Religionsgemeinschaften

Religionsausübung in Corona-Zeiten

Coronavirus - Winterbach
In der leeren Kirche leitet ein Pfarrvikar einen Gottesdienst der katholischen Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt, der im Internet gestreamt wird. picture alliance/Sebastian Gollnow
15.07.2020
  • Besonders in Krisenzeiten suchen religiöse Menschen Gemeinschaft, Halt und Zuspruch in der Religion. Deshalb haben die Versammlungsbeschränkungen und -verbote die Religionsgemeinschaften vor eine große Herausforderung gestellt.
  • Die religiösen Gemeinden in Deutschland haben diese starken Einschränkungen der Religionsfreiheit verständnisvoll aufgenommen und neue Wege gesucht, um für die Sorgen und Nöte der Gläubigen da zu sein und ihnen die Ausübung ihrer religiösen Praxis möglichst gewohnt zu ermöglichen.
  • Religiöse Zusammenkünfte sind inzwischen unter strengen Auflagen zwar wieder möglich, die religiöse Praxis erfährt aber immer noch deutliche Einschränkungen. Zudem haben Religionsgemeinschaften mit den Verlusten von Spenden an den hohen Feiertagen während des Lockdowns zu kämpfen.

Die religiösen Gemeinden in Deutschland sind weitgehend äußerst konstruktiv mit dem Versammlungsverbot, welches die Bundesregierung und die Regierungschefs der Bundesländer am 16. März vereinbart haben, umgegangen. Zum Wohle aller wurde wochenlang auf physische Zusammenkünfte verzichtet. Um die Gläubigen gerade in Zeiten von existenziellen Sorgen und Nöten nicht allein zu lassen, haben sich religiöse Gemeinden alternative Angebote überlegt, um die Gläubigen zu erreichen.

Wir haben die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 29. April 2020 zu Gottesdiensten und Zusammenkünften zur gemeinsamen Religionsausübung begrüßt. Langdauernde pauschale Gottesdienstverbote sind bei bestehender Möglichkeit angemessener und effektiver Infektionsschutzmaßnahmen und entsprechender Auflagen mit der Religionsfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG) nicht vereinbar.

Alternative Angebote wurden schnell umgesetzt

Mit Online-Gottesdiensten, Online-Gebeten, Apps, Infotelefonen, Telefon- und Internetseelsorge wurden zahlreiche Ersatz- und Ergänzungsangebote geschaffen. In Gemeinden sind Unterstützungsnetzwerke für besonders hilfsbedürftige Menschen eingerichtet worden, der Gebetsaufruf für Muslime wurde umgewandelt und viele Informationen zum Umgang mit religiösen Ritualen in der Krise werden über religiöse Mediendienste und Netzwerke kommuniziert.

Vieler dieser Angebote werden nach den Lockerungen weitergeführt, um auch solchen Menschen einen Zugang zur religiösen Praxis zu geben, die aus gesundheitlichen Gründen weiterhin auf religiöse Zusammenkünfte verzichten, oder aus Kapazitätsgründen der Gemeinden in Kombination mit den Corona-Auflagen, nicht daran teilhaben können.

Harte Prüfung für religiöse Menschen

Die Flexibilität und Lösungsbereitschaft der religiösen Gemeinden und Gemeinschaften für ein umsichtiges und verantwortungsvolles Handeln ist in diesen Monaten besonders gefragt.

Die Versammlungsverbote sind für Religionsgemeinschaften vor allem an hohen Feiertagen eine harte Prüfung. Neben Karfreitag und Ostern fielen etwa auch das siebentägige Pessachfest und der Ramadan in die Zeit der Corona-Krise. Es ist für viele religiöse Menschen eine besondere Herausforderung an diesen wichtigen Feiertagen auf die religiöse Gemeinschaft in den Gotteshäusern zu verzichten. Zudem sind es Tage, an denen die Spendenbereitschaft der Gläubigen besonders hoch ist. Das Ausfallen von religiösen Zusammenkünften an hohen Feiertagen hat für viele Religionsgemeinschaften, die sich auf Spendenbasis finanzieren, gravierende Auswirkungen.

Es ist wichtig, dass diese Gemeinden mit den Folgewirkungen der Einschränkungen nicht allein gelassen werden.