PISA 2019

Durchgefallen in Bildungsgerechtigkeit

Stühle auf den Tischen eines Klassenzimmers
PISA stellt der deutschen Bildungspolitik kein gutes Zeugnis aus. Die Ergebnisse der deutschen Schülerinnen und Schüler haben sich verschlechtert. Bildungserfolg in Deutschland hängt viel zu stark vom Elternhaus ab. Taken / pixabay
04.12.2019
  • PISA stellt der deutschen Bildungspolitik wieder einmal kein gutes Zeugnis aus.
  • Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland nur Mittelmaß, Bildungserfolg hängt noch immer übermäßig vom Elternhaus ab.
  • Wir fordern, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam anpacken und die Bildungsgerechtigkeit voranbringen – mit mehr Unterstützung für Schulen in ärmeren Stadtteilen und Gemeinden, qualitativ hochwertiger Ganztagsbildung und einer Fachkräfteoffensive für gut ausgebildetes Personal in Kitas und Schulen.

Ende des Aufwärtstrends

Bei der Pisa-Studie 2019 schneiden Schülerinnen und Schüler aus Deutschland schlechter ab als noch vor drei Jahren. Darüber kann auch der leicht verbesserte Platz im internationalen Ranking nicht hinwegtäuschen. Die Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften haben sich im Vergleich zur letzten Untersuchung deutlich verschlechtert.

Besonders besorgniserregend: Einige Baustellen des Bildungssystems werden immer größer. Nach wie vor ist der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft der Jugendlichen und ihren schulischen Leistungen im internationalen Vergleich besonders stark ausgeprägt – und wird sogar noch größer. Das ist beschämend, weil altbekannt. Bei der Lesekompetenz wird der Unterschied zwischen privilegierten und benachteiligten Kindern besonders deutlich. Was wir brauchen ist eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern mit schlechteren Startchancen, die bisher am stärksten unter dem stark getrennten Schulsystem und dem Lehrkräftemangel leiden.

Viele Probleme sind hausgemacht

Die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen leider auch, dass viele Probleme in der Bildungspolitik hausgemacht sind. Schlecht ausgestatte Klassenzimmer, fehlende Lehrkräfte, und bröckelnde Fassaden sind das Ergebnis vollkommen unzureichender Investitionen der vergangen Jahrzehnte. Die wachsende Vielfalt der Schülerschaft im Zuge der Zuwanderung hat die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems besonders deutlich aufgezeigt. Das trifft Schulen in ärmeren Stadtteilen und Gemeinden besonders hart.

Für ein Bildungssystem, das Mut macht

Umso wichtiger ist es, dass Bund, Länder und Kommunen gemeinsam anpacken und die Bildungsgerechtigkeit unabhängig von der Herkunft voranbringen.

Kinder- & Jugendbeteiligung

Junge Menschen sind politisch interessiert und engagiert. Höchste Zeit, Kinder und Jugendliche stärker in politische Prozesse einzubinden.

Ein erfolgreiches Bildungssystem unterstützt, macht Mut und bietet Schülerinnen und Schülern „Lernfutter“. Dabei geht es auch immer um das soziale Miteinander und um eine  demokratische Teilhabe. Bildungspolitik muss sich auf jeder Ebene fragen lassen, wie sie das Interesse an Naturwissenschaft und Mathe aufrechterhalten kann. Und es stellt sich die Frage, wie die Freude am Lesen, das Entdecken und das Lernen besser gefördern werden kann.

Zeit für Veränderung

PISA zeigt damit erneut, dass es Zeit ist für einen bildungspolitischen Aufbruch – und das, bevor der PISA-Schock 2.0 kommt.

Für uns heißt das:

  • Kräftige Investitionen in die Bildung
  • mehr individuelle Förderung
  • längeres gemeinsames Lernen
  • mehr Inklusion
  • eine größere Verantwortung des Bundes und
  • mehr länderübergreifende Zusammenarbeit.

Bei Bildungs- und Lebenschancen von jungen Menschen geben wir uns nicht mit Mittelmaß zufrieden. "Durchaus akzeptabel" darf nicht der Anspruch von Bildungspolitik bleiben.

Die aktuelle PISA-Studie muss ein Weckruf sein. Sie zeigt deutlich, dass der Bildungserfolg in Deutschland nach wie vor stark vom Elternhaus abhängt. Das ist beschämend. [...] Es ist Zeit für einen bildungspolitischen Aufbruch.

Margit Stumpp, bildungspolitische Sprecherin