Biologische Vielfalt

Artenvielfalt für den Gesundheitsschutz

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22.05.2020
  • Arten - und Naturschutz bedeutet auch immer vorsorgender Gesundheitsschutz, denn eine intakte Natur hält Krankheitserreger in Schach.
  • Die Zerstörung von Lebensräumen und die Ausbeutung von Wildtieren muss ein Ende haben.
  • Natur – und Artenschutz muss konsequent in allen Ressorts umgesetzt werden – weltweit.

Eine hohe Artenvielfalt und eine intakte Natur sind vorsorgender Gesundheitsschutz. Unsere Erde ist unglaublich reich und vielfältig an natürlichen Lebensräumen mit all seinen Organismen wie zum Beispiel Tiere und Pflanzen, die darin leben. Leider müssen Wissenschaftlerinnen seit Jahren Alarm schlagen: Wir zerstören die Natur und löschen Arten in rasantem Tempo aus. In diesen Corona-Zeiten wird auch deutlich, dass wir mit dem Verlust der Artenvielfalt nicht nur unsere Lebensgrundlagen wie gesunde Nahrungsmittel, frische Luft und sauberes Wasser verlieren, sondern auch ganz direkt unsere Gesundheit in Gefahr bringen.Über 75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten stammen aus der Tierwelt – meist von Wildtieren. Ebola, SARS, Vogelgrippe aber auch HIV haben einen tierischen Ursprung, sind sogenannte Zoonosen.

Hintergrund

Jährlich findet am 22. Mai der internationale Tag der biologischen Vielfalt statt und erinnert daran, dass am 22. Mai 1992 das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt verabschiedet wurde. Es wurde inzwischen von 196 Staaten ratifiziert. (Quelle: UNESCO)

Zwar sind Krankheitserreger wie zum Beispiel Viren und Bakterien ganz natürliche Bestandteile unserer Ökosysteme und kommen in einer großen Vielzahl vor. Die Erreger haben eine lange gemeinsame Co-Evolutionsgeschichte mit den von ihnen befallenen Tieren und sind daher für diese Tiere in der Regel nicht tödlich, da diese sich eine entsprechende Immunität aufgebaut haben. Neu auftretende Infektionskrankheiten/Epidemien entstehen aber immer dort, wo sie in Populationen ohne ausreichenden Immunschutz auftreten, also bei Arten, die nicht bereits an die Erreger gewöhnt sind.

In intakten Lebensräumen haben es Viren schwer

Eine Störung von Lebensräumen hat zur Folge, dass sich die Artenzusammensetzung in dem jeweiligen Ökosystem verändert. Spezialisierte Arten kommen mit Veränderungen nicht klar, können sich nicht mehr durchsetzen und verschwinden. Diese Lücke füllen diejenigen Arten, die sehr anpassungsfähig sind – die so genannten Generalisten. Diese Arten nehmen an Dichte und Häufigkeiten zu, die Individuen kommen sich näher. Übertragungswege werden kürzer und kürzer. Diese Generalisten tragen oftmals auch Erreger in sich, die sehr anpassungsfähig sind und daher auch leichter auf Menschen überspringen könnten. Viren können sich in intakten Lebensräumen nicht so flächendeckend ausbreiten, da die Übertragungswege von Tier zu Tier weiter und für die Viren nicht effektiv sind. In einem veränderten System wo es eine höhere Dichte von einer robusten Art gibt, sind Übertragungswege für die Erreger viel effektiver. In stark gestörten Ökosystemen mit geringer Biodiversität wird es deshalb wahrscheinlicher, dass Krankheitserreger eine Epidemie auslösen.

Fatale Nähe zwischen Wildtier und Mensch

Die Menschheit ist immer mehr in die natürlichen Verbreitungsgebiete vieler Arten eingedrungen, hat den Lebensraum der Tiere gestört und meist auch reduziert, zum Beispiel durch die Abholzung der Urwälder und die Anpflanzung von Monokulturen für die industrialisierte Landwirtschaft. Die Arten, die überleben, teilen sich die immer kleiner werdenden Lebensräume immer häufiger auch mit den Menschen. So entsteht eine unnatürliche und gegebenenfalls fatale Nähe zwischen Menschen und Wildtieren, die potentiell Krankheitserreger in sich tragen.

Eine intakte Natur, der Arten- und Naturschutz ist daher auch eine effektive Vorsorge gegen zukünftige Zoonosen und Pandemien.