Biodiversität Der grüne Aktionsplan für den Schutz der biologischen Vielfalt

Dichter Atlantischer Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo.

Zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22.05.2012 beschließt die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ihren Aktionsplan für den Schutz der biologischen Vielfalt und legt damit als erste Partei ein umfassendes Konzept vor, das wirklich alle politischen und gesellschaftlichen Bereiche umfasst.

Dramatischer Verlust

Der dramatische Verlust an biologischer Vielfalt ist eine der zentralen globalen Herausforderungen der Gegenwart. Daher ist für uns  die Bewahrung der Biodiversität ein Schwerpunkt unseres politischen Handelns. Wir wissen: Als Teil der Natur kann der Mensch nur leben, wenn er seine natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt. Die Vielfalt der Natur, den Reichtum ihrer Arten und die unwiederbringliche Eigenart naturnaher Landschaften schützen wir aber nicht nur um des Menschen willen, sondern auch aus Respekt vor ihrem Eigenwert.

Das Naturerbe der Menschheit ist unveräußerbar und muss für nachfolgende Generationen erhalten werden. Jede Generation trägt die Verantwortung für die Erhaltung der bestehenden Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, genetischen Informationen, Ökosystemen und Landschaften, damit die Zukunftschancen jetziger und kommender Generationen erhalten bleiben. Wir plädieren daher dafür, dass alle umweltrelevanten Entscheidungen, deren Folgen den Zeitraum einer Generation überschreiten oder irreversibel sind,  auf ihre Generationenverträglichkeit überprüft werden müssen.

Die Hauptursache für das beispiellose Artensterben besteht weltweit in der Übernutzung, der Verschmutzung und der Vernichtung von Ökosystemen durch den Menschen. In der Folge  gehen natürlich entstandene Lebensräume unwiederbringlich verloren. So sind heute Landwirtschaft und Waldnutzung nur in bestimmten Bewirtschaftungsformen nachhaltig. Ressourcenabbau und der weltweit zunehmende Bau neuer Infrastruktur nehmen keine Rücksicht auf die Natur. Klimawandel, Überdüngung, Verschmutzung und eingeschleppte Arten verändern die natürlichen Lebensräume ebenfalls mit zunehmender Geschwindigkeit.

Biodiversitätsschutz als Querschnittsaufgabe

Der konsequente Artenschutz sprengt sowohl die nationalen als auch die sektoralen Grenzen und wird von uns nicht nur als reiner Naturschutz verstanden. Der klassische Natur- und Artenschutz spielt für den Schutz der biologischen Vielfalt eine große und unverzichtbare Rolle. Doch wir können die Biodiversität nur dann umfassend bewahren, wenn wir Anstrengungen in allen gesellschaftlichen Bereichen und in allen politischen Ressorts unternehmen und die Rettung der Vielfalt zu einer zentralen Aufgabe der Zivilisation machen. Die Bewahrung der biologischen Vielfalt ist die Basis, auf der eine humane Politik überhaupt erst möglich wird. Biodiversitätsschutz ist darum eine Aufgabe für den Staat, den Privatsektor und alle anderen Akteure – und zwar auf allen Ebenen, von der kommunalen bis zu internationalen.

Mit unserem Konzept »Biodiversität 2020« zeigen wir, dass der Schutz der Biodiversität eine Querschnittsaufgabe ist und an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um den Artenverlust relevant zu verlangsamen. Als Bundestagsfraktion setzen wir uns dafür ein, dass alle Politikbereiche ihren Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten. Mit dem hier vorgelegten konkreten „Aktionsplan Biodiversität 2020“ wollen wir eine umsetzbare Alternative zum konzeptionslosen Nicht-Handeln der schwarz-gelben Bundesregierung aufzeigen und zur Diskussion stellen.

In einem umfassenden Hintergrundpapier benennen wir die wichtigsten Aufgaben für alle relevanten Politikfelder und Akteure.

