Klonfleisch Bald in aller Munde?

Die Europäische Kommission hat am 18. Dezember 2013 zwei Vorschläge zum Klonen von Nutztieren und dem Umgang mit deren Produkten vorgestellt. Beide Vorschläge bleiben weit hinter dem zurück, was das Europäische Parlament und wir Grüne schon im Rahmen des gescheiterten ersten Regelungsversuchs 2008 gefordert hatten.

  • Fleisch und Milch der Nachkommen geklonter Tiere sollen auch in Zukunft ohne Kennzeichnung verkauft werden dürfen.
  • Eine Rückverfolgbarkeit der Klon-Nachfahren und ihrer Produkte ist ebenfalls nicht vorgesehen.
  • Das Klonen von Tieren, die nicht der Lebensmittelgewinnung dienen, soll trotz größter tierschutzethischer Bedenken weiter zulässig sein. Davon sind aktuell vor allem Sportpferde betroffen.

Immerhin sollen die Klon-Tiere selbst, sofern sie der Lebensmittelerzeugung dienen, vorläufig nicht mehr in die EU eingeführt und dort auch nicht „hergestellt“ werden dürfen. Auch der Import von Lebensmitteln, die direkt von den Klonen stammen, soll für die nächsten fünf Jahre verboten werden. Für die Nachfahren der Klone sind dagegen keine Beschränkungen geplant. Diese leben höchstwahrscheinlich auch bereits bei uns in Deutschland, meist gezeugt durch Besamung mit dem – nicht kennzeichnungspflichtigen – Sperma amerikanischer Klon-Bullen.

Ob der Verzehr von Klonfleisch die menschliche Gesundheit gefährden könnte, ist nicht abschließend geklärt. Die meisten Menschen finden die Vorstellung schlicht unappetitlich. Sicher ist dagegen: Das Tierleid, das durch Klonen entsteht, ist immens. Nur ein Bruchteil der geklonten Tiere erreicht gesund das Erwachsenenalter. Die meisten Klone sterben schon im Mutterleib oder kurz nach der Geburt aufgrund von Missbildungen und Beeinträchtigungen des Immunsystems. Die betroffenen Leih-Muttertiere werden durch Hormonbehandlung und Fehlgeburten erheblichen Belastungen ausgesetzt. Konsequenterweise begründet die Europäische Kommission das vorgesehene Moratorium vorwiegend mit Tierschutz-Erwägungen. Umso mehr erstaunt, dass diese Erwägungen für Tiere, die nicht der Lebensmittelerzeugung diesen sollen, offenbar irrelevant sind.

Wir Grüne fordern deshalb seit 2008 ein Importverbot nicht nur für die Klone selbst, sondern für die wirtschaftlich viel relevanteren Produkte ihrer Nachkommen. Da in einigen Staaten, die Handelsbeziehungen mit der EU unterhalten, Klonen bereits eine zugelassene „Züchtungsmethode“ ist, würde ein solches Verbot aufwändige Rückverfolgbarkeitsmaßnahmen in den Exportländern notwendig machen. Das könnte die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des Klonens dort deutlich reduzieren. Gleichzeitig würde eine solche Positionierung der EU global ein klares Zeichen setzen, dass ethischer Konsum in Europa Vorrang hat und wir keinen Markt für solch inakzeptable Auswüchse der Effizienzoptimierung im Nutztierbereich zur Verfügung stellen wollen.

Die Europäische Kommission hat sich erst einmal für den einfacheren Weg entschieden. Ihre Vorschläge bedeuten weitgehend eine Legalisierung des Status quo in Europa. Der Hintergrund dieser Positionierung lässt sich anhand des gewählten Zeitpunkts der Veröffentlichung leicht durchschauen: Ende Dezember 2013 findet in Washington die dritte Verhandlungsrunde zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP statt. Unter anderem soll es um „Handelshemmnisse“ im Agrarbereich gehen. Die unklare Gesetzeslage bezüglich Klonen in der EU gehört dazu. Doch Gegenwind ist absehbar: Das Europäische Parlament bereitet bereits eine kritische Stellungnahme vor. Auch die neue Bundesregierung wird bald Farbe bekennen müssen. Im Koalitionsvertrag hat sie sich vorgenommen, „eine Kennzeichnungspflicht für Nachkommen von geklonten Tieren und deren Fleisch“ anzustreben.

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