*innen bei der Behandlung von Menschen mit Behinderungen auch bei den Vergütungsregelungen stärker berücksichtigen;
  • Regelungen ausweiten, die Menschen mit Behinderungen berechtigen, sich durch eigene Assistenzpflegekräfte in Krankenhäusern und stationären Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen unterstützen zu lassen;
  • Die für viele Menschen mit Behinderung besonders relevante Hilfsmittelversorgung unter anderem durch verbindlich erweiterte Qualitätsstandards und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren verbessern;
  • Die unterstützenden Angebote für Familien mit schwer behinderten Kindern ausweiten und die notwendigen Antragsverfahren entbürokratisieren und beschleunigen, damit zum Beispiel der Antrag für ein Hilfsmittel nicht (wie heute noch viel zu oft) Monate oder Jahre dauert und erst dann bewilligt wird, wenn eigentlich schon wieder ein neues benötigt wird.