Meeresschutz

Rückenwind für das Weddellmeer

Die Klimakatastrophe lässt das Eis in der Antarktis und Arktis schmelzen. Ein neuer Negativrekord und menschliche Katastrophen in Kalifornien oder Ostafrika müssten die Bundesregierung zum Handeln veranlassen.
In der Antarktis soll das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstehen. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich gemeinsam mit den Fraktionen der CDU/CSU, SPD und FDP für dieses Schutzgebiet ein und fordert die Bundesregierung auf, die Verhandlungen zu forcieren. Im Bild: Eisberg in der Antarktis (Symbolbild) picture alliance/ZUMA Press
07.10.2020
  • Die Klimakrise und die Überfischung setzen zunehmend auch dem noch weitestgehend unberührten Weddellmeer der Antarktis zu, deshalb braucht es besseren Schutz.
  • Im Weddellmeer soll das größte Meeresschutzgebiet der Erde entstehen.
  • In einem interfraktionellen Antrag fordert der Deutsche Bundestag, dieses Gebiet und bis spätestens 2030 mindestens 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen.

Im Herbst könnte das mit Abstand größte Meeresschutzgebiet der Welt, im Weddellmeer in der Antarktis, beschlossen werden. Seit vielen Jahren scheitert dessen Einrichtung am Widerstand einiger weniger Länder. Das Weddellmeer beherbergt einen Artenreichtum von über 14.000 Tierarten, der es mit tropischen Riffen locker aufnehmen kann. Dabei sind die Lebensbedingungen im Südpolarmeer extrem. Es ist einer der letzten von dem Menschen kaum berührten Lebensräumen der Erde.

Deutschland stellt Antrag für den Schutz des Weddellmeer

Ein Vorschlag Deutschlands zur Unterschutzstellung liegt den Mitgliedern der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) vor. Die Hürde ist hoch, da ein einstimmiger Beschluss gefällt werden muss. Insbesondere China und Russland haben sich als die größten Gegner eines solchen Schutzgebietes in den letzten Jahren herausgestellt. Deshalb braucht es in den Gesprächen mit den internationalen Partnern mehr Nachdruck und Engagement für das Weddellmeer von den Fachminister*innen und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Fraktionsübergreifender Antrag im Deutschen Bundestag

Um die Bundesregierung bei den anstehenden Verhandlungen zu stärken und konkrete Anforderungen für das Schutzgebiet formulieren hat der Deutsche Bundestag ein Zeichen gesetzt. Wir haben die Initiative ergriffen und zusammen mit CDU/CSU, SPD und FDP einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht. Dieser bekräftigt auch das internationale Ziel, bis spätestens zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Meere zu schützen.

Nullnutzungszonen als wichtigstes Instrument im Meeresschutz

Bei der Unterschutzstellung ist es wichtig, dass das gesamte Weddellmeer berücksichtigt wird und im geplanten Schutzgebiet ein wirksames international vereinbartes Management im kompletten Bereich des Schutzgebietes festgelegt wird. Die Einhaltung dieser Maßnahmen muss regelmäßig überprüft werden. Außerdem sollen großflächige Nullnutzungszonen vereinbart werden. Diese sind der Garant für gesunde und widerstandsfähige Meere.

Bundesregierung versagt beim nationalen Meeresschutz

Das Engagement des Deutschen Bundestags und der Bundesregierung für das Weddellmeer ist vorbildlich. Doch leider gilt dies nicht für den Meeresschutz vor der eigenen Haustür. In den Meeresschutzgebieten der deutschen Nord- und Ostsee wird weiterhin mehr gefischt als außerhalb der Schutzgebiete und sogar Kies- und Sandabbau findet dort statt. Wir Grüne im Bundestag kämpfen dafür, dass dies ein Ende hat.