In den kommenden Monaten werden wir weiter an der inhaltlichen Spezifizierung und der zeitlichen Konkretisierung unserer Vorschläge arbeiten, so dass wir im Zusammenhang mit der Übernahme von Regierungsverantwortung zügig und zielgenau an die Umsetzung gehen können.

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7 Kommentare
Link zum Konzept
Rosmarie Müller 22.05.2012

Wir begrüssen den Schritt ein Biodiversitätkonzept zu veröffentlichen und wollen die Biodiversitätskommunity auf unserer webeite (biodiversity.de) ebenfalls zur Kommentierung aufrufen. Dafür sollten wir allerdings auch einen Link zum Konzept zur Verfügung stellen, der bisher im Internet noch nicht auffindbar ist.
Können Sie uns den Link zusenden?

Vielen Dank,
Rosmarie Müller und das NeFo-Team (www.biodiversity.de)

Fraktionsbeschluss veröffentlicht
Grüne Fraktion 23.05.2012

Liebe Frau Müller,
nach dem Beschluss in der Fraktionssitzung steht der Aktionsplan "Biodiversität 2020" nun oben auf dieser Seite zum Download bereit. Zudem finden Sie ein umfangreiches Hintergrundpapier.

Umsetzung der Biodiversitätsstrategie
Silvia Salomon 25.05.2012

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Text.
Ich hoffe sehr, dass diesen Worten nun auch Taten in allen Bundesländern mit grüner Beteiligung folgen werden und die Umsetzung der Ziele der Biodiversitätskonvention - und wie ich meine, auch unsere nationalen Ziele, die im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind - , vorangetrieben werden.

Biodiversität
Kuhlmann, Herwig 25.05.2012

Bin seit einigen Jahren dabei, den öffentlichen Verwaltungen dieses Gedankengut und viele Bekannte beim Umsetzen in Ihren Gärten zu vermitteln. Hinweis auf einen Vortrag von Dr. Heinz Klöser BUND-Kreisgruppe Hzgt.Lauenburg über das Thema vom 25.3.2011: Biodiversität. Sehr empfehlenswert!
Grüne Grüße
Herwig Kuhlmann

Agrobiodiversität
Herwig zum Berge 25.05.2012

Viele alte Nutztierrassen, robust, gesund und mit vielen anderen guten Eigenschaften gesegnet sterben aus. Die heutige Hybridzucht hat die Landwirtschaft in die züchterische Sackgasse geführt. Selbst im BIO Bereich müssen männliche Legehybriden geschreddert werden. Es gibt sie aber noch, die alten Zeinutzungsrassen.
Diese Rassen taugen aber weder für die Massentierhaltung noch für die Hochleistung. Sie brauchen auch kein Proteinfutter aus Übersee, heimische Leguminosen reichen völlig aus.

Wir propagieren Slow-Farming. Tierzucht ohne Mast und Hast.
Weitere Infos unter www.vieh-ev.de

Schöne Worte
Sambi 25.05.2012

Hoffentlich werden aus Worten dort, wo die Grünen nun in den Regierungen sitzen, auch Taten.

Ich will nur zwei kleine Beispiele nennen:

- Jagdgesetz: Schlimm: Waldschnepfen und Hasen werden gejagt. Das Jagdgesetz muss auf wenige (mein Vorschlag: 5) jagdbare Arten beschränkt werden.

- Grünstreifen an Straßenrändern: Das ständige Mähen ist völlig unnötig und sollte künftig nur dort erfolgen, wo die Sicht sonst behindert würde.

LG

Ressourcenrecht = Bürgerinnenrecht
Torsten Mahncke LAG DIR MV von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11.06.2012

Die Formulierung des Ressourcenschutzes als politische "Querschnittsaufgabe" kann nur ein erster Schritt sein. Ziel ist es, einen rechtlich verbindlichen Anspruch aller Bürgerinnen und Bürger der Erde auf Erhalt der natürlichen Ressourcen durchzusetzen. Natürliche Ressourcen sind von vitaler Bedeutung für die Zukunft unserer Erde und ein Erbe der gesamten Menschheit.

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