Nord- und Ostsee retten

Meeresschutz statt Überfischung

Wellenbrecher am Meeresstrand
Der Zustand der deutschen Meere und Riffe ist im roten Bereich: Eines unserer wichtigsten Ökosysteme ist damit bedroht. Ursache dafür ist noch immer erlaubte Fischerei in Meeresschutzgebieten, die bislang nur auf Papier existieren. Henryk Niestrój / Pixabay.com
09.06.2020
  • Der Zustand der deutschen Meere und Riffe ist im roten Bereich: Eines unserer wichtigsten Ökosysteme ist damit bedroht.
  • Ursache dafür ist noch immer erlaubte Fischerei in Meeresschutzgebieten: Da diese Schutzgebiete bislang nur auf dem Papier existieren, wird auch in den Schutzzonen weiter mit zerstörerischen Fangtechniken gefischt – sogar stärker als in anderen Teilen der Nord- und Ostsee.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass in Meeresschutzgebieten echte Schutzzonen eingerichtet werden: Nur in weiträumigen Nullnutzungszonen können sich Fischbestände und Riffe erholen. Die Bundesregierung muss den Schutzprozess beschleunigen.

Deutsche Meere und Riffe in dramatischem Zustand

Tag der Meere

Der Welttag der Ozeane hat seinen Ursprung im Erdgipfel am 8. Juni 1992 in Rio de Janeiro. Seit 2009 wird der 8. Juni als Welttag der Ozeane von den Vereinten Nationen begangen. Die Ozeane werden als bedeutend für Ernährungssicherheit, Gesundheit und dem Überleben allen Lebens, für das Klima und als ein kritischer Teil der Biosphäre gesehen. Ziel des Tages ist es daher, weltweit Aufmerksamkeit für aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit den Ozeanen zu erlangen. (wikipedia)

Der Tag der Meere erinnert uns: Unseren Meeren geht es schlecht. Die sich verschärfende Klimakrise, unvorstellbare Mengen an Plastikmüll und jahrzehntelange Überfischung bedrohen das einzigartige Ökosystem Meer in nie da gewesenem Ausmaß. Auch die Nord- und Ostsee sind von diesen Krisen bedroht: Unsere Anfrage an die Bundesregierung zeigt nun, dass der Zustand der Riffe in der Nordsee schlecht ist – und sich in den letzten 15 Jahren sogar immer weiter verschlechtert hat. Grund dafür ist vor allem die bodenberührende Schleppnetzfischerei, eine immer noch erlaubte, aber besonders naturschädliche Fangmethode: Die Schleppnetze werden direkt über den Meeresboden gezogen und pflügen alle schützenswerten Riffe einfach um. In riesigen Stellnetzen verfangen sich außerdem oft die bedrohten Schweinswale und verenden.

Politikversagen der GroKo: Intensive Fischerei in deutschen Meeresschutzgebieten

Es ist schon lange klar, dass die deutschen Meere und Riffe unseren Schutz brauchen. Daher wurden im Jahr 2004 Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee ausgewiesen. Doch für diese Gebiete wurden niemals Regeln und Beschränkungen festgelegt. Erst im September 2017 hat die Bundesregierung Schutzgebietsverordnungen verabschiedet – nach 13 langen Jahren. In die Praxis umgesetzt sind die Schutzmaßnahmen aber immer noch nicht: Die darin festgelegten Fischereibeschränkungen müssen mit den anderen Anrainerstaaten abgestimmt werden. Dieser Abstimmungsprozess wurde für die Ostsee noch nicht einmal begonnen, in der Nordsee wird dieser Prozess bereits seit Jahren verschleppt. In einer neuen Verhandlungsrunde 2020 muss Deutschland einen neuen Vorschlag einbringen, doch Umweltministerium (BMU) und Landwirtschaftsministerium (BMEL) konnten sich bislang nicht einigen. Es gibt damit immer noch keine wirksamen Schutzgebiete für die vielen bedrohten Tiere, Pflanzen und Lebensräume in Nord- und Ostsee. Deutschland drohen deshalb sogar EU-Strafzahlungen.

Besonders drängend ist die Einschränkung der Fischerei in den Schutzgebieten: Einer GEOMAR-Studie zufolge ist die Fischereiintensität in den Schutzgebieten um 40 Prozent höher als im restlichen Meer. In den Meeresschutzgebieten wird also noch mehr überfischt und Natur zerstört als in den restlichen Teilen von Nord- und Ostsee, die bedrohten Arten werden zum Hauptziel der Fischerei. Das konterkariert das Ziel der Schutzgebiete völlig und hat dramatische Folgen für unser Ökosystem.

Meeresschutz statt Schleppnetze: Nullnutzungszonen jetzt!

Wir setzen uns dafür ein, dass in den deutschen Schutzgebieten endlich weiträumige Nullnutzungszonen eingerichtet werden: Darin darf es keine wirtschaftliche Nutzung des Lebensraumes Meer mehr geben, Fischerei muss großflächig ausgeschlossen werden. Der Zustand der Riffe und Fischbestände ist so dramatisch, dass die Verhandlungen über solche Beschränkungen nicht weiter verschleppt werden dürfen. Wir fordern daher, dass die Bundesregierung noch vor der Sommerpause die Initiative übernehmen und den Anrainerstaaten neue Vorschläge vorlegen soll. Die Verhandlungen müssen schnell zu einem erfolgreichen Ende kommen, damit Meeresschutzgebiete auch ihrem Namen gerecht werden: Echte Rückzugsräume für die bedrohten Meerestiere in Nord- und Ostsee, zur Stabilisierung des angeschlagenen Ökosystems Meer. Auch die Plastikvermüllung, Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft und die Überhitzung unserer Ozeane müssen wir endlich stoppen, damit unsere Meere sich erholen können.