OECD-Bildungsbericht

Wir müssen mehr investieren!

Reger Betrieb herrscht auf einem Flur der sanierten Grundschule Am Priesterweg in Potsdam-Drewitz (Brandenburg), aufgenommen am 05.08.2013.
dpa
10.09.2019
  • Der OECD-Bildungsbericht zeigt: Trotz einzelner Lichtblicke spielt das deutsche Bildungssystem nicht in der internationalen Spitzengruppe mit.
  • Personal- und Ausstattungsmängel ziehen sich wie ein roter Faden von den Grund- bis in die Hochschulen.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern einen Rechtsanspruch auf gute Ganztagsbildung, mehr Studienplätze für angehende Lehrkräfte und kräftige Zukunftsinvestitionen in Kitas, Schulen und Hochschulen.  

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am 10. September 2019 ihre jährliche Studie „Bildung auf einen Blick“ veröffentlicht. Trotz einzelner Lichtblicke geben die Ergebnisse auch dieses Jahr wieder reichlich Anlass zur Kritik: 

- Immer mehr junge Menschen studieren, die öffentlichen Ausgaben für die Hochschulen steigen aber nicht entsprechend. Darunter leiden gute Lehre und Betreuung auf dem Campus

- Mehr junge Menschen als im Vorjahr verlassen die Schule ohne Abschluss

- Quer durch die Republik fehlt es an pädagogischem Personal 

Darüber hinaus zeigt der internationale Vergleich deutlich, dass Deutschland insgesamt viel zu wenig in Bildung investiert.  

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Vergleicht man die Durchschnittszahlen der OECD-Länder mit jenen aus Deutschland, werden krasse Unterschiede deutlich. Während die OECD-Länder durchschnittlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung investieren, bleibt Deutschland mit 4,2 Prozent deutlich darunter. Das Sieben-Prozent-Ziel für Bildungsausgaben rückt so in weite Ferne, zu Lasten gerechter Chancen. Wir Grüne im Bundestag wollen dafür sorgen, dass jedes Kind breiten Zugang zu guter Bildung erhält. Dafür brauchen wir aber kräftige Zukunftsinvestitionen in Kitas, Schulen und Hochschulen. 

Ganztagsangebote voranbringen

Insbesondere in der Grundschulbildung, also dort, wo die Weichen für die Zukunft der Kinder gestellt werden, spart Deutschland. Es ist höchste Zeit, für eine neue Dynamik beim Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote zu sorgen. Wir wollen, dass der Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung endlich umgesetzt wird. Damit sich Kinder wohlfühlen und bedarfsgerecht gefördert werden können, braucht es gut ausgebildete Lehrerinnen, Erzieher und Sozialarbeiter und nicht zuletzt moderne Räume und überhaupt ausreichend Platz. Dafür muss auch der Bund Geld in die Hand nehmen. 

Lehrermangel als große Zukunftsaufgabe

Gute Schulen gibt es nur mit gut ausgebildeten Lehrkräften. Die fehlen aber an allen Ecken und Enden. Sich gegenseitig das Personal abzuwerben, darf nicht die Antwort sein. Vielmehr müssen sich die Länder koordinieren und gemeinsam alle vorhandenen Lehramtsstudienplätze nutzen. Mangelfächer müssen zügig ausgebaut werden. Multiprofessionelle Teams können Lehrkräfte entlasten, damit sie ihren ureigenen Aufgaben nachkommen können. Auch dafür müssen Fachkräfte angeworben und ausgebildet werden. Statt föderalem Zuständigkeitsgerangel sollten Bund und Länder bei der Aus- und Weiterbildung von dringend benötigtem Lehrpersonal stärker zusammenarbeiten.