Waldkonferenz

Aktionsplan für einen gesunden Wald

Bia?owie?a National Park, Polen
Um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren und die Erde auch zukünftigen Generationen intakt zu hinterlassen, muss der weltweite Waldverlust gestoppt werden. Frank Vassen /flickr.com/42244964@N03
25.06.2019

Trotz der enormen Bedeutung des Waldes für die Artenvielfalt und den Klimaschutz werden jährlich Wälder von der Größe Polens weltweit abgeholzt. Gleichzeitig bedroht die Klimakrise unsere heimischen Wälder in ihrer Existenz.

Intakte Wälder erhalten

Wälder sind starke Verbündete im Klimaschutz. Sie sind vielfältige Lebensräume und riesige Kohlenstoffspeicher, die geschützt werden müssen, die aber auch nachhaltig genutzt werden können. Egal ob Wälder in Brasilien, in Indonesien, Polen oder Deutschland, die Waldpolitik steht vor großen Herausforderungen: Legale und illegale Abholzungen, die Umwandlung in Ackerflächen, Waldbrände oder auch die Auswirkungen der Klimakrise belasten die Wälder. Wir müssen alles daran setzen, intakte Wälder zu erhalten.

GRÜNE KONFERENZ

Im Rahmen unserer Konferenz „Die Lunge des Planeten retten-Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien“ haben wir am 14. Juni 2019 mit internationalen Fachleuten aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik diskutiert, welche Lösungsansätze und Maßnahmen nötig sind, um die Lunge unseres Planeten dauerhaft zu erhalten.

Zum Auftakt der Konferenz war es unser Fraktionsvorsitzender, Dr. Anton Hofreiter, der die Bedeutung der nationalen und internationalen Wälder für den Klima- und Artenschutz hervorhob. Er berichtete von seinen Forschungsreisen als Biologe in die Regenwälder Südamerikas und wie diese ursprünglichen Wälder immer weiter verdrängt werden, aufgrund der stetig wachsenden Inanspruchnahme von Flächen für die Agrar- und Fleischindustrie.

Impressionen

Peter Wohlleben fordert: Wälder raus aus der Nutzung

Im Anschluss war es der bekannte Förster und Buchautor Peter Wohlleben, der den BesucherInnen seine Vision vom Wald präsentierte. Er fordert eine radikale Wende in der Art und Weise wie der Mensch den Wald nutz und schützt. Wohlleben warnt: wir drohen unsere letzten älteren Wälder zu verlieren, wenn wir weiter in Plantagen denken und mit riesigen Forstmaschinen die Waldböden verdichten und somit den Wasserspeicher kaputt machen. Außerdem könne es nicht angehen, dass wir deutschen immer wieder auf Brasilien oder Myanmar mit dem erhobenen Finger zeigen, während wir selber gerade einmal zwei Prozent der Wälder schützen und naturnah halten.

Eindrücke aus Brasilien

In einer einstündigen Podiumsdiskussion mit Peter Wohlleben, Adriana Ramos,  Instituto Socioambiental, Prof. Pierre Ibisch, HNE Eberswalde und Steffi Lemke wurden im Anschluss die großen Konflikte in der nationalen und internationalen Waldpolitik diskutiert. Insbesondere die Berichte von Adriana Ramos von der Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Instituto Socioambiental konnten die Diskussion um eine Südperspektive bereichern und die aktuell alarmierenden Entwicklungen in Bezug auf Landrechte und Waldschutz unter dem brasilianischen Präsidenten Bolsonaro schildern.

Bundesweite Waldinitiativen stellen sich vor

Als zentraler Ort für den fachlichen Austausch und weiterführende Gespräche etablierte sich während der Pausen der Konferenz eine kleine Ausstellung, die bundesweiten Waldinitiativen die Möglichkeit bot Ihre Projekte vorzustellen und ihre Anliegen zu präsentieren. Hier wurde lebhaft und anschaulich über die Unterschutzstellung von Waldgebieten, Klimaschutzprojekte oder die ökologische Bewirtschaftung von Wäldern diskutiert.

Intensive Diskussionen in den Fachforen

Im Laufe des späten Nachmittags gab es dann insgesamt fünf Fachforen die sich mit einzelnen Teilaspekten der Waldpolitik international und in Deutschland beschäftigten.

Panel 1: Vom Hambacher Wald bis Brasilien – Waldschutz ist Klimaschutz

Fragen wie die Bedeutung des Hambacher Waldes für die deutsche Klimaschutzpolitik, der mögliche Beitrag von Wäldern zum Erreichen der Pariser Klimaziele, die Wahrung der Rechte indigener Völker, als auch Deutschlands Rolle im internationalen Waldschutz wurden diskutiert.

Panel 2: Wege zum Klimafesten Wald von Morgen

Mit Experten und Expertinnen aus der Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wurde über die Notwendigkeit und Machbarkeit des Waldumbaus gesprochen, damit unsere Wälder den Herausforderungen der Klimakrise gewachsen sind.

Panel 3: Illegaler Raubbau von Myanmar bis zur Gorch Fock

Illegal geschlagenes Holz landet immer wieder auf unseren Märkten und auch auf dem Deck des Schulschiffs Gorch Fock. Über das Ausmaß der organisierten Kriminalität, den Schlupflöchern in der bestehenden Gesetzgebung als auch der Möglichkeiten der konsequenten Überprüfung wurde in diesem Panel diskutiert. 

Panel 4: Nachhaltiges Palmöl – Chance für den Wald oder Greenwashing für Konzerne

Es wurde bereits eine Vielzahl von politischen Initiativen angestoßen, um das nach Deutschland und in die EU importierte Palmöl auf seine Umweltverträglichkeit zu prüfen und zu zertifizieren. Doch diese Nachhaltigkeitssiegel stehen in der Kritik: zu seichte Auflagen, zu wenig Kontrollen, zu lasche Sanktionen. Diskutiert wurde, ob kleine Verbesserungen immer noch besser sind als nichts, zumal eine sinnvolle Alternative zum Palmöl fehlt, oder ob sich Palmöl und Nachhaltigkeit grundsätzlich ausschließen und die Siegel nur ein Feigenblatt für Konzerne und ein gutes Gewissen für VerbraucherInnen bedeuten. 

Panel 5: Der heimische Wald – Mehr als ungesägte Bretter 

Im Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung müssen Wege gefunden werden, die multifunktionalen Leistungen des Waldes zu erhalten und gleichzeitig das heimische Naturerbe zu bewahren. Wieviel Holz kann naturverträglich genutzt werden und kann Holz möglichst langlebig eingesetzt werden wurde in diesem Panel mit experten diskutiert. 

AKTIONSPLAN FÜR EINEN GESUNDEN WALD

Während der Konferenz haben wir auch unseren grünen „Aktionsplan für einen gesunden Wald“ vorgestellt. Wir wollen den Umbau von Plantagen zu Öko-Wäldern vorantreiben, indem wir einen Waldzukunftsfonds in Höhe von einer Milliarde in 10 Jahren auflegen. Wälder für den Rohstoff Holz genutzt werden, müssen nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden und diese Kriterien sollen rechtlich abgesichert im Waldgesetz verankert werden. Für mehr Natur im Wald wollen wir den Waldnaturschutz ausbauen und auch Wildnis zulassen, indem wir eine Urwaldoffensive starten. Wir verlieren weltweit jährlich über 8,8 Millionen Hektar Wald, darunter auch die letzten Urwälder der Erde. Wir müssen uns mit den Partnerländern im Süden für den Erhalt der Wälder und für naturnahe Aufforstungen einsetzen.